18 MTB-Bremsbeläge im Verschleißtest 18 MTB-Bremsbeläge im Verschleißtest 18 MTB-Bremsbeläge im Verschleißtest
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Test Mountainbike-Bremsbeläge 2017

18 MTB-Bremsbeläge im Verschleißtest

  • Sebastian Brust
 • Publiziert vor 5 Jahren

Von keinem Teil hängt die Sicherheit beim Biken so enorm ab, wie von Bremsbelägen. Doch welche passen zu welcher Scheibe? Bei unserem Labortest ging es für 18 Paarungen hitzig zur Sache.

Beläge und Scheiben müssen sich aneinander gewöhnen. Dabei soll es ruhig heiß hergehen. Was viele nicht wissen: Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab. Bei Dauerbremsungen – etwa auf langen Abfahrten – kann die Reibungshitze schnell auf über 300 Grad hochschnellen. Darauf sollten beide Partner vorbereitet sein. Sonst kann es sein, dass die Bremse kollabiert.

Ihre Gesundheit ist uns wichtig. Deshalb testen wir Bremsen und Zubehör unter extremen Bedingungen. Um herauszufinden, welche der vielen Beläge am Markt am besten mit den Bestseller-Bremsen harmonieren, haben wir 18 Paarungen bis an die Leistungsgrenze gebracht – Beläge der Marktführer Shimano, Sram und Magura, plus Nachrüstbeläge von BBB, Kool-Stop, Reverse, Sixpack, SwissStop und Trickstuff. Ein gewaltiger Aufwand. Denn jeder Hersteller bietet mittlerweile verschiedene Arten von Belägen an. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Organische Beläge gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Beläge aus Sintermetall dagegen stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein. Dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen. So weit die Klischees. Denn unser Test zeigt: Es kommt auch stark darauf an, wie Bremsen eingefahren werden.

18 MTB Bremsbeläge im Verschleißtest 2017

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Von keinem Teil hängt die Sicherheit beim Biken so enorm ab, wie von Bremsbelägen. Doch welche passen zu welcher Scheibe? Bei unserem Labortest ging es für 18 Paarungen hitzig zur Sache. 

Drei Wochen haben wir im Labor am Prüfstand verbracht, um den Testkandidaten in Sachen Bremskraft, Standfestigkeit und Verschleißverhalten auf den Zahn zu fühlen. Besonders wichtig: ein definierter Einbremsprozess, beim dem die Bremse erst eingeschliffen und schließlich behutsam auf Temperatur gebracht wird. Das ist wichtig, damit sich auf Belag und Scheibe die sogenannte Reibschicht bilden kann. Dazu tauschen Belag und Scheibe so lange gegenseitig Material aus, bis eine mikroskopisch dünne Schicht entsteht, die chemisch nahezu identisch ist – Gleich und Gleich reibt sich eben am besten. In drei Trocken- und Nassbremsungen wurde schließlich die Bremskraft ermittelt. Dann ging es in den Wärmestandfestigkeitstest. Die Pärchen mussten 30 Bremsungen absolvieren, die einer kurzen, aber heftigen Vollbremsung bei 12 Grad Gefälle und 45 km/h entsprechen. War eine Stufe geschafft, wurde die Bremskraft erhöht – in drei Stufen bis auf 630 Newton, was 120 Kilo Systemgewicht entspricht. So wurde unter Last die Temperatur im Belag bis zur Messbarkeitsgrenze von über 600 °C getrieben – oder eben bis zum Kollaps.

Andreas Jacob Eine penible Ausrichtung der Bremse ist wichtig, um Verschleiß und Geräuschentwicklung gering zu halten. 

Zwei weitere eingebremste Sätze wurden schließlich im Zeitraffer verschlissen. Die 1000 Bremszyklen dauerten in unserem Labor knapp eine Stunde. Auf dem Trail würden die meisten dafür wahrscheinlich eine ganze Saison benötigen.

Zum Test angetreten waren die Bremsenklassiker Magura MT6, Shimano XT und Sram Guide, auf denen je zwei Originalbeläge sowie insgesamt vier Nachrüstbeläge getestet wurden. Wobei die Bremsenhersteller betonen, dass nur eigene Originalteile optimal zu ihren Bremsen passen und bei Verwendung von Fremdprodukten Garantie-, Gewährleistungs- und Haftungsansprüche in der Regel verfallen. Bremsbeläge stammen meist aus Fernost – und nicht selten aus derselben Fabrik. Doch die Rezepturen der Reibmaterialien unterscheiden sich deutlich voneinander. So können manche organische Beläge bei einer Temperatur von über 300 °C noch deutlich an Leistungsfähigkeit zulegen, weil dann erst alle flüchtigen Bestandteile aus dem Harz verdampft sind. Andere befinden sich hier schon an der oberen Temperaturgrenze. Bei Sintermetallbelägen fängt hier meist der Spaß erst richtig an, die Bremskraft erreicht ihr Maximum, und vorher nervtötende Geräusche verschwinden plötzlich.

Weil die Leistungsfähigkeit der Beläge von der verwendeten Bremse abhängt, haben wir die Bremsleis­tung für jedes Bremsmodell individuell bewertet. Auffällig, aber nicht in der Bewertung berücksichtigt: der hohe Scheibenverschleiß der organischen Beläge von Reverse und Sixpack. Jeder raspelte die Hälfte der dünnen Edelstahlschichten der XT Ice-Tech-Scheibe ab. Damit wandelten sie in unserem Test fast 25 Euro in Wärme um. Sonst spielte Verschleiß bei den Scheiben eher keine Rolle.

Nicht jede Paarung harmoniert also. Doch wenn man die richtige gefunden hat, kann es ruhig heiß hergehen. Auch nach der Eingewöhnungsphase.

Fazit Sebastian Brust, BIKE-Testredakteur: 
Die Qualität passt. Trickstuff liefert seinen bisher besten Belag, und Sram zeigt eindrucksvoll, dass organische Beläge ausfallsicher sein können. Mit der sensiblen Shimano-Ice-Tech-Scheibe harmonieren die erstklassigen und sehr günstigen Originale einfach am besten.

Georg Grieshaber Sebastian Brust, BIKE Testredakteur


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