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2016er MTB-Reifen im Test

23 neue Profile im Labor- und Praxistest

Peter Nilges am 03.05.2016

23 neue Profile im Labor- und Praxistest

Es sind nicht nur die Plus-Größen, die am Reifenmarkt für Furore sorgen. Neue Profile, neue Technologien und nicht zuletzt neue Materialien beleben den Reifenmarkt. Was kann der neue Jahrgang? 

Mit feinem Surren dreht sich der Reifen auf der Stahltrommel. Gleichmäßig und monoton. Unsere Augen blicken gespannt auf die Digitalanzeige des Prüfstandes. Der Eindruck aus der Praxis war überzeugend. Insgesamt etwas schwer, aber leicht rollend. Es ist der neue Vittoria Mezcal, der unsere vollkommene Aufmerksamkeit geniest. Der erste Reifen mit vier verschiedenen Gummimischungen innerhalb eines Profils und obendrein mit dem neuen Wunderstoff Graphen versetzt.

Die Anzeige pendelt sich bei 19,3 Watt ein. Ein sehr guter, wenn auch nicht sensationeller Wert, was den Rollwiderstand angeht. Mit 16,9 Watt rollt ein deutlich leichterer Schwalbe Rocket Ron nochmals ein gutes Stück leichter. Das Gleiche gilt für einen Continental Race King, der sich sogar mit nur 15,5 Watt begnügt. Doch leichtes Rollen ist nur eine Seite der Medaille. Hersteller Vittoria spricht bei seinen Graphen-Reifen von einer dreimal längeren Haltbarkeit. Ein Versprechen, das wir gerne im Dauereinsatz überprüfen werden.

Neben neuen Hightech-Materialien sorgen neue Profile mit ungewöhnlichem Stollen-Design für Aufmerksamkeit. Schwalbes neuer Fat Albert bricht durch seine abgerundeten Profilblöcke mit dem traditionellen Schwalbe-Look und kommt obendrein mit einem speziellen Profil fürs Vorder- und Hinterrad. Ein Trend, dem einige Hersteller in diesem Test nachkommen. Sei es durch unterschiedliche Profile, verschiedene Gummimischungen oder der Kombination aus beidem. Bei den All-Mountain-Reifen kombiniert Vredestein unterschiedliche Profile, während der Schwalbe Nobby Nic und der WTB Trail Boss mit unterschiedlichen Gummimischungen für vorne und hinten aufwarten. Der Grund dafür hängt mit den speziellen Anforderungen der Arbeitsbereiche zusammen. Am Vorderrad ist eine sichere Führung gefragt, um Lenk- und Bremskräfte optimal zu übertragen. Dagegen muss der Hinterreifen in erster Linie gut rollen und genügend Traktion beim Klettern bieten. Ein ungleiches Paar macht daher Sinn.

Beim Fat Albert funktioniert die Arbeitsteilung sehr gut. Mit 40 Watt rollt der Vorderreifen in TrailStar-Compound rund doppelt so schwer wie der hintere in PaceStar-Mischung (20,5 Watt). Da beim Biken rund zwei Drittel des Gewichts auf dem Hinterrad lastet, ist der Rollwiderstand hier am wichtigsten. In der Summe rollt die Kombination also mindestens so gut wie ein 30-Watt-Reifen, der vorne und hinten montiert wird, bietet aber am Vorderrad mehr Dämpfung, Sicherheit und damit Bike-Kontrolle.

Wie wichtig die Dämpfung eines Reifens ist, zeigte ein Blindtest mit identischen Profilen, aber stark unterschiedlichen Gummimischungen. Bergab wurden die Reifen als besonders gut und traktionsstark empfunden, die eine sehr langsame, dämpfende Mischung besaßen. Eine starke Dämpfung bedeutet jedoch gleichzeitig einen hohen Rollwiderstand, weshalb abfahrtslastige Reifen nie leicht rollen können.

Alle Messergebnisse des Labortests im Überblick

Reifen im Test BIKE 1/2016 Ergebnisse Labor

Rollwiderstand, Durchschlag, Durchstich und Gewicht: die Messergebnisse des Labortests.

Um alle Reifen unter vergleichbaren Bedingungen zu testen, nutzte BIKE zwei Tage lang das Prüflabor von Reifenhersteller Bohle. Der Rollwiderstand wurde auf einem Trommelprüfstand bei 20 km/h und 1,8 bar Reifendruck ermittelt. Der Durchschlagtest (ebenfalls 1,8 bar) gibt die maximale Fallhöhe eines 10-Kilo-Gewichts mit definierter Kante bis zum Reifen-/Schlauchdefekt an. Um zu prüfen, wie widerstandsfähig die Karkasse gegenüber Fremdkörpern wie Dornen ist, wird die Maximalkraft ermittelt, die ein Metalldorn zum Durchdringen der Karkasse benötigt.

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Peter Nilges am 03.05.2016
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