7 Scheibenbremsen für Mountainbikes im Härtetest 7 Scheibenbremsen für Mountainbikes im Härtetest 7 Scheibenbremsen für Mountainbikes im Härtetest
Seite 1: Labor- und Praxistest 2016: MTB-Scheibenbremsen

7 Scheibenbremsen für Mountainbikes im Härtetest

  • Peter Nilges
 • Publiziert vor 4 Jahren

Neue Technologien, gleicher Anforderungsbereich: Scheibenbremsen müssen Höchstleistungen vollbringen – zu jeder Zeit. Welche neuen Bremssysteme mehr Kontrolle und Sicherheit bieten, zeigt dieser Test.

Ich habe ein klares Bild vor Augen – mit einem lauten Pfeifton zur akustischen Untermalung. Als Testfahrer Toni (105 kg) im steilen Asphaltstück von der Schwerkraft erfasst wird, muss ich zwangsläufig an einen lauthals prustenden Teekessel denken, der bereits auf der Herdplatte tanzt. Es ist die erste Fahrt mit der Brake Force One. Die Sensationsbremse der Eurobike, die statt Mineralöl oder DOT auf Wasser als Bremsmedium setzt. Warum auch nicht, mag sich der ein oder andere denken. Wasser ist schließlich im Vergleich zu den beiden anderen Flüssigkeiten leicht zu bekommen, umwelt- und hautverträglich und damit sehr praktisch in der Handhabung. Wäre da nicht die Sache mit dem Siedepunkt. Mit Wasser pfeift der Kessel bereits bei 100 Grad Celsius. DOT 5.1 kocht zum Vergleich erst bei 260 Grad. Sobald eine Flüssigkeit in der Bremsleitung aufkocht, entstehen Gasblasen, und der Bremshebel fällt durch bis zum Lenkergriff. Ich hoffe das Beste, als Toni immer mehr Fahrt aufnimmt und aus meinem Blickfeld entschwindet.

Neben der Brake Force One H²0 haben wir sechs weitere neue Scheibenbremsen im Test. Formula R0 Racing, Hope Tech 3 E4, Magura MT5, Shimanos neue XT, Sram Guide Ultimate und Trickstuff Direttissima. Dabei reicht die Preisspanne von 151 Euro für die Magura MT5 bis hin zu stolzen 399 Euro für die noch nagelneue Trickstuff Direttissima aus Freiburg. Wir sprechen wohlgemerkt von einer Bremse fürs Vorderrad inklusive 180er-Scheibe und Adapter. So groß die Unterschiede auch beim Preis sind, so eng liegen alle beim Gewicht zusammen. Überschaubare 85 Gramm trennen das schwerste vom leichtesten Exemplar. Mit 364 Gramm bringt die Wasserbremse von Brake Force One am wenigsten auf die Waage, auch wenn die Bremse das letzte Bauteil am Bike ist, an dem man Gewicht sparen sollte.

Labor- und Praxistest 2016: MTB Schreibenbremsen

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Neue Technologien, gleicher Anforderungsbereich: Scheibenbremsen müssen Höchstleistungen vollbringen – zu jeder Zeit. Welche neuen Bremssysteme mehr Kontrolle und Sicherheit bieten, zeigt dieser Test.

Auf unserer Bremsenteststrecke in Bozen geht es ans Eingemachte. 700 Tiefenmeter pro Abfahrt – 300 Tiefenmeter Trail mit gerölligem Untergrund, garniert mit Spitzkehren und anschließend 400 Tiefenmeter auf einer ausgesprochen steilen Teerstraße mit gutem Grip. Wer die Strecke kennt, weiß, dass eine Bremse, die in Bozen hält, in der Regel auch nirgendwo sonst Probleme macht. Im Praxis- wie auch Labortest klopfen wir bewusst Extreme ab, um das breite Spektrum, das einer MTB-Bremse unter Umständen bevorsteht, abzudecken. Denn: Nicht jeder Biker wiegt unter 75 Kilo und fährt nur im Mittelgebirge.

Sammeln am ersten Pausenpunkt. Es stinkt nach heißem Bremsbelag. Manche Scheiben schleifen bereits leicht. Um jede Bremse gleich zu belasten, wird auf Asphalt nach festem Prozedere gebremst. Dazwischen gibt es definierte Abkühlphasen. Das Ausgasen der Beläge geht meist mit einem rapiden Bremskraftverlust einher. Initial-Fading heißt das tückische Phänomen und tritt in der Regel bei Bremsen mit neuen organischen Belägen auf, die zum ersten Mal richtig heiß gebremst werden.

Wolfgang Watzke Unser Bremsentest ist vielschichtig: Ein wichtiger Teil ist der Einsatz im Gelände.

Bis auf Formula sind alle Bremsen im Test mit organischen Belägen ausgestattet. Je nach Zusammensetzung des Belages, ist alles möglich, von leicht nachlassender Bremswirkung, bis hin zum Totalausfall. Ein echtes Risiko, das selbst dann noch auftritt, wenn man die Beläge bereits nach Herstellerangabe eingebremst hat und denkt, die Bremswirkung steht voll und vor allem verlässlich zur Verfügung. Ein Grund, warum sich die Standfestigkeit einer Bremse erst ab der zweiten Testfahrt abschließend beurteilen lässt.

Mittlerweile bekannt sind die auftretenden Defekte bei Shimano und Sram, wenn in Praxis und Labor eine sehr hohe Belastung erreicht wird. Bei beiden ist die Bremsscheibe die Schwachstelle. Während für einen 75-Kilo-Fahrer selbst im extremen Gefälle beide Bremsen halten, schmolzen beim 85-Kilo-Mann die Icetech-Scheiben der Shimano-Bremse, während sich die Centerline-Scheiben von Sram verformten. Neu dagegen ist die Problematik mit einem wandernden Druckpunkt bei der neuen Shimano-XT-Bremse (BIKE 2/16). An diversen Test-Bikes variierte der Druckpunkt am Hebel unabhängig von der Temperatur der Bremse. Je rauer der Untergrund, desto häufiger. Unsere Testbremsen in diesem Vergleich funktionierten jedoch tadellos. Weitere Schwachstellen konnte nur Toni mit vollem Körpereinsatz aufdecken. Sowohl bei der Formula als auch bei der Brake Force One verbogen sich die Trägerplatten der Bremsbeläge leicht.

Und der Teekesseleffekt? Abgesehen vom Initial-Fading bei der ersten Fahrt, zeigte die Brake Force One Nehmerqualitäten. Beim 85-Kilo-Mann gab es keinerlei Probleme. Zwar liegt der Siedepunkt von Wasser deutlich niedriger, aber die Wärmekapazität ist höher. Man muss also mehr Energie reinstecken, um das Wasser zu erhitzen.



Fazit Peter Nilges, BIKE-Testredakteur:

Wie schon im letztjährigen Test sammelt Magura in der Summe die meisten Punkte und kann sich vom Rest des Feldes absetzen. Zudem ist die kräftige MT5 auch noch die günstigste Bremse im Test. Auch der Rest des Feldes bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Neben Magura zeigen auch Trickstuff und Hope selbst bei schweren Fahrern keinerlei Schwächen in der Haltbarkeit, wobei Hope mit etwas wenig Power ans Werk geht. Trotz Abwertung in der Standfestigkeit hinterließ die neue Sram Guide Ultimate dank toller Ergonomie einen sehr guten Eindruck.

Georg Grieshaber Peter Nilges, BIKE-Testredakteur



BREMSKRAFT

Durch den integrierten Bremskraftverstärker packt die BFO bereits bei einer mittleren Handkraft ordentlich zu. Auch die Magura verzögert kräftig und kann bei mehr Hebelkraft sogar noch zulegen. Dagegen wirkt die Hope etwas matt und kraftlos.

BIKE Magazin Mittlere Bremskraft in Newton aus Nass- und Trockenbremsung bei 80 Newton Handkraft


GEWICHT 

Auch beim Gewicht setzt sich die filigrane BFO durch. Mit nur 187 Gramm für Zange und Geber baut sie ihren Vorsprung aus. Shimano XT und Hope bringen pro Bremse gut 80 Gramm mehr auf die Waage und bilden damit das Schlusslicht.

BIKE Magazin Gewicht einer Vorderradbremse in Gramm inklusive aller Schrauben und Adapter

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    Technik einer Scheibenbremse | Fading kurz erklärt | Interview mit Michael Ruopp (Magura)
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7 Scheibenbremsen für Mountainbikes im Härtetest


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Themen: Brake Force OneBremseFormulaHopeLabortestMaguraShimanoSRAMTestTrickstuff


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