MTB Bremsentest 2015: Brake Force One Magnet MTB Bremsentest 2015: Brake Force One Magnet

MTB Bremsentest 2015: Brake Force One Magnet

Magnetbremse Brake Force One mit Bremskraftverstärker

Peter Nilges am 08.09.2015

Durch den integrierten Bremskraftverstärker hebt sich die Brake Force One deutlich von gängigen Bremsen ab. Wir haben die neueste Version mit magnetischem Stufenkolben in Labor und Praxis getestet.

Die BFO ist anders. An dieser Tatsache kann und will auch die neueste Version des leichten Schwaben-Stoppers mit magnetischem Stufenkolben und Kool-Stop-Bremsbelägen nicht rütteln. Ein einziger Zug am Bremshebel verrät bereits im Stillstand das eigenständige Funktionsprinzip. Wer einen definierten, harten Druckpunkt erwartet, der auch zunehmender Handkraft standhält, wird enttäuscht. Durch den integrierten Bremskraftverstärker wird die Bremse in erster Linie über den Hebelweg, und nicht, wie gewohnt über eine deutlich zunehmende Kraft am Hebel dosiert. So viel zum "Trockentest" am unbewegten Objekt.

MTB Bremsentest 2015: Brake Force One Magnet

Brake Force One Magnet

Geht es auf den Trail, erlebt man mit der BFO sein blaues Wunder. Durch die starke Übersetzung, die der Bremskraftverstärker nach dem Anlegen der Beläge generiert, packt die Bremse bereits bei sehr geringer Handkraft beachtlich zu. Im Vergleich zum Vorgängermodell sorgen zudem schon die neuen Kool-Stop-Beläge für mehr Bremskraft. Die Tatsache, dass bereits wenig Kraft am Hebel reicht, um maximal zu verzögern, kommt der BFO auf dem Prüfstand entgegen, wo die Bremskraft bei einer moderaten Handkraft von 80 Newton ermittelt wird. Für die Dosierbarkeit bedeutet dies eine gewisse Eingewöhnungszeit.

Bei beiden Scheibengrößen setzt sich die BFO an die Spitze des Feldes (Bremsentest BIKE 2/15), kann aber im Vergleich zu herkömmlichen Bremsen bei einem weiteren Zug am Hebel kaum noch zulegen (siehe Hysterese-Schleife im Testbrief unten). Innerhalb der leichten Bremsen übertrumpft sie dennoch die meisten Mitbewerber. Im direkten Vergleich zum Testsieger Magura MT8 geht die BFO ähnlich kraftvoll ans Werk. Beim harten Verzögern fällt es jedoch schwer, noch mal Akzente/Kraftspitzen zu setzen, da man aufgrund der wegabhängigen Dosierung kein direktes Feedback erhält, wann die maximale Bremskraft erreicht ist. Hier vermittelt die Magura gefühlt etwas mehr Reserven. 

BREMSKRAFTVERSTÄRKER – SO FUNKTIONIERT'S:

Der zwischengeschaltete Stufenkolben soll Gegensätzliches vereinen: schleiffreies Bremsen durch einen großen Luftspalt der Beläge zur Scheibe und trotzdem eine hohe Bremsleistung, wenn die Beläge anliegen.

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Sobald die Beläge die Scheibe berühren und der Druck im Sattel ansteigt, verschließt die Kunststoffkugel die Bohrung im Stufenkolben, wodurch sich dieser vom Magneten löst. Durch die im Vergleich zum Geberkolben kleinere Fläche am Stufenkolben steigt das Übersetzungsverhältnis. Hinter dem Kolben (rot) ist der Druck dadurch viermal höher. 

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Über den zusätzlich im Bremssattel verbauten Stufenkolben ändert sich die hydraulische Übersetzung im Verlauf eines Bremsvorgangs. Wird die geöffnete Bremse gezogen fließt das Mineralöl (blau) zunächst durch den am Magneten gehaltenen Stufenkolben hindurch, wodurch die Beläge schnell an die Bremsscheibe angelegt werden. 

INTERVIEW MIT JAKOB LAUBHOFF, ENTWICKLER:
Zweigang statt Singlespeed

Warum setzt Ihr bei Eurer Bremse auf einen komplett anderen Weg und integriert einen Bremskraftverstärker?
Irgendwann stößt man an physikalische Grenzen. Wer eine schleiffreie Bremse mit großem Luftspalt will, muss in der Regel weniger Bremskraft in Kauf nehmen und umgekehrt. Der Bremskraftverstärker ist die einzige Chance, einen großen Luftspalt mit einer hohen Bremsleistung und trotzdem niedriger Handkraft zu vereinen. Wir haben sozusagen bei einem Singlespeedbike, mit dem dir bei einer großen Übersetzung am Berg die Kraft ausgeht, eine Zweigangschaltung eingebaut. Bei unserer Bremse verdoppelt sich die Übersetzung, sobald die Beläge an der Scheibe anliegen, was eine hohe Bremskraft bewirkt.

Warum kommt bei Eurer neuesten Version ein Magnet an Stelle einer Feder zum Einsatz, um den Stufenkolben in Position zu halten?
Durch den Magneten im Stufenkolben lässt sich die Handkraft um 30 Prozent senken, was den Bedienkomfort und die Dosierung verbessert.

Wie lässt sich der stolze Preis Eurer Bremsen rechtfertigen?
Innovationen haben ihren Preis. Zudem zählen unsere Bremsen zu den leichtesten auf dem Markt. Zusätzlich produzieren wir fast alle Teile in Deutschland. 75 Prozent der Einkaufskosten entstehen in Deutschland. 

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Jakob Laubhoff, Entwickler der Brake Force One Magnet

BRAKE FORCE ONE MAGNET

BIKE-Urteil SEHR GUT (für 160 und 180 mm Scheiben)

Preis ab 427,90 Euro
infos www.brakeforceone.de

Details Zweikolbenbremse mit einteiligem Sattel, organische Beläge, Mineralöl, Scheibendicke 1,95 mm
Hebelweite 4560 mm (verstellbar)
Leerweg 7 mm (verstellbar)

MTB Bremsentest 2015: Brake Force One Magnet

Brake Force One Magnet

MTB Bremsentest 2015: Brake Force One Magnet

Mit 540 bzw. 605 Newton Bremskraft (je nach Scheibengröße) packt die BFO M bereits bei wenig Handkraft richtig kräftig zu. Auch wenn der Hebel gut am Finger liegt, muss man sich an die weg- statt kraftabhängige Dosierung gewöhnen. Beim Standfestigkeitstest auf dem Prüfstand neigt die Bremse zum Fading und hinterlässt damit ein wechselhaftes Bild.

MTB Bremsentest 2015: Brake Force One Magnet

Brake Force One Magnet

Hysterese-Schleife: rot = Trockenbremsung, blau = Nassbremsung, die horizontale Achse zeigt die Handkraft, die vertikale Achse die Bremskraft in Newton. Je steiler die Schleife ansteigt, desto bissiger ist die Bremse.Die Punktebewertung der Bremskraft und Standfestigkeit ergibt sich aus den Labor- und Praxisergebnissen. Der Preis gilt für eine Vorderradbremse.

*Das BIKE-Urteil ist preis­unabhängig. Es ist keine Addition der einzelnen Wertungen.
BiKE-Urteile: super, sehr gut, gut, befriedigend, mit Schwächen, ungenügend.

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Peter Nilges am 08.09.2015