Test Enduro-Reifen BIKE 10/2019 Test Enduro-Reifen BIKE 10/2019

Labor- und Praxistest 2019: Enduro-Reifen

Maximaler Grip: 8 Kombi-Reifen für Enduro-Piloten

Stefan Frey am 15.12.2019

Maximaler Grip und geringer Rollwiderstand? Solider Pannenschutz und geringes Gewicht? Enduro-Fahrer wollen alles auf einmal. Geht aber nicht. Unser Test zeigt Reifen-Kombis mit dem besten Kompromiss.

Das ganze Leben ist ein Kompromiss. Wir wollen das Klima retten, aber nicht aufs Fliegen verzichten. Den ganzen Tag Schokolade essen, aber dabei nicht dick werden. Und wir hätten gerne Reifen, die maximalen Grip und hohen Pannenschutz bieten, dabei aber wenig wiegen und auch noch gut rollen. Alles zusammen geht leider nicht. Das beweist auch unser Test von acht Enduro-Kombis. Kleines Beispiel gefällig?

Goodyears neuer Newton läuft extrem leicht und kann beim Rollwiderstand sogar mit einem guten Trail-Reifen mithalten. Sein grobes Profil wirkt fast so bissig wie der Kiefer eines T-Rex’. Doch im Gelände scheint es fast, als würde ihm der Untergrund nicht schmecken. In steilen Anstiegen verbeißt er sich kaum im Boden und rutscht auf Steinen und Wurzeln schnell durch. Und auch in Kurven stößt der Newton schnell an die Bindungsgrenze. Das Gegenteil ist die Kenda-Kombi. Obwohl der Semislick am Hinterrad aussieht, als leide er schon unter Zahnausfall, lässt er sich ohne Traktionsverlust selbst steilste Anstiege hochtreten. In Kurven krallt sich die Kombi in den Untergrund wie ein Adler in sein Opfer. Die Mischung der Kendas ist derart klebrig, dass sie scheinbar kaum eine Haftungsgrenze kennt. Dafür rollen die beiden Reifen auf dem Prüfstand zäh wie Kleister.

Ähnliche Bilder zeigen sich bei den anderen Reifen im Test. Wer alles will, muss also doch Kompromisse eingehen? Auch bei Gewicht und Pannenschutz muss man zu Zugeständnissen bereit sein. Wer also einen griffigen Reifen mit solidem Pannenschutz möchte, muss wohl oder übel mit mehr Gewicht und höherem Rollwiderstand leben. Doch die zusätzlichen Kalorien, die man somit während der Enduro-Tour verbrennt, kann man am Ende getrost in Schokolade investieren. Und das ist doch auch wieder ein guter Kompromiss.


REIFENAUFBAU

Griffige Mischungen und robuste Karkassen treiben das Gewicht der Enduro-Reifen in die Höhe. Unter die Ein-Kilo-Grenze schaffen es so die wenigsten Reifen im Test.


1 Die äußerste Schicht des Reifens besteht aus Gummi und formt das Profil. Hochwertige Reifen bestehen häufig aus mehreren Gummimischungen. Eine weichere Mischung an den Seitenstollen bringt mehr Grip, eine härtere Mischung auf der Lauffläche reduziert den Rollwiderstand. Einige Hersteller im Test setzen zudem am Hinterreifen auf eine härtere Mischung.

2 Die Karkasse des Reifens besteht aus einem Gewebe aus Nylonfäden. Je dünner die Fäden sind, desto flexibler wird die Karkasse. Hochwertige Reifen haben bis zu 120 Fäden pro Zoll (TPI), günstige sind mit 30 Fäden deutlich grobmaschiger. Bei den Enduro-Reifen liegen für einen besseren Pannenschutz oft mehrere Karkassenlagen übereinander.

3 An den Flanken soll ein zusätzliches Schutzgewebe die Reifen vor Dornen oder scharfen Steinen schützen. Jeder Hersteller hat hier seine eigenen Begriffe, z. B. Schwalbes Snakeskin oder Maxxis’ Exo-Protection. Besonders am Hinterreifen macht sich die sogenannte Apex bezahlt. Der zusätzliche Gummikeil schützt auch vor Durchschlägen aufs Felgenhorn.

Test Enduro-Reifen BIKE 10/2019

Test 2019: Enduro Reifen - Der Reifen-Aufbau


Den gesamten Testbericht mit diesen Enduro-Reifen inklusive aller Daten, Tabellen und Noten finden Sie als PDF unten im Download-Bereich:

  • Bontrager SE5
  • Bontrager SE4
  • Goodyear Newton ST
  • Goodyear Newton
  • IRC Tire Tanken
  • IRC Tire E Mibro
  • Kenda Hellkat
  • Kenda Helldiver
  • Maxxis Assegai
  • Maxxis Minion DHR
  • Michelin Wild Enduro Front
  • Michelin Wild Enduro Rear
  • Schwalbe Magic Mary
  • Schwalbe Hans Dampf
  • Specialized Butcher
  • Specialized Eliminator

Fotostrecke: Labor- und Praxistest 2019: Enduro-Reifen



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Stefan Frey am 15.12.2019
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