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Sattel Sattel

Test 2014: So finden Sie den perfekten Sattel

Sechs Sattel-Konzepte im Vergleich

Stefan Frey am 18.08.2014

Die Suche nach dem passenden Sattel gerät für manchen Biker zur Lebensaufgabe. Wir haben sechs Ergonomie-Konzepte ausprobiert und im Labor untersuchen lassen. Der Test und alles zum Thema MTB-Sattel.

Immer mehr Hersteller wollen uns Bikern bei der Suche nach dem passenden Sattel unter das Sitzleder greifen. Ausgefeilte Konzepte sollen uns den Weg zum Ende des Regenbogens weisen, wo zwar nicht gerade das sprichwörtliche Kistchen Gold wartet, dafür aber der perfekte Sattel. Worüber sich der ein oder andere wohl noch mehr freuen würde.

Anhand von sechs Konzepten wollten wir herausfinden, ob der Weg zum schmerzfreien Bike-Erlebnis wirklich so einfach ist. Wir haben zwei Testfahrer mit unterschiedlichem Fahrerprofil ausgewählt und den passenden Sattel entweder per Online-Tool oder anhand der Vermessung beim Hersteller ermitteln lassen.

Zwei Fahrertypen, zwölf Sättel

Sechs Sättel wurden so auserkoren, die laut Hersteller perfekt zum jeweiligen Fahrer passen sollten. Jedes Modell wurde nach demselben Prinzip auf dem jeweiligen Testbike montiert und ausgerichtet. Zunächst in waagrechter Position, um jeweils die identische Ausgangsbasis zu haben.

Satteltest sattel einstellen

Jeder Sattel wird penibel am persönlichen Testrad ausgerichtet.

Im Laufe der Testfahrten musste beim ein oder anderen Modell der Neigungswinkel oder der Versatz leicht optimiert werden. Da jeder Sattel unterschiedlich konstruiert ist, ist es aber normal, dass die individuell optimale Position etwas abweichen kann. Alle Fahreindrücke wurden in einem ausführlichen Testprotokoll festgehalten.

Diese MTB-Sattel-Modelle finden Sie im Test:

• Ergon SME3 Pro
• Ergon SMW M Pro
• Pro Falcon Ti
• Pro Turnix Carbon
• Prologo Scratch Pro X14
• Prologo X-Zero Nack CPC
• Selle Italia SLR XC
• Selle Italia SLR Superflow L
• Specialized Henge Exp. 
• Specialized Phenom Comp Gel
• SQlab 611 Active
• SQlab 611 Race

Die beiden Testfahrer

Fotostrecke: Die Testfahrer

Wissenschaftliche Vermessung bei gebioMized

Um die persönlichen Eindrücke der Testfahrer zu unternmauern, wurde jeder Sattel bei gebioMized unter wissenschaftlichen Bedingungen in Bewegung untersucht. Für jedes Modell wurde – wiederum am persönlichen Testrad – eine Druckmessung durchgeführt. Gleichzeitig wurden die Messungen von zwei Kameras aufgezeichnet, eine frontal und eine 90 Grad seitlich versetzt. So konnte auch unterschiedliches Sitz- oder Trittverhalten analysiert werden. Die Testfahrer wurden ausgewählt, da bei ihnen keine anatomischen Gegebenheiten festgestellt werden konnten, die verhindern würden, einen passenden Sattel „von der Stange zu finden“.

Die Ergebnisse der Testfahrten und Druckmessung

Fotostrecke: Testergebnisse Enduro-Fahrer

Fotostrecke: Testergebnisse Marathon-Fahrer

Um eine objektive Auswertung zu gewährleisten fanden zuerst die Testfahrten statt. Danach wurden die Sättel bei gebioMized analysiert und bewertet, allerdings ohne die Ergebnisse aus dem Praxistest zu kennen. In einem abschließenden Gespräch wurden die gesammelten Daten zusammengeführt. Hier die Bewertungen:

So funktioniert die Vermessung bei gebioMized

Um eventuellen Messfehlern vorzubeugen, wurden die Vermessungen unter standardisierten Laborbedingungen durchgeführt. Folgende Punkte wurden bei jedem Durchgang identisch ausgeführt:

Satteltest

Lotte Kraus von gebioMized analysiert die korrekte Sitzhöhe anhand der Gelenkwinkel.

  • Die Sitzposition wurde anhand einer Gelenkwinkelanalyse in der Dynamik eingestellt
  • Die Sattelposition wurde anhand des Kraftangriffspunktes auf dem Sattel ermittelt
  • Für gleichbleibende Tretwiderstände sorgte ein wattgesteuerter Rollentrainer (Tacx Bushido)
  • Gefahren wurde jeweils mit identischer Trittfrequenz
  • Raum, Temperatur, sowie die Kleidung der Testfahrer wurde während der Messungen nicht verändert

Ausgefeilte Messtechnik

Die Druckmessung wurde für jedes Sattelmodell über einen vorgegebenen Zeitraum in der Dynamik durchgeführt. Auf der so genannten „GP BikeMess“-Druckmessfolie sind 64 Sensoren positioniert, welche die Belastungsverteilung über eine Farbskalierung in den 64 Zonen grafisch darstellen.

In der fertigen Grafik werden folgende Daten dargestellt:

Satteltest

Blaue Flächen bedeuten wenig Druck, rote Flächen hohe Druckbelastung. Auch eine ungleichmäißge Verteilung kann entlarvt werden.

  • Der Maximaldruck für eine Zone
  • Der gemittelte Druck für den Messzeitraum pro Zone
  • Die Gleichmäßigkeit der Druckverteilung rechts/links
  • Der Kraftangriffspunkt, welcher den Schwerpunkt des Sitzens auf dem Sattel angibt

Was man aus der Druckmessung ablesen kann

Pro Turnix

Typisches Druckbild unseres Marathon-Fahrers. Geringe Druckspitzen, Belastung leicht Richtung Schambeinbogen verschoben.

Pro Falcon

Durch aufrechte Haltung und höheres Gewicht sind auch die Druckspitzen größer. Das Gewicht lastet nur auf dem Sitzbeinknochen.

Blaue Flächen in der Grafik weisen Bereiche mit geringer Druckbelastung auf. Je mehr die Farbskala in den roten Bereich wechselt, desto höher wird die Druckbelastung in den entsprechenden Bereichen. Ein hoher Druck muss jedoch nicht gleichzeitig ein Problem darstellen. Treten im Bereich der Sitzknochen hohe Belastungen auf, ist das völlig in Ordnung und sogar gewünscht. Die Sitzbeinhöcker sind dafür gemacht, diese Belastung aufzunehmen. Druck oder rote Bereiche im Schambeinbereich dagegen sollten vermieden werden, weil sie zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen führen können.

Ungleichmäßige Druckverteilungen können ein Indiz dafür sein, dass der Sattel an bestimmten Stellen für den Fahrer unkomfortabel ist und er diesen Stellen über eine Positions-Verlagerung ausweicht. Dieser Effekt kann zum Beispiel in der Video-Analyse über eine unruhige Haltung während der Fahrt verdeutlicht werden. In solch einem Fall wäre ein Sattel nicht empfehlenswert.

Die Druckbilder der beiden Testfahrer unterscheiden sich ebenfalls deutlich voneinander. Das liegt an mehreren Faktoren: Zum einen wiegt der Enduro-Fahrer etwa zehn Kilogramm mehr, als der Marathon-Pilot. Daher drückt mehr Gewichtskraft auf den Sattel, das Druckbild läuft mehr ins rötliche Farbschema. Aufgrund der aufrechten Position des Enduro-Fahrers lastet ebenfalls mehr Gewicht auf dem Sattel, speziell im Sitzbeinbereich. Zudem ist der Enduro-Fahrer als reinrassiger Sitzbeinbelaster klassifiziert, was den Druck nochmals mehr auf den hinteren Teil des Sattels lenkt.

Weitere Infos zum Sattelthema

Unterschied Sitzbein- und Schambeinbelaster 

Satteltest

Beim Sitzbeinbelaster lastet der Druck auf den Sitzbeinhöckern. Auch das kann zu Druckschmerzen führen. Durch häufiges Training gewöhnen sich aber die Sitzhöcker an die Belastung, sie sind dafür anatomisch vorgesehen.

Satteltest

Bei Schambeinbelastern lastet viel Druck auf den Schambeinkufen. Das kann zu Druckschmerzen und Taubheitsgefühlen führen.

Biker können grob in die beiden Kategorien Sitzbeinbelaster und Schambeinbelaster eingeteilt werden. Eine aufrechte Haltung auf dem Rad fördert häufig die Tendenz eher die Sitzknochen zu belasten. Das ist jedoch nicht garantiert. Vor allem die Beweglichkeit des Fahrers im Becken und Oberkörper spielen hier eine große Rolle und sind von Fahrer zu Fahrer individuell unterschiedlich. Viele Biker rotieren im Becken stark nach vorne, um den Lenker greifen zu können. Dadurch verlagert sich die Sitzposition mehr in Richtung Schambein. Auch bei sportlicher Haltung auf dem Rad verschiebt sich die Belastung eher in Richtung Schambeinkufen. Generell gilt: der richtige Sattel sollte den Druck immer vom Schambeinbereich weg, in Richtung der Sitzhöcker lenken. Während der Fahrt verspüren Schambeinbelaster häufig Taubheitsgefühle im Dammbereich. Sitzbeinbelaster drückt es meist im Bereich der Sitzbeinhöcker.

Sattel-Montage: Kleine Veränderung, große Wirkung

Satteltest

In der Ausgangsposition lastet bei diesem Sattel noch viel Gewicht im Bereich der Schambeinkufen.

Selle Italia SLR XC

Die Sattelnase wurde um 0,7 Grad nach unten geneigt, der Sattel 3 Millimeter nach vorne geschoben. Das Druckbild wandert deutlich Richtung Sitzbeinknochen.

Die korrekte Position eines Sattels bei der ersten Montage zu finden ist schier unmöglich. Zu Beginn sollte der Sattel in der Sitzfläche immer horizontal ausgerichtet werden. Treten bei den Testfahrten Probleme auf, kann die Sattelposition durch horizontales Verschieben oder über die Sattelneigung noch optimiert werden. Minimale Veränderungen können dabei schon sehr viel bewirken. Bei Druck im Schambeinbereich kann man beispielsweise versuchen, den Sattel einige Millimeter nach vorne zu schieben und somit das Gewicht mehr auf die Sitzfläche des Sattels zu schieben. Auch eine Veränderung der Sattelneigung kann Druck im Schambereich verringern. Dabei sollte man die Neigung jedoch nicht mehr als drei Grad verändern. Hier ein Beispiel:

Wenn gar kein Sattel passt

Sie finden auch nach umfangreicher Suche nicht den passenden Sattel? Dann bleibt immer noch die Möglichkeit, einen Maßsattel anfertigen zu lassen. Die Firma gebioMized hat sich auf diesen Bereich spezialisiert. Speziell geschulte Händler nehmen die Messungen für den individuellen Sattel vor. Dafür wird im ersten Schritt das passende Grundmodell ermittelt und davon eine Druckmessung erstellt. Anhand des Druckbildes wird die Satteloberfläche an die Anatomie des Fahrers angepasst und in einer speziellen CNC-Fräse bei gebioMized als Einzelstück gefertigt. Die Polsterhärte, Bezugfarbe und Design können vom Kunden gewählt werden. Nach Fertigstellung des Sattels erfolgt eine zweite Vermessung beim Händler, um die Passform des Sattels zu überprüfen. Weitere Informationen zum Thema Maßsattel und alle autorisierten Händler finden Sie auf der gebioMized-Webseite.

Maßsattel Infos

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Stefan Frey am 18.08.2014