Duell: Sind Carbonlaufräder wirklich leichter als Alu? Duell: Sind Carbonlaufräder wirklich leichter als Alu? Duell: Sind Carbonlaufräder wirklich leichter als Alu?
Seite 1: Test 2017: Shocker Laufräder Alu gegen Carbon

Duell: Sind Carbonlaufräder wirklich leichter als Alu?

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 4 Jahren

1000 Euro! Damit kann man einen schönen Kurzurlaub buchen oder sich einige nette Upgrades am Bike leisten. Genau diese Preiskluft liegt zwischen den beiden Testlaufrädern aus Carbon und Alu.

Die Theorie 1000 Euro Aufpreis für Carbon – gute Investition oder rausgeschmissenes Geld? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir uns zwei 29er-Laufräder von Shocker Distributions bauen lassen. Die passende Felgenpaarung kam von WTB im Form der KOM i29 (Alu, 486 g, 29 mm Innenweite) sowie der Ci31 (Carbon, 485 g, 31 mm Innenweite). Gleiches Gewicht, ähnliche Dimensionen. Dennoch repräsentieren die Felgen zwei völlig verschiedene Preisklassen. Was kann das Laufrad mit Carbon-Felge, was das Alu-Pendant nicht leistet?

Die Messungen im BIKE-Testlabor zeigen: Bei identischem Aufbau (32-Loch, 3fach-gekreuzt) und mit gleicher Speichenspannung hat der Carbon-Laufradsatz eine um immerhin 15 bis 20 Prozent höhere Steifigkeit. Seitliche Belastungen werden gleichmäßiger abgeleitet, und auch eine kurze Lastspitze, wie sie etwa bei einer unsauberen Landung auftritt, wird mit weniger Verformung aufgenommen. In der Theorie bedeutet das ein präziseres Fahrgefühl und höhere Belastbarkeit. Bei der Beschleunigung liegen die beiden Kontrahenten aber auf gleichem Niveau.
Die Praxis Für den Trail-Einsatz werden beide Laufradsätze mit gleichen Reifen bestückt und an einem Hardtail mit identischen Luftdrücken gefahren. Die Erfahrungen der Tester sind einheitlich: Beide Laufräder sind ordentlich steif und gut zu beschleunigen. Sie fahren sich quasi identisch. Echte Unterschiede kann keiner der Tester feststellen. Nur bei sehr hohen Drücken (über 2 bar) ist eine minimal bessere Eigendämpfung der Carbon-Laufräder spürbar. Die wird bei praxisrelevanten 1,5 bis 1,8 bar aber komplett von der Dämpfung und Federung der Reifen überlagert. Ergebnis des Praxistests: unentschieden.

Bleibt noch die mutmaßliche Paradedisziplin der Carbon-Felge – ihre Robustheit. Auf dem Felgenprüfstand von Syntace werden je eine Alu- und eine Carbon-Felge mit einem Fallgewicht bis zum Totalausfall malträtiert. Erwartungsgemäß zeigt die Alu-Felge schon früh Dellen, die mit steigender Fallhöhe immer deutlicher werden. Überraschend: Der Punkt, an dem die Deformation zum Sicherheitsrisiko wird, der Reifen also nicht mehr sicher sitzt und ein Austausch erforderlich wird, ist nur wenig unter der Belastung, bei der auch die Carbon-Felge versagt. Materialbedingt zeigte die Carbon-Felge zwar lange nur oberflächliche Macken, entwickelte dann aber auf einen Schlag sicherheitskritische Risse. Demnach hat die Carbon-Felge zwar höhere Reserven, quittiert eine kritische Überlast aber sofort mit einem Totalschaden. Austauschkosten für eine Felge: 699,90 Euro für Carbon und 109,90 Euro für Alu. Noch Fragen?


Fazit:  In der getesteten Paarung mit identischem Felgengewicht baut die Carbon-Felge ein wenig breiter, ist 20 Prozent steifer und zeigt später Schäden. Das Belastungsniveau beim Totalausfall ist aber gleich, was am Design des Carbon-Felgenhorns mit Haken liegen könnte. Hakenlose Carbon-Felgen sind in der Regel robuster. Auf dem Trail waren keine Unterschiede spürbar.


Um die Haltbarkeit der Felgen zu überprüfen, nutzten wir den Impact-Prüfstand der Firma Syntace. Dort lassen sich praxisnahe Belastungen wie Durchschläge simulieren. In dem Testaufbau fällt ein Fallgewicht (15,3 kg) auf die fixierte Felge. Diese ist dabei leicht angewinkelt gelagert, weshalb die Belastung durch den runden Hartkunststoffblock nur einseitig auf ein Felgenhorn einwirkt. Die Fallhöhe wird sukzessive bis zum Totalausfall gesteigert. Das nahezu gleiche Belastungsniveau beim Totalschaden (Foto) deckt sich mit den Vergleichswerten der Spezialisten von Syntace. Syntace-Entwickler Nathaniel Goiny: "Die WTB-Carbon-Felge verschenkt zusätzlich Potenzial durch ihre klassische Konstruktion der Felgenhörner mit Haken. Bei gleichbleibenden Wandstärken, also bei hakenloser Bauart, könnte die Carbon-Felge noch mal stabiler sein."

Robert Niedring Carbonfelge (li.) gegen Alu


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