Reifen im Plus-Format: Fahrstabilität

Test: Fahrstabilität, Trägheit, Komfort der Plus-Reifen

  • Peter Nilges
 • Publiziert vor 5 Jahren

Wir testeten auf Asphalt, auf dem Pumptrack und im Labor. Das haben wir zu Fahrstabilität, Trägheit, Komfort und Überrollverhalten sowie Durchschlagschutz der Plus-Reifen herausgefunden...


Pumptrack

Der Pumptrack bietet gleich in zweierlei Hinsicht Aufschluss, wenn es um Reifenformate geht. Zum einen wird die Trägheit des Systems unmittelbar spürbar, da man das Bike ohne treten beschleunigen muss, zum anderen wirken in den überhöhten Kurven extrem hohe Kräfte auf die Reifen, die ein seitliches Wegknicken bei zu geringem Luftdruck oder zu schmaler Felge provozieren. Mit dem im Pumptrack noch fahrbaren Minimaldruck besitzen die Reifen in der Regel auch in jeder Geländesituation genügend Seitenstabilität. In Kombination mit der 28 Millimeter weiten Felge war bei den 27,5- und 29-Zoll-Reifen bei einem Druck von 1,5 bar Schluss. Bei den Plus-Reifen konnten wir den Luftdruck in Verbindung mit den sehr breiten 45er-Felgen (Fahrergewicht 70 Kilogramm) auf nur 0,9 bar vorne und 1,0 bar hinten absenken, ohne dass es zu Stabilitätsproblemen kam. Die so ermittelten Luftdrücke dienten als Grundlage für alle anschließenden Fahr- und Labortests.

Praxistest auf dem Pumptrack: Fahrstabilität 


Asphalt

Für die meisten Biker ist der noch fahrbare Minimaldruck auf Asphalt praxisnäher. Auch hier lassen sich durch den perfekten Grip hohe Seitenkräfte beim Kurvenfahren provozieren. Die ermittelten Minimaldrücke vom Pumptrack weichen jedoch nicht von diesem Test ab. Auch hier sind die Plus-Reifen mit sehr niedrigen 0,9 bar vorne und 1,0 bar hinten noch fahrbar und bieten eine gute Stabilität und damit Sicherheit in extremen Situationen.


Fahrstabilität: 27,5+:  1   |   27,5:   0   |   29:   0

Fahrstabilität: Praxistest auf Asphalt


TRÄGHEIT

Die Trägheit eines Laufradsatzes beeinflusst maßgeblich das Fahrgefühl eines Bikes. Agil und sprintfreudig, oder träge und behäbig.

Beschleunigen, abbremsen, einlenken, Kurvenwechsel, aktiv abspringen. Wenn es um eine Geschwindigkeits- oder Richtungsänderung geht, macht sich die Trägheit der rotierenden Laufräder besonders bemerkbar. Dabei ist nicht nur die Masse an sich, sondern auch ihre Verteilung entscheidend. Je weiter die Masse von der Nabe entfernt ist, desto stärker spürt man den Effekt. Auf Grund des geringsten Gewichts und des kleinsten Durchmessers fahren sich die beiden 27,5er mit Abstand am agilsten. Der Sprung von 29 zu 27,5+ fällt bei Specialized gewaltig aus (15 Watt mehr zum Beschleunigen). Durch den großen Gewichtsunterschied von 264 Gramm pro Reifen fühlt sich der Plus-Reifen viel träger an. Bei Schwalbe lässt sich durch das Mehrgewicht von nur 124 Gramm pro Reifen und dem deutlich kleineren Durchmesser ein geringeres Defizit beim Beschleunigen ausmachen, wie auch die Messungen mit dem Auditor-Inertia-Chronographen bestätigen.


Trägheit: 27,5+:  0  |    27,5:   2   |   29:   1

Die Trägheit eines Laufradsatzes

Um ein Gefühl für die ermittelten Trägheiten zu bekommen, haben wir berechnet,
wie hoch die Leistung (Watt) für einen 5-sekündigen Sprint von 0 auf 36 km/h ist. Unabhängig von
den teilweise nur geringen Unterschieden in den Messdaten, kann der psychologische
Effekt viel größer wiegen. Sobald sich etwas träger anfühlt, setzt auch im Kopf die Bremse ein.

Messwerte Trägheit, Gewicht, Beschleunigung


KOMFORT / ÜBERROLLVERHALTEN

Erst durch das größere Reifenvolumen und die bessere Abstützung einer breiten Felge ist es möglich, den Luftdruck bei Plus-Reifen um etwa 0,5 bar zu reduzieren. Was der Ausrollversuch (Punkt 1) durch eine weitere Strecke belegt hat, bestätigt auch das geschmeidigere Fahrgefühl. Durch den niedrigen fahrbaren Luftdruck von 1,0 bar und dem (je nach Ausführung) annähernd gleich großen Durchmesser wie beim 29er bieten die Plus-Reifen spürbar mehr Komfort und bleiben weniger stark an Hindernissen hängen. Wie man in den Highspeed-Videos von unserer Testversuchen erkennen kann, nimmt der Plus-Reifen durch eine bessere Verformung mehr von der Aufprallenergie auf und springt nicht so hoch vom Hindernis ab, wie es die dünneren Reifen bei einem Luftdruck von 1,5 bar machen. Das Bike inklusive Fahrer wird weniger stark angehoben, zusätzlich behält der Reifen mehr Bodenkontakt zwischen den einzelnen Hindernissen. Auch auf anspruchsvollen, wurzeligen Kletterpassagen bergauf spielen die Plus-Reifen durch mehr Bodenkontakt und geringere Bremsmomente ihre Vorteile aus. In abgeschwächter Form hebt sich auch der 29er beim Überrollen und Komfort positiv vom kleineren 27,5er ab.


Komfort: 27,5+:  2   |   27,5:   0   |   29:   1

Praxistest zum Rollwiderstand


DURCHSCHLAGSCHUTZ

Plus-Reifen können nur dann ihre Vorteile ausschöpfen, wenn sie mit niedrigem Luftdruck gefahren werden. Um zu überprüfen, ob dadurch das Pannenrisiko steigt, haben wir einen Durchschlagtest durchgeführt.


Die Laborwerte

Wer bietet einen höheren Schutz gegen Durchschläge? Der mit nur 1,0 bar befüllte, aber dafür deutlich voluminösere Plus-Reifen, oder ein dünner 27,5er/29er mit strafferen 1,5 bar? Die Tests auf der Schwalbe-Guillotine bestätigen dem schweren Specialized-Plus-Reifen den bes­ten Snakebite-Schutz, dicht gefolgt vom 27,5er und 29er. Der deutlich leichtere und dünnere Schwalbe-Plus-Reifen schneidet etwas schlechter als der 27,5er ab. Auch hier geht dem 29er am frühesten die Luft aus. Durch das größere Volumen der Plus-Reifen entsteht trotz geringerem Druck kein Nachteil bei Durchschlägen. Wie robust die breiteren, aber aufs Gewicht bedachten Plus-Karkassen in scharfkantigem Geröll abschneiden, muss sich in der Praxis noch zeigen.


Pannenschutz: 27,5+:  1  |    27,5:   1   |   29:   0

Durchschlagschutz - Labortest

Während der 29er bei beiden Reifenherstellern den geringsten Durchschlagschutz bietet, liegen 27,5+ mit 1,0 bar und 27,5er mit 1,5 bar Luftdruck je nach Modell in etwa auf gleichem Niveau. 


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Themen: 275B+FahrstabilitätReifen


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