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Günstige 2015er Scheibenbremsen im Test Günstige 2015er Scheibenbremsen im Test

Günstige Scheibenbremsen unter 100 Euro im Test

Bremsentest: Shimano Deore, Avid DB3 und Hayes Radar

Stefan Loibl am 14.10.2015

Günstig ja, aber auch gut? Diese Mountainbike-Scheibenbremsen gibt es für jeweils unter 100 Euro. Wie schlagen sich die Spar-Stopper im direkten Vergleich? Unser Prüfstand- und Praxistest zeigt es.

Vor zwölf Jahren hieß es in einem Bremsentest von BIKE: "Nach wie vor werden mehr Serien-Bikes mit V-Brake verkauft als mit Scheibe." Seitdem hat sich viel getan: Ein Mountainbike ohne hydraulische Scheibenbremse gibt es im Jahr 2015 praktisch nicht mehr. Egal, ob es 500 Euro kostet oder mehrere tausend.

Für Bikes der 1000-Euro-Preisklasse, bei denen die Hersteller mit den Zulieferern um jeden Euro feilschen, fallen die meisten Modelle von Sram, Formula, Magura oder Shimano flach. So finden sich teilweise gruppenlose Scheibenbremsen oder Einsteigerversionen an solchen Bikes. Aber wie schlagen sich die günstigsten Hydraulik-Stopper? Wie groß sind die Unterschiede zu den Top-Modellen, die wir im Bremsentest in BIKE 2/2015 getestet haben?

Wir haben drei Einsteigerbremsen von Avid, Hayes und Shimano auf dem Prüfstand und in der Praxis auf den Zahn gefühlt. Die drei hydraulischen Scheibenbremsen bekommt man zum Nachrüsten bereits deutlich unter 100 Euro pro Stück. Die Bremsscheiben kommen noch dazu, wobei 180er-Scheiben bei Shimano etwa 20 Euro, bei Avid und Hayes rund 40 Euro kosten.

Vergleicht man die Gewichte der drei Bremsen, stellt man fest, dass die günstigen Stopper einzeln etwa 50 Gramm mehr auf die Waage bringen als vergleichbare Highend-Modelle: So liegt die Deore mit 469 Gramm nur 50 Gramm über einer XTR Trail, während die DB3 von Avid nur 60 Gramm mehr als die Sram Guide RSC wiegt. Auf Leichtbaubremsen büßen die drei günstigen Discs allerdings deutlich mehr als 100 Gramm ein.

Beim Aufbau unterscheiden sich die preiswerten Scheibenbremsen vor allem durch das zweiteilige Geber-Gehäuse. Zudem kann man den Druckpunkt bei keinem der drei Modelle verstellen. Die Hebelweite dagegen schon: Bei Avid funktioniert das sogar werkzeuglos, bei Hayes und Shimano benötigt man einen kleinen Inbus-Schlüssel.

Offenbarung auf dem Bremsenprüfstand

Auf dem Prüfstand mussten sich alle Bremsen mit 180er-Scheiben beweisen. Sowohl bei der mittleren Bremskraft als auch bei der Standfestigkeit überzeugte die Shimano Deore. Vor allem beim Fading-Test hinterließ die RT66-Scheibe einen sehr positiven Eindruck: Sie deformierte sich zwar kurzzeitig, überlebte aber – im Vergleich zu den IceTech-Scheiben – die Prüfstandfolter. Noch etwas mehr Bremskraft generiert die Deore-Bremse mit den RT64-Scheiben. Allerdings hält die 1,7 Millimeter dünne Scheibe nicht so lange durch wie die RT66-Variante für 6-Loch-Befestigung.

Die Radar von Hayes wird immer mit Sinter-Belägen ausgeliefert, was bei niedrigen Temperaturen schnell zum Quietschen führt. Mit guten Werten bei der Standfestigkeit liegt die Radar voll im Soll. Nur die Dosierbarkeit und die Hebelergonomie könnten einen Tick besser sein.

Laut Labormessung kommt die DB3 auf die geringste Bremskraft. In der Praxis packen die Avid-Stopper aber sehr bissig und zuverlässig zu. Bei großer Hitze zeigten sich mit den dicken Centerline-Scheiben (1,82 mm) allerdings dieselben Probleme wie in unserem Bremsentest in BIKE 2/2015. Erst tritt starkes Fading auf, dann verformen sich die Scheiben. Doch keine Panik: Defekt sind sie deshalb nicht. Die Scheiben richten sich bei der Abkühlung wieder aus.

Fazit: Die günstigen Scheibenbremsen erzielen zwar nirgends Bestwerte, verzögern aber zuverlässig. Wer besonders leichte oder übermäßig kräftige Stopper sucht, muss mehr Geld ausgeben.

Messwerte, Daten und die Bewertung im Detail finden Sie auf Seite 2 dieses Artikels.

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Stefan Loibl am 14.10.2015