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Test: Lauf Trail Racer 29

Parallelogramm-Gabel von Lauf im Test

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 6 Jahren

Bisher hatten Racer die Wahl zwischen schweren Federgabeln und störrischen Starrgabeln. Bis jetzt – denn die isländische Firma Lauf bietet die Parallelogramm-Gabel Trail Racer 29. Der Gabel-Test.

Die Fakten zur Lauf-Gabel Trail Racer 29


Gewicht: 1100 g (Vorserie, 990 g geplant)
Geometrie: 487 mm Bauhöhe (Abstand Steckachse bis Gabelkrone), 45 mm Offset
Federweg: 60 mm; drei Federhärten verfügbar (50-75 kg, 70-95 kg und 90-110 kg)
Preis: 990 Euro, www.laufforks.com

Daniel Simon Unter 1000 Gramm wiegt die Lauf-Gabel aus Carbon. Da kann keine Standard-Federgabel mithalten.

Auf Island lebt man vom Rest der Welt etwas abgeschottet. Da kann man es sich erlauben, auch mal querzudenken. Das dachte sich auch Prothesen-Entwickler Benedikt Skulason. Bei seiner Arbeit kam Skulason die Idee: "Wir arbeiten viel mit Verbundstoffen. Und als begeisterter Biker fiel mir auf, dass diese Werkstoffe in der Bike-Industrie kaum zum Einsatz kommen." Skulason schmiss den Job und gründete die Firma Lauf mit dem Ziel: eine leichte, effiziente Gabel zu konstruieren. So ist aus der Entwicklungsarbeit an Bein- und Fußprothesen die Trail Racer 29 entstanden. Mit knapp einem Kilo liegt sie genau zwischen den 1600 Gramm einer 29er-Federgabel (z. B. SID) und den 600 Gramm einer Carbon-Starrgabel.

Einzige ohne Lager und Drehpunkte

Extravagante Formgebung, simples Prinzip: Im Grunde ist die Trail Racer 29 (kurz: TR29) eine Starrgabel, bei der das Laufrad schwimmend über Blattfedern aufgehängt ist. Damit kommt sie als weltweit einzige "Federgabel" ganz ohne bewegte Teile, Lager oder Drehpunkte aus. Möglich macht das die zum Patent angemeldete Konstruktion aus Fiberglas-Blattfedern (jeweils sechs Stück auf jeder Seite), an denen das Vorderrad über zwei massiv wirkende Carbon-Ausfallenden mit 15-mm-Steckachse aufgehängt ist. Damit bleibt die ungefederte Masse des Systems mit 255 Gramm rekordverdächtig gering.
Die aus der militärischen Anwendung stammenden Fiberglas-Blattfedern wären weit über die durch Anschlagspuffer begrenzte Verformung hinaus elastisch. Auch nach Jahren des Gebrauchs, verspricht Konstrukteur Benedikt Skulason, zeigt sich dabei keinerlei Ermüdung. Nachdem die Federn fest in den Carbon-Ausfallenden und -Gabelbeinen eingebettet sind, muss man sich vor dem Kauf für eine Gewichtsklasse entscheiden. Die Lauf TR29 kommt wahlweise in drei vorbestimmten Federhärten: für 50-75 kg, 70-95 kg oder 90-110 kg. Ihre Torsionssteifigkeit gewinnt die TR29 aus der speziellen Einbettung der breiten Blattfedern in die Kohlefaser-Konstruktion und der 15-mm-Steckachse. Die 60 mm Federweg hören sich nicht nach viel an. Da es aber im System keinerlei Reibungsverluste gibt und die Federung wie bei Blattfedern üblich am Anfang extrem sensibel und im weiteren Verlauf sehr progressiv arbeitet, sollen sich diese im Gesamteindruck nach mehr anfühlen.
Wer schon in den 80ern die Anfänge von MTB-Federungen miterlebt hat, erinnert sich mit Schaudern an die – zum Glück kurze – Phase der ungedämpften Federungen. Bei der TR29 soll der kurze Federweg aber so ausgelegt sein, dass die fehlende Dämpfung (noch) nicht zum Tragen kommt. Aller Extravaganz zum Trotz passt die Lauf TR29 an jedes 29er, das einen konischen Gabelschaft aufnimmt. Die Bremsaufnahmen sind im klassischen PM-Standard gehalten, und für eine saubere Leitungsführung sorgen die aufgeklebten Führungspunkte. Weil die Lauf-Gabel mit 487 mm ähnlich hoch baut wie eine 80-Millimeter-Teleskop-Federgabel, bezahlt man den Umstieg von einer 100-mm-Federgabel mit etwas steileren Winkeln und einem einen Zentimeter niedrigeren Tretlager. Acht Standardfarben stehen zur Wahl. Die Frage, ob man sie besser als Federgabel oder Starrgabel ansprechen sollte – oder als "beides", wie der Erfinder der Gabel meint – klärt der Praxis-Test.

Daniel Simon Der Pneumatikzylinder der Kennlinien-Messung macht die Funktion der Fiberglas-Blattfedern eindrucksvoll sichtbar.

BIKE Magazin Technisch ist die Messung im BIKE-Labor keine Überraschung: lineare Kennlinie ohne Endprogression, geringer Federweg.

Die Technik der Lauf Trail Racer 29

  • Voll-Carbon-Konstruktion mit eingeklebten Fiberglas-Blattfedern
  • Konifizerter Gabelschaft
  • Post-Mount-Bremsaufnahme
  • Achssystem: 15-mm-Steckachse

Blick zurück: Verrückte Gabel-Ideen von früher

Die Idee, zu federn ohne zu dämpfen, ist nicht neu. Bereits in den Neunzigern gab es kuriose Gabelentwicklungen:

Kuriose Federgabel-Ideen aus den Anfangsjahren

4 Bilder

Vor- und Nachteile der Parallelogramm-Gabel von Lauf

+ Sehr sensibel auf Vibrationen und kleinere Schläge
+ 100 % wartungsfrei
+ Sehr leicht (für eine Federgabel)
+ Sehr unauffällig im Wiegetritt
– Mehr Starr- als Federgabel
– Eingeschränkte Kontrolle in ruppigem Gelände (fehlende Dämpfung)
– Leichte Wipptendenz bei unrundem Tritt

Interview mit Benedikt Skulason, Lauf-CEO & -Konstrukteur


BIKE: Die Trail Racer 29 ist ein sehr unkonventionelles Federgabel-Konzept. Wie kamst Du darauf?
Benedikt Skulason: Die Idee kam mir bei meiner Arbeit als Prothesen-Entwickler, bei der ich viel mit dauerhaltbaren, aber flexiblen Verbundstoffen zu tun habe. Als begeisterter Biker ist mir aufgefallen, dass diese Werkstoffe in der Bike-Industrie bisher kaum zum Einsatz kommen. Mein Ziel war es, eine einfachere, leichtere und (energie-) effizientere Federgabel zu bauen. Als ersten Ansatz ging es mir um ein Blattfedersystem, das in einer gewünschten Richtung flext, in alle anderen Richtungen aber sehr steif ist.
Nach aktuellem Standard sind die 60 mm Federweg sehr wenig – selbst für den CC-Renneinsatz.
Wir sehen, dass mehr und mehr CC-Racer von 80–120-mm-Federgabeln auf Starrgabeln umsteigen – daher wussten wir, dass es hier eine Marktlücke gibt. In einem CC- oder Marathon-Rennen braucht man eine sehr feinfühlige Federung, um schnell zu sein. Die Lauf-Gabel kommt ohne Lockout aus, da sie keine Energie wegdämpft. Man muss nie zwischen Federung und Effizienz wählen – mit der TR29 hat man immer beides gleichzeitig.
Wäre es bei Eurem ungedämpften Konzept möglich, längere Federwege zu konstruieren?
Mehr Federweg ohne Dämpfung geht nicht – die Energie, die man beim Einfedern reinsteckt, würde ungedämpft wie eine Sprungfeder wirken. Wenn man allerdings eine straffe Federung wählt – wie bei der TR29 – ist die Ausfederenergie stets auf einem kontrollierbaren Niveau.
Flex bei Fahrradkomponenten wird oft mit Ermüdung assoziiert. Was sagst Du dazu?
Wenn man die Konstruktion richtig macht, können Verbundstoffe eine unglaublich hohe Zahl an Belastungen aushalten. Denk’ einfach an eine Beinprothese, die mit jedem Schritt einen Belastungszyklus durchläuft. Dagegen ist die gelegentliche Nutzung am CC-Bike fast schon vernachlässigbar.
In ihrer aktuellen Form ist die TR29 ein Highend-Produkt für ambitionierte CC-Fahrer. Siehst Du noch andere Anwendungen für Euer Konzept?
Ganz sicher. Neben CC-Race sehen wir auch für den Alltagseinsatz und an Hybrid-Bikes einen großen Markt. Hier punktet vor allem die Wartungsfreiheit unseres Designs – ganz ohne Lager, Dichtungen und gegeneinander bewegter Teile.

Privatfoto Lauf kommt aus Island und dieser Mann steckt hinter den Parallelogramm-Gabeln: Benedikt Skulason.

Praxis-Test: Lauf-Gabel im Fahrbericht

Zuerst das Gute: Ganz ohne Einstellaufwand und Wartungsbedarf, heißt es bei der Trail Racer immer – „draufsetzen und losfahren“. An diesem Punkt ist die TR29 jeder Federgabel überlegen. Dem Handling nach ist sie absolut unauffällig – warum auch nicht, die zentralen Geometriedaten sind identisch mit normalen MTB-Gabeln. Im aggressiven Wiegetritt spürt man die Federung überhaupt nicht, und die minimale Wipptendenz bei unrundem Tritt stört kaum. Über Forstwege, Kopfsteinpflaster, Untergründe, auf denen normale Federgabeln zu träge ansprechen, begeis­tert die TR29 mit enormer Sensibilität – am ehesten vergleichbar mit dem Ritt auf einem Fatbike oder mit geringem Luftdruck, nur mit viel mehr Feedback vom Untergrund und ohne die hohe Massenträgheit. Für solches Gelände ist die Gabel geschaffen. Geht es allerdings härter zur Sache, über Wurzel-Passagen oder Stufen, bestimmt vor allem die Fahrtechnik, wie lange man die Kontrolle behält. Entspannt drübersurfen geht jedenfalls nicht – hier lässt die fehlende Dämpfung die Front sehr schnell springen. Erst mit viel Körperspannung, Druck auf der Front und einer sehr aktiven Fahrweise (wie mit einer Starrgabel) lässt sich damit ganz ordentlich auch durch ruppiges Geläuf räubern. Das letzte Drittel der spartanischen 60 mm bleibt in der Praxis als Durchschlagschutz.

Philipp Schieder Auf Untergründen, auf denen normale Federgabeln zu träge ansprechen, begeis­tert die Lauf TR29 mit enormer Sensibilität.

Fazit zur Lauf-Gabel Trail Racer 29

Keine Frage, die Lauf Trail Racer 29 war einer der Hingucker auf der Eurobike. Konzeptionell schlüssig, beschreitet die TR29 in fast allen Belangen (Gewicht, Federweg und Preis) den Mittelweg zwischen modernen Federgabeln und Starrgabeln. Im Praxis-Test zeigte sich die TR29 als komfortable Option für Federungspuristen, denn sie liegt im Fahrverhalten doch merklich näher an einer Starrgabel als an einer echten Federgabel. Für Forststraßen, Schotterpisten, gemäßigte Trails und glatte CC-/Marathon-Strecken ist die TR29 ein echte Alternative zur Starrgabel. Wer auch im Groben Kontrolle sucht, bleibt besser bei der Federgabel.

Daniel Simon Unter 1000 Gramm wiegt die Lauf-Gabel aus Carbon. Da kann keine Standard-Federgabel mithalten.

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Lauf Trail Racer 29: Die Parallelogramm-Gabel im Test


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Themen: FedergabelnInnovations CheckLaufParallelogramm-GabelTest


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