Reifentest

  • Peter Nilges
 • Publiziert vor 10 Jahren

Wenig Rollwiderstand und viel Traktion sind eigentlich unvereinbar. Damit der Biker keinen faulen Kompromiss eingehen muss, greifen die Reifenentwickler tief in die Trickkiste. Ob das gelingt, zeigt unser Test.

Rennen werden bergauf gewonnen. In dieser alten Rennfahrer-Weisheit steckt viel Wahres, wenn man mal von Enduro- oder gar Downhill-Veranstaltungen absehen möchte. Ein Paradebeispiel dafür ist der typische Cross-Country-Rundkurs, bei dem man ebenso viele Höhenmeter bergauf wie bergab fährt, zeitlich betrachtet aber maximal ein Drittel der Zeit im Downhill verbringt. Der Rest besteht aus Klettern oder flachen Tretpassagen, die wenig Gewicht und leichtes Rollen erfordern. Hier kommt dem Reifen als einzigem Kontaktpunkt zwischen Bike und Untergrund und damit Tuningteil Nummer eins eine ganz besondere Rolle zu.

Da nicht nur die Auswahl an Reifen gigantisch ist, sondern auch ständig neue Entwicklungen auf den Markt drängen, haben wir insgesamt 17 Reifen einem ausführlichen Labor- und Praxistest unterzogen. Und zwar in den Kategorien: Cross Country, All Mountain, Enduro und erstmals auch 29er. Darunter zwölf brandneue Modelle und fünf vertraute Profile zwischen 30 und 60 Euro.

Doch zurück zu den Anforderungen, die ein Reifen erfüllen muss, um auf einem Rundkurs oder einer klassischen Tour schnell zu sein. Das, was man mit einem besonders griffigen Reifen bergab gut machen kann, steht in keinem Verhältnis zum Zeitverlust, den man bergauf erleidet. Denn, ein geringer Rollwiderstand steht leider im direkten Zielkonflikt zu einem besonders klebrigen, griffigen Reifen. Also alle Karten auf wenig Rollwiderstand und geringes Gewicht? Wohl kaum.

Ein griffiger Reifen bedeutet Sicherheit. Was nützt der beste Reifen, wenn er noch so leicht rollt und wenig auf die Waage bringt, aber es in der entscheidenden Situation zum Sturz kommt oder der leichte Pneu einfach die Luft aushaucht. Mehr Grip bedeutet auch höhere Kurvengeschwindigkeit und in schwierigen Bergaufpassagen mehr Traktion, vom höheren Fahrspaß mal ganz abgesehen. Das kann je nach Strecke den Zeitnachteil etwas relativieren.

Nach einer objektiven Einschätzung des eigenen Fahrkönnens sollte jeder für sich selbst entscheiden, ob er sein Bike kompromisslos auf schnell trimmen will oder für mehr Grip und Sicherheit plädiert. Im Zweifel und bei unbekanntem Terrain sollten Sie lieber auf Nummer sicher gehen oder einen Kompromiss-Mix wählen: vorne viel Grip, hinten geringer Rollwiderstand. Dadurch, dass beim Fahren in der Ebene etwa zwei Drittel des Gesamtgewichts auf dem Hinterrad lasten, spielt nämlich der Rollwiderstand am Hinterreifen eine stärkere Rolle.


Die Testergebnisse dieser Reifenmodelle finden Sie unten im PDF-Download:


• Cross-Country: Continental Mountain King 2.2 RS, Continental X-King 2.2 Race Sport, Maxxis Ikon 2.2, Schwalbe Rocket Ron 2.25 Evo, Specialized Renegade 2.1 S-Works


• Allround:

Bontrager XR4 2.35 Team Issue, Continental Mountain King 2.2 Prot., Schwalbe Nobby Nic 2.4 Evo (BIKE-Tipp "Allround")


• 29er:

Continental Race King 2.2, Maxxis Ikon 2.2, Schwalbe Racing Ralph 2,25 Evo, Specialized Renegade 1,95 S-Works


• Enduro: Continental Rubber Queen 2.4, Maxxis Ardent 2.6 (BIKE-Tipp "Allround"), Onza Ibex 2.4, Schwalbe Fat Albert 2.4 Front & Rear

Um beim Reifentest den Grenzbereich auszuloten, fahren die Tester auch auf Cross-Country-Hardtails Flachpedale.

Auch bei identischem Profil bieteten 29er-Reifen mehr Traktion beim Klettern und Bremsen.

Akzeptabler Rollwiderstand, dafür aber Traktion und Kurvenhalt satt. Enduro-Reifen müssen Sicherheit und Fahrspaß bringen.

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