Test 2016: leichte Komfort-Sattelstützen fürs MTB Test 2016: leichte Komfort-Sattelstützen fürs MTB Test 2016: leichte Komfort-Sattelstützen fürs MTB
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Komfort-Sattelstützen im Labor- und Praxistest

Test 2016: leichte Komfort-Sattelstützen fürs MTB

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 5 Jahren

Eine MTB-Sattelstütze muss stabil und leicht sein. Noch besser wäre, wenn sie zusätzlich federt und Fahrkomfort spendet. Sieben Komfort-Sattelstützen im Praxis- und Labortest – bis zum Bruch.

Für die meisten Biker erfüllt die Sattelstütze nur den Zweck, den Sattel sicher und dauerhaft in seiner Position zu halten. Doch aus den starren Rohren lässt sich wesentlich mehr herausholen. Clevere Konstruktionen und gezielter Materialeinsatz liefern Dämpfungskomfort, wo Hardtail-Fahrer früher die Launen des Untergrundes ungefiltert ertragen mussten. Die frühzeitlichen Ansätze hierzu hatten mehr Nachteile als Vorzüge – nervös wippende Federstützen mit komplexen Parallelogramm-Designs machten Biker eher seekrank. Die modernen Komfortstützen gehen einen subtileren Weg und beschränken sich darauf, möglichst effektiv Vibrationen und kleinere Schläge, wie sie auf Forststraßen oder Schotterwegen auftreten, abzudämpfen. Gerade an Hardtails können gute Komfortstützen so für viele Fahrer ein Gewinn sein – vor allem auf langen Touren und Marathons.

Der Entwicklung der Komfortsattelstütze kamen dabei die immer fortschrittlicheren Fertigungstechniken, vor allem beim Werkstoff Carbon, zu passe. So verwundert es kaum, dass in unserem Test sechs von sieben Stützen aus dem schwarzen Gold gefertigt sind. Canyon geht mit seiner S25 VCLS sogar noch weiter und baut die Stütze zweigeteilt – wie zwei parallele Blattfedern. Prompt setzt sich diese auch an die Spitze der Komfortwertung. Bei keiner anderen ist der Komfortgewinn durch die Dämpfung ermüdender Vibrationen so deutlich, doch auch die anderen leisten Beachtliches. Auch Titan als metallischer Werkstoff ist in unserem Test in Form der USE Sumo vertreten, mit ebenfalls hohen Komfortwerten.

Doch wie bei allen tragenden Bauteilen stehen Stabilität und Sicherheit an oberster Stelle, und gerade da zeigt sich noch durchaus Optimierungspotenzial. So haben wir die sieben Sattelstützen, denen der Hersteller ein komfortoptimiertes Flexverhalten zuspricht, nicht nur auf ihren Komfortgewinn in Labor und Praxis, sondern auch auf ihre Dauerhaltbarkeit hin untersucht. Mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Diese Komfort-Sattelstützen fürs Mountainbike sind im Test:

• Cannondale Save2
• Canyon S25 VCLS
• Easton EC90 Zero
• Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic
• Schmolke SL
• Syntace P6 Hiflex (BIKE-Tipp: Testsieger)
• USE Sumo Titan

Die getesteten Komfort-Sattelstützen im Überblick

7 Bilder

So haben wir getestet


Praxistest Die Praxiseindrücke wurden über mehrere Monate von verschiedenen Testern zusammengetragen. Jede Stütze wurde dabei immer am identischen Hardtail montiert und gefahren. Neben dem Fahreindruck wurden dabei auch die Erfahrungen zum Montageaufwand und dem Handling der Stütze vermerkt. Trotz der subjektiven Komponente des Praxistests und der großen Streuung des Tester-Pools von 70 bis 90 Kilo fallen die Aussagen zum Komfort sehr homogen aus. Sicherheitsrelevante Auffälligkeiten oder gar Ausfälle waren dabei keine zu verzeichnen.

Robert Niedring Montage und Verstellbarkeit des Sattels fließen bei den leichten Komfort-Sattelstützen mit zehn Prozent in das Test-Urteil mit ein.

Zedler Nach diesen Vorgaben wurden alle Komfort-Sattelstützen im Prüfinstitut Zedler getestet. Nach der ISO-4210-Norm mussten alle einen spziellen BIKE-Test durchlaufen – bis zum Bruch.


Labortest Die Untersuchungen zum Ermüdungsverhalten der Stützen und deren Flexverhalten fanden im Prüfinstitut Zedler ( www.zedler.de ) in Ludwigsburg statt. Dabei musste jede Stütze zuerst die Vorgaben der ISO-4210-Norm erfüllen. Das sind 100000 Lastwechsel von 1200 N hinter der Mitte der Sattelklemmung. Danach durchliefen die Testmuster ein vom Zedler-Institut eigens erarbeitetes, praxisnahes Testkollektiv, das sowohl höhere Kräfte bis 1700 N, wie auch einzelne Lasten auf die Sattelnase aufbringt. Die Beanspruchungen sollen eine mehrjährige Nutzungsdauer der Stütze im intensiven Touren-Einsatz durch einen 90 Kilo schweren Fahrer simulieren. Als Auszugslänge wurden realitätsnahe 27 cm gewählt. Der Testdurchlauf war beendet, wenn die Sensorik ein auf einen Defekt hinweisendes Ereignis (von der Rissbildung bis hin zum Bruch) festgestellt hat und automatisch abgeschaltet hat.

Zedler Die Folterkammer: Auf diesem Prüfstand mussten alle Komfort-Sattelstützen das praxisnahe Testkollektiv durchlaufen.

Waren die Ergebnisse des Ermüdungstests der beiden Testmuster, auf konstantem Niveau, unbedenklich und schlüssig, bzw. haben beide Muster den Test ohne Auffälligkeiten durchlaufen, blieb es bei den beiden Tests. Gab es Auffälligkeiten, eine nennenswerte Wertestreuung oder ein kritisches Versagensverhalten, so wurde ein drittes Testmuster geprüft.

Dirk Zedler prüft seit mehr als 20 Jahren Fahrrad-Teile für die gesamte Industrie. Mehr Erfahrung hat auf diesem Gebiet keiner.

"Versagensfälle von Sattelstützen sind in unserer Gutachten-Praxis fast schon an der Tagesordnung. Grundsätzlich gibt es drei Schadensmechanismen. Am häufigsten ist das Versagen der Verschraubung. Die Bewegungen des Sattels führen teils zu deren nicht sachgerechter Belastung. Hier ist dann die Reserve klein, schon ein etwas zu geringes Drehmoment kann zum Versagen führen. Seltener sind Brüche am Ausgang der Stütze aus dem Rahmen. Ursächlich sind hier insbesondere zu geringe Druckfestigkeit von Carbon-Rohren und ungünstige Klemmmechanismen am Rahmen. Oft werden die Klemmen am Rahmen zu fest zugedreht. Am seltensten sind die Brüche mitten im Rohr oder am Kopf. Bei der Betriebsfestigkeitsprüfung wurden die Drehmomente eingehalten, die Sattelstützen nicht ungünstig oder zu fest eingespannt. Die Testkriterien liegen über der ISO-Norm, da deren Mindestanforderung harten sportlichen Einsatz nicht abdeckt. BIKE-Realdatenerfassungen haben ergeben, dass ein Fahrer mit bis zu vierfacher Erdbeschleunigung in den Sattel gepresst werden kann, wenn er in eine Kompression fährt. Ein 80 Kilo schwerer Fahrer bringt je nach Position gut 50 Kilo in den Sattel, das entspricht einer kurzzeitigen Belastung von bis zu 2000 Newton. Mit unseren Prüf-Belastungen sind wir deutlich darunter geblieben." (Dipl-Ing. Dirk Zedler, Sachverständiger)

Die Test-Bewertung der Komfort-Sattelstützen

Die Bewertung erfolgt unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren – Haltbarkeit, Handling, Gewicht und das Flexverhalten – immer auf Grundlage des Testmusters mit dem schlechtesten Ergebnis.

Als tragendes und sicherheitsrelevantes Bauteil kommt der Haltbarkeit dabei die größte Gewichtung zu. Dieser Aspekt nimmt daher 50 % der Gesamtbewertung ein. Sie wird aber gesplittet in die bis zum Versagen durchlaufenen Lastwechsel und auch Bruchbild. Ins Testurteil fließt daher die Lastzyklen mit 25 % und das Bruchbild mit 25 % ein. Wenn eine Stütze die ISO 4210 Norm bestanden hat, erhält sie automatisch die halbe Punktzahl. Die volle Punktzahl gibt es bei Durchlaufen des gesamten Ermüdungstests ohne Auffälligkeiten.

Das Flexverhalten entspricht dem praktischen Komfortgewinn und wird mit 30 % gewertet. Das Urteil setzt sich zusammen aus den Auslenkungswerten in den Labormessungen und den zusammengetragenen Praxiseindrücken der Testfahrer.

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    Komfort-Sattelstützen im Labor- und Praxistest – Teil 2: Gewicht, Länge, Flex – Messdaten im Vergleich
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    Komfort-Sattelstützen im Labor- und Praxistest – Teil 3: Statements der Hersteller zum Test
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    Komfort-Sattelstützen im Labor- und Praxistest - Teil 4: Steckbriefe und Ergebnisse der Sattelstützen aus diesem Test

Themen: BruchtestCarbonKomfortLabortestLeichtbauSattelstütze


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