Ist 2,6 Zoll die ideale MTB-Reifenbreite?

Florentin Vesenbeckh

 · 28.01.2018

Ist 2,6 Zoll die ideale MTB-Reifenbreite?Foto: Robert Niedring
Ist 2,6 Zoll die ideale MTB-Reifenbreite?

Waren 2,8 Zoll breite MTB-Reifen eben hip, wirken sie jetzt betagt. 2,6 Zoll soll nun das neue Maß der Dinge für Touren- und Enduro-Mountainbiker sein. Unser Labor- und Praxistest bringt Klarheit.

Wie ein Metal-Konzert mit Ohrstöpseln, so könnte man das Fahrgefühl ketzerisch beschreiben, das Biker auf Plus-Reifen durchs Steinfeld begleitet. Fakt ist: Schläge aller Art kommen mit breiten Reifen ab 2,8 Zoll beim Fahrer nur gefiltert an. Aber ist das nun gut oder schlecht? Die Zahlen unserer Leserumfrage sprechen eine klare Sprache: Gerade mal drei Prozent der BIKE-Leser fahren Plus-Reifen, in der Masse sind die voluminösen Grip-Bringer so gar nicht angekommen. Ob das der Grund ist, dass Reifen- und Bike-Hersteller für die kommende Saison geschlossen zum Abrüsten aufrufen? Aus den Pressen von Schwalbe, Maxxis und Continental purzeln ab sofort viele Reifen im Format 2,6 Zoll. An Komplett-Bikes von Merida, Pivot und Ibis rollen die geschrumpften Pummelchen schon in die Läden. Übrigens: Breite Reifen sind nicht nur im Maß 27,5 Zoll ein Thema. Auch 29er rollen künftig auf 2,6er-Pneus. Das neue Maß ebnet 29+, lange Zeit als Schwachsinn abgetan, den Weg in den Markt. Scott, Ibis und Drössiger setzen 2018 auf diese Wuchtbrummen.

Verlagssonderveröffentlichung

Fakt ist: Der Trend zur Breite bleibt bestehen. Der Branchenriese Scott geht sogar so weit, dass kein Bike jenseits der 130 Millimeter Federweg mit Reifen unter 2,6 Zoll ausgestattet wird. Und: Durch das neue Boost-Maß, das 2018 nahezu flächendeckend zum Einsatz kommt, sind immer mehr Bikes mit Reifenfreiheit gesegnet, die zumindest 2,6er-Pneus zulassen – eine neue Perspektive für das Tuning-Teil Nummer eins. Grund genug, das Rätselraten um die perfekte Reifenbreite zu beenden: Welches Maß macht für Enduro-, Trail- und Touren-Biker am meisten Sinn? Denn die genervte Frage vieler Mountainbiker ist angesichts des ungebremsten Innovationsdrangs berechtigt: Warum zur Hölle gibt’s schon wieder ein neues Reifenmaß?

  Kurven-Grip, Bremstraktion und Selbstreinigung: Im direkten Vergleich zeigen sich die Unterschiede der Reifenbreiten deutlich.Foto: Robert Niedring
Kurven-Grip, Bremstraktion und Selbstreinigung: Im direkten Vergleich zeigen sich die Unterschiede der Reifenbreiten deutlich.

Der Ansatz der breiten Walzen ist klar: Weniger Luftdruck bringt mehr Traktion und Komfort. Wer schon einmal auf einem Fatbike saß, hat diesen Effekt im Ex­trem erlebt. Die erste Welle der Plus-Reifen mit 3,0 Zoll Breite brachte in der Praxis aber unangenehme Nebenerscheinungen: Pannenanfälligkeit durch dünnwandige Karkassen, schwammiges Fahrgefühl. "Wir haben verstanden, dass ein Trail-Reifen robust und standhaft sein muss und haben in puncto Stabilität nachgearbeitet. Die ersten Plus-Reifen waren in dem Punkt eher unbrauchbar", verrät Wolf vorm Walde, verantwortlich für die Reifenentwicklung bei Specialized. Stabilere Bauweisen sind die Folge, nicht nur bei Specialized, auch beim Branchenprimus Schwalbe. Das Erfolgsmodell Nobby Nic kommt neuerdings in 2,8er-Breite ausschließlich mit robuster Apex-Verstärkung. Nebeneffekt: Die neueste Generation der Breitreifen muss sich den Vorwurf deutlichen Übergewichts gefallen lassen, zumindest die Trail-tauglichen Modelle, die wir getestet haben. Dafür sind sie ihren schmalen Brüdern bei Durchschlagschutz und Fahrstabilität markant überlegen.

Aber wie schlägt sich 2,6 Zoll nun auf einer MTB-Tour und auf dem Trail? Haben die Entwickler mit diesem Mittel-Maß nun den lange gesuchten goldenen Mittelweg gefunden? Wir sind der Frage in umfangreichen Labor- und Praxistests auf den Grund gegangen und haben die Ergebnisse dieses Vergleichs in die entscheidenden Kriterien aufgeschlüsselt.

  Gleiches Bike, gleiches Setup, gleiches Profil: So konnten wir dem Einfluss der Reifenbreite auf den Grund gehen. Foto: Florentin Vesenbeckh
Gleiches Bike, gleiches Setup, gleiches Profil: So konnten wir dem Einfluss der Reifenbreite auf den Grund gehen. 

Modell-Übersicht MTB-Reifen in 2,6 Zoll

2,6er-Reifen sind im Kommen, auch zum Nachrüsten. Wir haben eine Übersicht erstellt, welche MTB-Reifen im neuen Zwischenmaß am Markt verfügbar sein werden. Vom leichten Touren-Pneu bis zum massiven Enduro-Brummer.

Die MTB-Reifen im Vergleichstest:

Schwalbe Nobby Nic

  Schwalbes Allround-Klassiker Nobby Nic haben wir in den Breiten 2,35, 2,6 und 2,8 Zoll mit der neuen Addix-Speedgrip-Gummimischung getestet. Den 2,6er hat Schwalbe mit der zusätzlichen Verstärkung Apex in den Test geschickt. Die Breite des 2,6ers liegt näher an der 2,35er-Version.Foto: Robert Niedring
Schwalbes Allround-Klassiker Nobby Nic haben wir in den Breiten 2,35, 2,6 und 2,8 Zoll mit der neuen Addix-Speedgrip-Gummimischung getestet. Den 2,6er hat Schwalbe mit der zusätzlichen Verstärkung Apex in den Test geschickt. Die Breite des 2,6ers liegt näher an der 2,35er-Version.
  Schwalbe Nobby Nic: die drei Reifenbreiten im Vergleich.Foto: BIKE Magazin
Schwalbe Nobby Nic: die drei Reifenbreiten im Vergleich.

Specialized Butcher

  Beim Butcher (Gripton Compound) von Specialized fällt der Breitenunterschied zwischen 2,3" und 2,6" noch geringer aus als bei Schwalbe. Der 2,8er wurde explizit auf die Bedürfnisse von schweren E Mountainbikes ausgelegt und setzt sich auch optisch klar von den schmaleren Varianten ab.Foto: Robert Niedring
Beim Butcher (Gripton Compound) von Specialized fällt der Breitenunterschied zwischen 2,3" und 2,6" noch geringer aus als bei Schwalbe. Der 2,8er wurde explizit auf die Bedürfnisse von schweren E Mountainbikes ausgelegt und setzt sich auch optisch klar von den schmaleren Varianten ab.
  Specialized Butcher: Die ersten Messwerte der drei Reifenbreiten – wie Gewicht – im Vergleich.Foto: BIKE Magazin
Specialized Butcher: Die ersten Messwerte der drei Reifenbreiten – wie Gewicht – im Vergleich.

Testergebnis 1: Rollwiderstand | Beschleunigung

Breite Reifen assoziiert man mit müden Beinen und zähen Antritten. Die Kombination verschiedener Labor- und Praxistests zeigt, was an den Vorurteilen dran ist.

Auf Asphalt und harten Böden haben breite Reifen, die mit geringem Luftdruck gefahren werden, das Nachsehen, das zeigen die Laborwerte. Je mehr man vom festen Untergrund ins Gelände rückt, desto besser schlagen sich die voluminösen Pneus. Aber auch dort drücken sie die Klettertauglichkeit der Bikes. Durch das hohe Gewicht der rotierenden Masse leidet die Beschleunigung, das macht sich im Praxistest genauso bemerkbar wie auf dem Trägheitsprüftstand im BIKE-Labor. Diesen Vorwurf muss sich auch 2,6 Zoll gefallen lassen: In den Labormessungen landen die Neulinge näher an den trägen 2,8er-Walzen als an herkömmlichen 2,3er-Reifen. Das hohe Gewicht kommt allerdings nicht allein durch den Breitenzuwachs, sondern vielmehr durch eine Karkassenverstärkung, die beide Hersteller ihren 2,6er- und 2,8er-Modellen verpassen. Schwalbe bietet den 2,6er-Nobby-Nic auch ohne Apex-Verstärkung an (785 Gramm) – diese fast 100 Gramm leichtere Variante würde im Beschleunigungs-Ranking deutlich näher an die 2,35er-Version heranrücken. Natürlich mit markanten Einbußen bei Durchschlagschutz und Fahrstabilität. Übrigens: Ein 2,35er im 29er-Maß landet mit gleichem Reifen und vergleichbarem Laufrad in puncto Beschleunigung hinter den 27,5 x 2,6er-Reifen.

  Vergleich Rollwiderstand, Trägheitsmessung, Gewicht der sechs MTB-Reifen von Schwalbe und Specialized.Foto: BIKE Magazin
Vergleich Rollwiderstand, Trägheitsmessung, Gewicht der sechs MTB-Reifen von Schwalbe und Specialized.
  Bewertung Test 1: In Sachen Rollwiderstand ist der schmale 2,3er-Reifen vorne.Foto: BIKE Magazin
Bewertung Test 1: In Sachen Rollwiderstand ist der schmale 2,3er-Reifen vorne.


¹Gemessen auf dem Rollenprüfstand der Firma Schwalbe, Wattwerte vergleichbar mit dem Rollwiderstand auf Asphalt,
²Gemessen im BIKE-Labor, Werte für komplettes Vorderrad inkl. Reifen, Schlauch und Bremsscheibe: je höher der Wert, desto schlechter die Beschleunigung.

Testergebnis 2: Grip | Traktion

Hält er, oder rutscht er? Greift er, oder dreht er durch? Die Haftungsfrage ist die Königsdisziplin eines jeden Reifens und das Hauptargument für Breite. Wo ordnet sich 2,6 Zoll ein?

Die große Dominanz der breiten Reifen! Mehr Kontaktfläche bringt mehr Halt, das sagt nicht nur die graue Theorie, sondern auch der Praxisvergleich auf Trails verschiedenster Untergründe, bergauf wie bergab. Die 2,8er-Riege setzt sich hier deutlich an die Spitze, das macht sich bei Bremsmanövern mit brachialer und sorgenfreier Verzögerung genauso bemerkbar wie in Kurvenlage. Der Unterschied zwischen den 2,3er- und 2,6er-Reifen ist ebenfalls deutlich spürbar, Breite bringt Sicherheit. Das herkömmliche Reifenmaß fällt im direkten Vergleich spürbar ab. Bemerkenswert: Der Grenzbereich tritt bei den breiten Reifen nicht nur deutlich später, sondern auch wesentlich sanfter ein. Plötzliches Wegrutschen in der Kurve oder bei einem übermotivierten Bremsmanöver gibt es mit den 2,8ern kaum. Vor allem weniger versierte Fahrer profitieren dadurch von einer enormen Sicherheit! Etwas überrascht haben uns die Unterschiede im Uphill. Zwar bauen die 2,8er-Walzen auf fiesen Wurzeln einen Tick mehr Grip auf, der Unterschied fällt aber gering aus.

  Bewertung Test 2: Den besten Grip erzeugen die 2,8 Zoll breiten Reifen.Foto: BIKE Magazin
Bewertung Test 2: Den besten Grip erzeugen die 2,8 Zoll breiten Reifen.



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Testergebnis 3: Komfort | Überrollverhalten

Wurzeln und Hindernisse sind das Salz in der Mountainbike-Suppe. Was Fullys seit Jahren entschärfen, sollen breite Reifen nochmals reduzieren.

Der einschneidendste Moment unseres Praxistests war der Umstieg von ganz breit auf ganz schmal: Wurzelfeld anvisieren – und erschrecken! Die Passage, die kurz zuvor kaum ein Wimpernzucken hervorlocken konnte, gleicht plötzlich einem Rodeoritt und zwingt zu sauberer Fahrweise. Der Trail wirkt wilder und schwerer als mit den breiten Walzen. Das große Volumen und der geringe Luftdruck lassen den 2,8er-Reifen über Hindernisse hinwegwabbeln, beim Fahrer kommen weniger Schläge an. Dieses Phänomen ist bei den ganz breiten Walzen noch spürbar stärker als bei den 2,6ern, die ziemlich genau mittig zwischen den beiden Extremen liegen. Vor allem einem Hardtail kann ein 2,8er-Pneu damit ungeahnten Komfort verleihen.

  Bewertung Test 3: Beim Überrollverhalten schlagen sich die breiten 2,8er-Reifen, die mit sehr wenig Druck gefahren werden können, am besten.Foto: BIKE Magazin
Bewertung Test 3: Beim Überrollverhalten schlagen sich die breiten 2,8er-Reifen, die mit sehr wenig Druck gefahren werden können, am besten.


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Testergebnis 4: Fahrstabilität | Präzision

DAS Argument sportlicher Fahrer gegen Plus-Reifen: schwammiges Fahrgefühl, wenig Präzision und Rückmeldung. Wie schlagen sich die 2,6er-Pneus in dieser Disziplin?

"Fährt wie Wackelpudding", oder "teigiges Fahrgefühl": Diese Kommentare finden sich über Plus-Reifen oft in unsere Testfragebögen bei Komplett-Bike-Tests. Die aktuellen 2,8er-Modelle wurden in der Karkasse verstärkt, das macht sich auch auf dem Trail positiv bemerkbar. Bei hohen Geschwindigkeiten, in Anliegerkurven und Kompressionen knicken die 2,8er-Reifen bei einem Luftdruck von 1 bar aber nach wie vor ein. In unserem Test hat sich das insbesondere auf einer klassischen Bikepark-Piste mit gebauten Holzanliegern gezeigt – ein Extremfall. Wer eher mit gemäßigtem Tempo unterwegs ist, wird auch mit den breiten 2,8er-Schlappen keine Stabilitätsprobleme bekommen. Das gilt für weniger versierte Piloten genauso, wie für Biker, die sehr technische Trails schnellen Pisten vorziehen. Auch die Präzision bekommen die verstärkten Reifen besser hin als ihre Vorgänger. Dennoch sitzt mit den 2,8er-Reifen längst nicht jede Linie. Besonders gespannt waren wir auf die Stabilität der 2,6er-Pneus. Während der gesamten Fahrten konnten wir der Zwischengröße kein Wegknicken oder -kippen attestieren. Die ganz schmale Variante zieht exakt das durch, was der Fahrer vorgibt, das erfordert ein höheres Fahrkönnen und präzises Handeln. In Sachen Präzision bringt 2,6" also kaum Nachteile. Gepaart mit dem Plus an Sicherheit zeigt sich die Zwischengröße hier als super Kombi.

  Bewertung Test 4: Bei der Fahrstabilität haben die schmalen 2,3er-Reifen knapp die Nase vorne, allerdings dicht gefolgt von den 2,6 Zoll breiten Reifen.Foto: BIKE Magazin
Bewertung Test 4: Bei der Fahrstabilität haben die schmalen 2,3er-Reifen knapp die Nase vorne, allerdings dicht gefolgt von den 2,6 Zoll breiten Reifen.


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Testergebnis 5: Agilität

Geschwindigkeit und Sicherheit sind das eine, Fahrspaß das andere. Wie wirkt sich die Reifenbreite auf die Agilität und den Spieltrieb eines Bikes aus?

Flink um Kurven wieseln, Wellen für kleine Sprungeinlagen nutzen, spielerisch das Vorderrad anheben: Was für Racer und pure Geschwindigkeit auf dem Trail nicht ausschlaggebend ist, sorgt für Fahrspaß. Die Haupterkenntnis ist schnell erklärt: Wer mit seinem Bike gerne in der Luft spielt, für den können 2,8er-Reifen echte Spaßkiller sein. Nur unter deutlichem Kraftaufwand bewegen sich die Reifen in die Luft, das Fahrverhalten wirkt im direkten Vergleich zu den schmaleren Kollegen unweigerlich behäbig und träge. Mit den leichten und direkteren 2,3er-Pneus fühlt man sich im Vergleich fast wie auf einem Spielzeug-Bike. Auch in Kurven benötigen die breiten Walzen spürbar mehr Nachdruck, um die neue Richtung einzuschlagen. Und das goldene Mittelmaß? Die 2,6er wandeln nicht so spielerisch über Trails und Sprünge wie die schmalen und leichteren Kollegen. Das Bull­dozer-Gefühl der ganz breiten Reifen bleibt aber aus.

  Bewertung Test 5: Die meisten Punkte bei der Agilität gehen an die MTB-Pneus in 2,3 Zoll Breite.Foto: BIKE Magazin
Bewertung Test 5: Die meisten Punkte bei der Agilität gehen an die MTB-Pneus in 2,3 Zoll Breite.


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Testergebnis 6: Durchschlagschutz

Lange war der geringe Durchschlagschutz ein großes Argument gegen Plus-Reifen. Die Hersteller haben mit verstärkten Karkassen reagiert – mit Erfolg.

Die Guillotine im Testlabor von Schwalbe kennt keine Gnade. Früher oder später reagieren alle Reifen auf den dumpfen Schlag des Fallbeils mit einem Pfeifen, das den K.O. durch Luftverlust zu erkennen gibt. Wir haben die unterschiedlichen Reifenbreiten mit den praxisrelevanten Luftdrücken von 1,6 bar (2,3" bzw. 2,35"), 1,3 bar (2,6") und 1,0 bar (2,8") getestet. Entgegen den Vorurteilen hielten die breiten Reifen deutlich länger durch, was in erster Linie durch die stärkeren Karkassen zu begründen ist. Im Schnitt bieten die 2,6er-Reifen, trotz deutlich geringeren Luftdruck, einen um über 50 Prozent höheren Durchschlagschutz als die schmalen Kollegen. Damit setzen sie sich an die Spitze des Rankings. Mit gut 43 Prozent Vorsprung vor den schmalen Reifen liegen die 2,8er nur knapp dahinter. Bezüglich Ausrüstung der Karkasse lässt sich sagen: Je stärker der Fokus auf dem Durchschlagschutz liegt, desto schwerer wird der Reifen. Der Allrounder Nobby Nic wird mit diesen Werten in der 2,6er-Variante zum Anwärter für wirklich raues Gelände.

  Bewertung Test 6: Den besten Schutz gegen Durchschläge bieten die 2,6 Zoll breiten Reifen.Foto: BIKE Magazin
Bewertung Test 6: Den besten Schutz gegen Durchschläge bieten die 2,6 Zoll breiten Reifen.
  Übersicht Durchschlagschutz Labor*Foto: BIKE Magazin
Übersicht Durchschlagschutz Labor*


*Gemessen auf dem Fallbeilprüfstand der Firma Schwalbe. Die Werte geben an, bei welcher Fallhöhe der Reifen einen Durchschlag erlitten hat, je höher, desto besser der Durchschlagschutz.

Die Testergebnisse im Überblick

Die 2,6er-Reifen leisten sich keine markanten schwächen, ein guter Kompromiss für alle, denen Spaß und Sicherheit auf dem Trail wichtig ist. Die Entscheidende Frage bei der Reifenwahl bleibt: Liegt der Fokus auf Gewicht und Kletterstärke, oder Geländetauglichkeit?

  Die Testergebnisse im Überblick: Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er den Fokus auf Gewicht und Agilität legt oder die Abfahrts-Parameter deutlich mehr zählen.Foto: BIKE Magazin
Die Testergebnisse im Überblick: Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er den Fokus auf Gewicht und Agilität legt oder die Abfahrts-Parameter deutlich mehr zählen.


FAZIT Florentin Vesenbeckh, BIKE-Testredakteur:
2,6 Zoll breite Reifen haben das Potenzial, die Herzen von Trail-Bikern zu erobern. Sie bieten spürbar mehr Grip als schmale Reifen und den besten Kompromiss aus Touren-Tauglichkeit und Abfahrtsstärke. Abstriche bei der Fahrpräzision bleiben im Gegensatz zu 2,8er-Reifen weitestgehend aus. Nur, wer seinen Fokus voll auf Sicherheit und Komfort in der Abfahrt legt und auf Trails mit gemäßigter Geschwindigkeit unterwegs ist, findet in Reifen um 2,8 Zoll die perfekten Begleiter. Dieses Maß wird sich primär an motorisierten Bikes durchsetzen, wo der größere Kraftaufwand im Anstieg und beim Beschleunigen eine untergeordnete Rolle spielt. Wer bergauf oder im flachen Gelände Strava-Bestzeiten jagen will, kommt um herkömmliche Maße ebenso wenig herum, wie Biker, die auf große Tour gehen. Denn Reifen jenseits der 2,3 Zoll beschleunigen schlechter und sind schwerer – das zehrt an den Kräften.

  Florentin Vesenbeckh, BIKE TestredakteurFoto: Wolfgang Watzke
Florentin Vesenbeckh, BIKE Testredakteur

TUNING-TIPPS

Durch Boost-Achsen und breite Hinterbauten bekommt der Reifen als Tuning-Teil Nummer eins neue Perspektiven. BIKE zeigt, welche Voraussetzungen für 2,6er- oder 2,8er-Reifen nötig sind.


Reifenfreiheit: Welche Reifenbreite passt in mein Bike? Mindestens 7 Millimeter sollte neben dem Gummi auf jeder Seite Luft zu Sitz- und Kettenstreben, bzw. zur Gabelbrücke sein. Daraus ergeben sich für die getesteten Modelle folgende Richtwerte: 82 mm für 2,8" und 75 mm für 2,6" breite Modelle.


Felgenbreite: Ein breiter Reifen braucht eine breite Felge! Wer das nicht beachtet, kann den Luftdruck nicht angemessen senken und wird mit wegknickenden Reifen bestraft. 2,6er-Reifen funktionieren ab einer Innenweite von 28, besser 30 Millimetern, für 2,8er-Schlappen sollte die Felge noch breiter sein, im Optimalfall 35 Millimeter oder mehr. Wer Wert auf geringen Luftdruck legt, sollte auch für 2,3er-Reifen eine Innenweite über 25 Millimetern wählen.


Geometrie: Viele Hersteller bieten Bikes an, die sowohl für 29 Zoll, als auch 27,5+ geeignet sind. Das Argument: Der Durchmesser bzw. Radius unterscheidet sich kaum. Betrachtet man allerdings den Radius der verschiedenen Reifenbreiten in belastetem Zustand (Fahrergewicht 83 kg), fällt auf, dass sich die Tretlagerhöhe mit zunehmender Reifenbreite nur marginal ändert (4,5 mm von 2,35" zu 2,8"). Zum 29er gibt es hingegen einen enormen Sprung (21 mm von 27,5 x 2,35 zu 29 x 2,35). Solange es die Reifenfreiheit zulässt, kann von 2,3er- auf 2,8er-Reifen gewechselt werden, ohne die Tretlagerhöhe merklich zu beeinflussen. Ein Wechsel von 29 auf 27,5+ ist ohne Geometrieausgleich hingegen kritisch.


Luftdruck: Je breiter der Reifen, desto sensibler reagiert er auf Luftdruckänderungen. Wer einen Plus-Reifen mit zu viel Luft fährt, verschenkt enormes Potenzial. Pauschale Empfehlungen auszusprechen, ist schwierig, denn Fahrergewicht, Einsatzbereich und Fahrdynamik spielen eine große Rolle. Als Richtwerte können 1,3 bar für 2,6er-Reifen und 1,0 bar für 2,8er-Reifen angesetzt werden.

  Identische Bikes, unterschiedlich breite Reifen: Die BIKE-Tester beim ermitteln der Praxiseindrücke.Foto: Robert Niedring
Identische Bikes, unterschiedlich breite Reifen: Die BIKE-Tester beim ermitteln der Praxiseindrücke.


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