Test 2018: Reifenbreiten 2,35/2,8/2,6 Zoll für Mountainbikes Test 2018: Reifenbreiten 2,35/2,8/2,6 Zoll für Mountainbikes

Test 2018: MTB-Reifen 2,6 Zoll vs. 2,35 und 2,8 Zoll

Ist 2,6 Zoll die ideale MTB-Reifenbreite?

Florentin Vesenbeckh am 29.01.2018

Waren 2,8 Zoll breite MTB-Reifen eben hip, wirken sie jetzt betagt. 2,6 Zoll soll nun das neue Maß der Dinge für Touren- und Enduro-Mountainbiker sein. Unser Labor- und Praxistest bringt Klarheit.

Wie ein Metal-Konzert mit Ohrstöpseln, so könnte man das Fahrgefühl ketzerisch beschreiben, das Biker auf Plus-Reifen durchs Steinfeld begleitet. Fakt ist: Schläge aller Art kommen mit breiten Reifen ab 2,8 Zoll beim Fahrer nur gefiltert an. Aber ist das nun gut oder schlecht? Die Zahlen unserer Leserumfrage sprechen eine klare Sprache: Gerade mal drei Prozent der BIKE-Leser fahren Plus-Reifen, in der Masse sind die voluminösen Grip-Bringer so gar nicht angekommen. Ob das der Grund ist, dass Reifen- und Bike-Hersteller für die kommende Saison geschlossen zum Abrüsten aufrufen? Aus den Pressen von Schwalbe, Maxxis und Continental purzeln ab sofort viele Reifen im Format 2,6 Zoll. An Komplett-Bikes von Merida, Pivot und Ibis rollen die geschrumpften Pummelchen schon in die Läden. Übrigens: Breite Reifen sind nicht nur im Maß 27,5 Zoll ein Thema. Auch 29er rollen künftig auf 2,6er-Pneus. Das neue Maß ebnet 29+, lange Zeit als Schwachsinn abgetan, den Weg in den Markt. Scott, Ibis und Drössiger setzen 2018 auf diese Wuchtbrummen.

Fakt ist: Der Trend zur Breite bleibt bestehen. Der Branchenriese Scott geht sogar so weit, dass kein Bike jenseits der 130 Millimeter Federweg mit Reifen unter 2,6 Zoll ausgestattet wird. Und: Durch das neue Boost-Maß, das 2018 nahezu flächendeckend zum Einsatz kommt, sind immer mehr Bikes mit Reifenfreiheit gesegnet, die zumindest 2,6er-Pneus zulassen – eine neue Perspektive für das Tuning-Teil Nummer eins. Grund genug, das Rätselraten um die perfekte Reifenbreite zu beenden: Welches Maß macht für Enduro-, Trail- und Touren-Biker am meisten Sinn? Denn die genervte Frage vieler Mountainbiker ist angesichts des ungebremsten Innovationsdrangs berechtigt: Warum zur Hölle gibt’s schon wieder ein neues Reifenmaß?

Neues Maß 2,6": MTB Reifenbreiten im Vergleich

Kurven-Grip, Bremstraktion und Selbstreinigung: Im direkten Vergleich zeigen sich die Unterschiede der Reifenbreiten deutlich.

Der Ansatz der breiten Walzen ist klar: Weniger Luftdruck bringt mehr Traktion und Komfort. Wer schon einmal auf einem Fatbike saß, hat diesen Effekt im Ex­trem erlebt. Die erste Welle der Plus-Reifen mit 3,0 Zoll Breite brachte in der Praxis aber unangenehme Nebenerscheinungen: Pannenanfälligkeit durch dünnwandige Karkassen, schwammiges Fahrgefühl. "Wir haben verstanden, dass ein Trail-Reifen robust und standhaft sein muss und haben in puncto Stabilität nachgearbeitet. Die ersten Plus-Reifen waren in dem Punkt eher unbrauchbar", verrät Wolf vorm Walde, verantwortlich für die Reifenentwicklung bei Specialized. Stabilere Bauweisen sind die Folge, nicht nur bei Specialized, auch beim Branchenprimus Schwalbe. Das Erfolgsmodell Nobby Nic kommt neuerdings in 2,8er-Breite ausschließlich mit robuster Apex-Verstärkung. Nebeneffekt: Die neueste Generation der Breitreifen muss sich den Vorwurf deutlichen Übergewichts gefallen lassen, zumindest die Trail-tauglichen Modelle, die wir getestet haben. Dafür sind sie ihren schmalen Brüdern bei Durchschlagschutz und Fahrstabilität markant überlegen.

Aber wie schlägt sich 2,6 Zoll nun auf Tour und auf dem Trail? Haben die Entwickler mit diesem Mittel-Maß nun den lange gesuchten goldenen Mittelweg gefunden? Wir sind der Frage in umfangreichen Labor- und Praxistests auf den Grund gegangen und haben die Ergebnisse in die entscheidenden Kriterien aufgeschlüsselt.

Neues Maß 2,6": MTB Reifenbreiten im Vergleich

Gleiches Bike, gleiches Setup, gleiches Profil: So konnten wir dem Einfluss der Reifenbreite auf den Grund gehen. 


Modell-Übersicht MTB-Reifen in 2,6 Zoll

2,6er-Reifen sind im Kommen, auch zum Nachrüsten. Wir haben eine Übersicht erstellt, welche MTB-Reifen im neuen Zwischenmaß am Markt verfügbar sein werden. Vom leichten Touren-Pneu bis zum massiven Enduro-Brummer.

Die Übersicht der MTB-Reifen in 2,6 Zoll finden Sie << hier >>.


Die MTB-Reifen im Vergleichstest:

Schwalbe Nobby Nic

Test 2018: Reifenbreiten 2,35/2,8/2,6 Zoll für Mountainbikes

Schwalbes Allround-Klassiker Nobby Nic haben wir in den Breiten 2,35, 2,6 und 2,8 Zoll mit der neuen Addix-Speedgrip-Gummimischung getestet. Den 2,6er hat Schwalbe mit der zusätzlichen Verstärkung Apex in den Test geschickt. Die Breite des 2,6ers liegt näher an der 2,35er-Version.

Test 2018: Reifenbreiten 2,35/2,8/2,6 Zoll für Mountainbikes

Schwalbe Nobby Nic: die drei Reifenbreiten im Vergleich.

Specialized Butcher

Test 2018: Reifenbreiten 2,35/2,8/2,6 Zoll für Mountainbikes

Beim Butcher (Gripton Compound) von Specialized fällt der Breitenunterschied zwischen 2,3" und 2,6" noch geringer aus als bei Schwalbe. Der 2,8er wurde explizit auf die Bedürfnisse von schweren E Mountainbikes ausgelegt und setzt sich auch optisch klar von den schmaleren Varianten ab.

Test 2018: Reifenbreiten 2,35/2,8/2,6 Zoll für Mountainbikes

Specialized Butcher: Die ersten Messwerte der drei Reifenbreiten – wie Gewicht – im Vergleich.


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Florentin Vesenbeckh am 29.01.2018