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Sättel

Sattel-Test

Jörg Spaniol am 15.11.2009

Das große Rodeo: Aufgesessen! BIKE-Tester haben sich auf 18 aktuelle Sattelmodelle zwischen 35 und 300 Euro geschwungen.Das Ergebnis: ein paar Blessuren und viele Einsichten.

Was ist eigentlich der coolste Song des Jahres? Also, nicht das persönliche Lieblingslied und auch nicht der Titel mit den meisten Downloads, sondern der objektiv coolste Song des Jahres? Mit solchen Fragen erntet man am Kneipentisch entweder Schulterzucken oder man tritt eine ausschweifende Diskussion los. Das Ergebnis: kein Ergebnis.

Ähnlich schwierig ist es, den besten aller Bike-Sättel zu bestimmen. Natürlich gibt es technische Methoden, um die ergonomischen Qualitäten der Sitzgelegenheiten zu untersuchen: Man kann beispielsweise Druckmessfolien über den Sattel legen und genau ablesen, wo am Testerhintern unkomfortable oder sogar ungesunde Druckstellen entstehen. Färbt sich der Dammbereich auf dem Bildschirm rot, ist der Sattel nicht empfehlenswert. Oder man misst mit großem Aufwand die Genitaldurchblutung während des Tretens auf einem stationären Bike. Lässt diese deutlich nach, drohen möglicherweise bleibende Schäden. Das Wissen um seine Penisdurchblutung mag den Tester freuen – doch es sagt nur etwas über ihn selbst aus.

Wirklich übertragbar sind solche Experimente nicht. Sicher: Man könnte mit riesigem Aufwand 100 Biker hintereinander vermessen und herausfinden, welcher Sattel den meisten davon passt. Aber was hilft das im konkreten Einzelfall? Etwa so wenig wie die Bestimmung des coolsten Songs anhand der Verkaufs-Hitparade.

EXPERIMENTE NICHT AUF DEN EINZELFALL ÜBERTRAGBAR

Trotzdem ist der Sattelkauf kein komplettes Glücksspiel. Ergonomische und technische Kriterien verringern die Zahl der Fehlversuche erheblich. Das Wichtigste davon ist die passende Sattelbreite. Viele Bike-Sättel passen schlecht, weil sie eigentlich Rennradsättel sind. Die wurden von den Herstellern oft in Zusammenarbeit mit Rennfahrern entwickelt – und das sind meistens sehr zierliche Herren mit hoher Schmerztoleranz und extrem flacher Haltung. Für die sind schmale, harte Sättel völlig okay. Doch Biker sitzen anders – und sie haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse.

Die Testergebnisse dieser Sattel-Modelle finden Sie unten als PDF-Download:

• Unter 80 Euro:

Männer: RED X Clim Airtec, Ritchey Marathon Comp, Selle Italia C 2, Velo Pro

Frauen: Specialized Ariel SL 130, Selle Italia Lady, SDG Allure, SQlab 611 (13)

• 80 bis 130 Euro:

Männer: Fizik Gobi XM, Selle Italia SLR XC, Specialized Phenom SL (130)

Frauen: Fizik Vitesse, Ritchey WCS Biomax, Terry RSR

• Über 130 Euro:

Männer: Prologo Vertigo Nack, Selle Italia SLR Kit Carbonio

Frauen: Fizik Tundra Carbon, San Marco Mantra

Sitzknochenabstand ermitteln: Die vielleicht wichtigste Voraussetzung für komfortables Sitzen ist die passende Sattelbreite. Sie hängt vom individuellen Knochenbau und dem Einsatzbereich ab. Händler von Specialized oder SQlab haben Vorrichtungen, um den Abstand der Sitzhöcker am Beckenknochen zu ermitteln.

Sattelbreite messen: Wenn weder Beratung noch Testsättel weiterhelfen, erleichtert eine modifizierte Schieblehre die Einschätzung der nutzbaren Sattelbreite - mehr dazu im PDF-Download.

Jörg Spaniol am 15.11.2009