Test MTB-Laufräder Carbon und Aluminium Test MTB-Laufräder Carbon und Aluminium

Test Laufräder: Carbon und Aluminium für 491 bis 1480 Euro

14 Carbon- und Alu-Laufradsätze im Test

Robert Kühnen am 12.01.2018

Breit und leicht und stark – unter den aktuellen MTB-Laufrädern mit Boost-Standard gibt es echte Perlen. Im Test: sechs Carbon- und acht Aluminium-Laufradsätze zwischen 491 und 1480 Euro.

Laufräder sind nicht nur Blickfang, sondern auch wichtiger Teil des Fahrwerks. Sie bestimmen mit ihrer Breite, welche Form der Reifen annimmt und mit welchem Luftdruck dieser gefahren werden kann. Mit den aktuellen Breitfelgen – im Test liegt das mittlere Innenmaß bei rund 30 Millimetern – lässt sich der Druck senken, Komfort und Grip steigen. Das sind starke Argumente, alte Schmalspurlaufräder in Rente zu schicken und ans Zweit- oder Drittrad zu verbannen und in neue Technik zu investieren.

Aber auf welche Bauart sollte man setzen? Konventioneller Aufbau oder Systemrad? Welche Gewichte sind realistisch? Überleben Carbon-Felgen einen Ritt durch Steinfelder, oder ist es gar verrückt, auf Carbon ernsthaft über Fels und Wurzelbretter zu rattern? Klar, jeder will ein leichtes Laufrad. Aber Laufräder müssen vor allem auch robust sein. Denn wenn das Rund versagt, ist die Luft nicht nur aus dem Reifen raus, sondern auch aus der Traum-Tour.


Diese MTB-Laufradsätze finden Sie im Test:

Carbon-Laufräder

  • 9th Wave Dirt-SW27
  • Acros A-Wheel ED Race Boost Carbon 27,5
  • Bontrager Line Pro 30
  • Bulls Hattori
  • Castle CC Morgenstern 27,5"
  • Syntace C33i Straight Carbon (BIKE TIPP: Testsieger)

Aluminium-Laufräder

  • DT Swiss M1700 Spline 30
  • E*Thirteen TRS+
  • Mavic XA Elite 27.5 Green 2.35
  • Newmen Evolution SL A.30 (BIKE TIPP: Preis / Leistung)
  • Spank Oozy Trail 345 Wheelset Boost
  • Sun Ringlé Düroc 30 Expert AL
  • Veltec ETR-ExtraDrei 27,5"
  • Whizz Wheels LRS DT 350 Boost / ZTR Flow MK3

Fotostrecke: Test Laufräder: Carbon und Alu 27,5" für 491 bis 1480 Euro


Zwei Laufräder ragen im Test heraus

In Sachen Steifigkeit profitieren alle Räder von der Boost-Bauweise. Durch die breiten Einbaumaße stehen die Felgen standhaft zwischen den Flanschen, obwohl dünnste Speichen wie die Sapim CX-Ray zum Einsatz kommen. Systemräder, also speziell aufei­nander angepasste Naben, Speichen und Felgen realisieren dabei etwas niedrigere Gewichte als konventionelle Aufbauten. Die Radsätze drücken mit 1400 bis 1950 Gramm auf die Waage, wobei sich das Alu-Modell von Newmen mit 1597 Gramm zwischen die Carbon-Räder mischt, die das Gewichts-Ranking naturgemäß anführen. Große Unterschiede offenbart der Crashtest. Hier zeigt die Carbon-Felge von Syntace (1600 Gramm) extreme Nehmerqualitäten und bleibt auch unter harter Überlast intakt, die Alu-Felgen einknicken lässt wie ein leere Dose Bier. Zusammen mit den anderen guten Qualitäten gibt das ein "Super" in der Gesamtwertung. Alle anderen Carbon-Felgen versagen viel früher, spätestens bei der Schlagstufe 5; zeigen teilweise aber auch schon vorher kleine Schäden, die nicht immer leicht zu entdecken sind, aber eine Keimzelle für den Totalausfall sein können. Bei Carbon schwingt deshalb immer die Frage mit, ob der Hersteller garantieren kann, die für Carbon typischen Fertigungsschwankungen im Griff zu haben. Alu ist diesbezüglich ehrlicher. Das Material ist homogen, und ein dicker Schlag zieht immer eine Beule nach sich. Kleinere Beulen kann man auch wieder rausbiegen, aber wenn die Flanke bricht, wie bei Sun Ringlé, ist die Tour zu Ende. Die Größe der Beulen variiert stark. Newcomer Newmen ragt in dieser Disziplin bei Alu-Rädern heraus und holt sich auch ein "Super" als Endurteil. Die Beulresistenz ist sehr viel besser als bei allen anderen Felgen, dank einer leicht ausgestellten Flanke, abgeschaut vom Motocross-Bereich. Im Duell der Besten – Syntace und Newmen – herrscht so fast ein Patt zwischen Carbon- und Alu-Rad. Letzteres kostet aber weniger als die Hälfte und ist damit der Preis-Leistungs-Tipp im Test.


Fazit Robert Kühnen, BIKE-Testredakteur:
Carbon ist der Stoff, um Laufräder so leicht wie möglich zu machen. Aber nur durch reichlichen Fasereinsatz werden diese auch so robust, dass die Performance über jeden Zweifel erhaben ist. Und dann ist der Gewichtsvorteil zu den besten Alu-Rädern dahin. Die Vernunft sagt daher: Alu in seiner besten Form bleibt erste Wahl. 

Robert Kühnen

Robert Kühnen, BIKE Testredakteur


Breite Felgen

Die mittlere Innenweite der Felgen liegt bei 30 Millimetern, das erlaubt niedrige Reifendrücke. Das breite Boost-Einbaumaß – 110 mm vorne, 148 mm hinten – macht die Laufräder steif.

Tubeless

Alle Felgen im Test sind für Schlauchlosbetrieb geeignet. Die effektiven Durchmesser aber schwanken. Für eine gute Abdichtung ist ein leichtes Übermaß der Felge hilfreich.


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Robert Kühnen am 12.01.2018