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12 Federgabeln für All Mountain und Enduro im BIKE-Test

  • Peter Nilges
 • Publiziert vor 4 Jahren

Kiesel, Wurzelfelder oder Geländestufen, moderne Federgabeln haben viele Gegner. Vor allem im All-Mountain- und Enduro-Bereich. Wir sagen, welche Gabeln Hindernisse am besten schlucken.

Sie war der Testsieger in diversen Magazinen. Ausgezeichnete Bildqualität, hochwertiger Prozessor und eine schier nicht enden wollende Fülle an Einstell­optionen. Die Kompaktkamera von Sony schien exakt die richtige für mich. Auch zwei Jahre später bereue ich zwar nicht den Kauf, muss aber eine ausgeprägte Automatikfaulheit feststellen. Die Flut an Optionen überfordert mich. Statt langem Ausprobieren, Nachlesen oder Im-Menü-Herumirren, lehne ich mich gerne zurück und überlasse der Programm­automatik die Suche nach der optimalen Einstellung.

Beim aktuellen Federgabeljahrgang gibt es einige Parallelen zu entdecken. Mit wachsenden Federwegen nimmt die Fülle an Einstelloptionen zu, wie dieser Test mit fünf All-Mountain- und sieben Enduro-Gabeln beweist. Wer zum Top-Modell greift und dieses wird am Nachrüstmarkt bevorzugt gewählt, erhält nicht selten die volle Breitseite an Einstell-Features. Selbst die günstigste Gabel in diesem Vergleich für 699 Euro verfügt über das Komplettpaket an
eloxierten Einstellknöpfen.


Diese Federgabeln haben wir getestet:


All Mountain Federgabeln:
• Formula 33 EX
• Fox 34 Float (BIKE-Tipp: Testsieger)
• Magura TS8 R 150
• Öhlins RXF 34
• Rock Shox Pike RCT3


Enduro Federgabeln:
• DVO Diamond
• Formula 35 EX
• Fox 36 Float RC2 (BIKE-Tipp: Testsieger)
• Manitou Mattoc Pro II
• Rock Shox Lyrik RCT3
• SR Suntour Durolux R2C2  (BIKE-Tipp: Preis/Leistung)
• X-Fusion Sweep Roughcut HLR

Test 2016: MTB-Federgabeln bis 180 Millimeter

12 Bilder

Kleine Kiesel, armdicke Wurzelfelder oder hüfthohe Geländestufen. Moderne Federgabeln haben viele Gegenspieler. Vor allem im All-Mountain- und Enduro-Bereich. Welche Gabeln Hindernisse am besten aufsaugen, zeigt dieser Test mit zwölf neuen Modellen. 

Die beiden Basiseinstellungen Luftdruck (Anpassung aufs Fahrergewicht) und Zugstufendämpfung (Kontrolle der Ausfedergeschwindigkeit) regulieren die Grundbedürfnisse, die sich in Verbindung mit einem Fahrwerk ergeben. Selbst mit diesen beiden Größen, die immer zuerst eingestellt werden sollten, kann man einiges falsch machen. Unwissen, wenig geschulte Wahrnehmung oder einfach unregelmäßige Wartung können schnell das Grund-Setup verhageln. Oder wissen Sie etwa, wann Sie das letzte Mal den Luftdruck Ihrer Gabel überprüft haben und wie hoch dieser sein muss, um einen Sag von 25 Prozent zu erreichen?

So weit so gut. Bei allen von uns getesteten Gabeln gesellt sich zudem noch eine Druckstufendämpfung (Kontrolle der Einfedergeschwindigkeit) hinzu. Entweder in Form einer vorwählbaren Plattform mit wenigen Klicks, feinjustierbar über einen breiten Bereich, oder in der Kombination von beidem. Letzteres verwendet Fox in der 34 mit Open-, Medium-, Firm-Adjust und Rock Shox mit ihrer RCT3-Dämpfung. Bei beiden Systemen lässt sich eine Plattform dreifach vorwählen und zusätzlich die Druckstufe in dem offenen Modus nochmals fein einstellen.

Schritt drei ist die Unterteilung der Druckstufendämpfung in eine High- und Lowspeed-Dämpfung. Entsprechend der Bezeichnung reguliert die Lowspeed-Druckstufe die Einfedergeschwindigkeit der Gabel bei langsamen Bewegungen und sorgt dafür, dass sie beim Anbremsen oder im steilen Gelände nicht unkontrolliert wegtaucht. Die Highspeed-Druckstufe soll ein Durchschlagen bei schnellen Federbewegungen verhindern. Bis auf die Formula 35 EX und die Rock Shox Lyrik besitzen alle Enduro-Gabeln eine geschwindigkeitsabhängige zweifache Druckstufendämpfung. Selbst im All-Mountain-Bereich implantiert Motorrad-Fahrwerksspezialist

Matt Wragg Mediterranes Testen: 16 Grad mit Seeblick, statt Bibbertemperaturen boten die Trails in Finale Ligure.

Öhlins bereits diese Option in die RXF 34. Weiter geht es mit der High- und Lowspeed-Zugstufenverstellung. Ja, auch das gibt es. Dieses Feature lässt sich wenigstens nur an einer Gabel (SR Suntour Durolux) finden. Dabei soll die Highspeed-Zugstufe die Ausfedergeschwindigkeit bei tiefen Federbewegungen nach Landungen, Drops usw. im Zaum halten, während die Lowspeed-Druckstufe weitestgehend den Anfangsbereich und mittleren Bereich abdeckt, wo die Ausfederkraft noch kleiner ist.

Spätestens jetzt wird sich der ein oder andere auch bei der Federgabel nach einer Programmautomatik sehnen. Doch es geht noch weiter. Ebenfalls ein hydraulisches System ist HBO, was Manitou in ihrer Enduro-Gabel Mattoc Pro verbaut. Mit dieser Option lässt sich zusätzlich ein Durchschlagschutz einstellen.

Jetzt geht es ans Eingemachte. Was auf der Dämpfungsseite angefangen hat, wird bei manchen Herstellern auch auf der Luftseite weitergeführt. So kommt die Öhlins serienmäßig mit zwei Positiv-Luftkammern, wodurch sich die Kennlinie beeinflussen und die Progression einstellen lässt. Die richtige Reihenfolge beim Befüllen und das Wissen, welche Kammer welche ist, ist Grundvoraussetzung. Die Möglichkeit, die Hauptkammer mit einem zweiten Ventil zu separieren, bietet auch Manitou optional für die Mattoc an. Weil die Fehlerquote beim Setup jedoch recht hoch war, eliminierte Rock Shox das Zwei-Ventil-System vor einigen Jahren bei ihren Gabeln. Spacer zum Reduzieren des Luftvolumens, um die Gabel progressiver zu machen, haben zudem die meisten Hersteller im Programm. So ausgerüstet gibt es bei manchen Gabeln nicht weniger als sechs Stellgrößen auf dem Weg zum perfekten Setup.

Matt Wragg Steinig und schroff. Je nach Gabelgattung wird die Teststrecke gewählt. Vor allem für den Enduro-Bereich hat Finale Ligure einiges zu bieten. 

Formel-1-Technik für Jedermänner. Ob die Einstellvielfalt dabei immer hilfreich ist, bleibt fraglich. Denn nur die Wenigsten stecken so tief in der Materie und fühlen die veränderten Einstellungen, sodass es wirklich ein Vorteil ist. Meine Kompaktkamera hat mich gelehrt: Wo man viel einstellen kann, kann man leider auch viel verstellen. Der rettende Dreh zur Automatikeinstellung entfällt bei Federgabeln. Als kleinen Automatikersatz haben manche Hersteller zumindest eine Setup-Empfehlung als Leitfaden auf der Suche zur optimalen Einstellung. Und wer weiß, was im Elektronikzeitalter noch alles möglich sein wird?


Fazit Peter Nilges, BIKE-Redakteur

"Es sind die beiden großen Namen, die sowohl im All-Mountain-, als auch im Enduro-Bereich ganz oben auf der Punkteliste auftauchen. Fox und Rock Shox lassen sich in diesem Test nicht die Butter vom Brot nehmen und liefern das beste Gesamtbild ab. Während Rock Shox bei den Laborwerten knapp vorne liegt, hinterlässt Fox sowohl mit der 36 als auch mit der 34 den besten Praxiseindruck, was zum doppelten Testsieg führt. Newcomer Öhlins bringt auf Anhieb eine sehr gute Gabel auf den Trail, allerdings schrecken das aufwändige Setup und der hohe Preis von 1349 Euro wohl die meisten Interessenten ab. Der verdiente Preis/Leistungstipp geht an die SR Suntour Durolux. Zwar bringt sie etwas mehr auf die Waage und ist ebenfalls aufwändig im Setup, kann aber durch eine Top-Funktion bei einem Preis von nur 699 Euro überzeugen."

Georg Grieshaber Peter Nilges, BIKE-Testredakteur

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