Seite 1: Innovations-Check: Teleskopsattelstütze Eightpins

Innovative Technik: MTB Teleskopstütze Eightpins

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 3 Jahren

Kaum ein Trailbiker will heute mehr auf eine Teleskopsattelstütze verzichten. Dabei gilt sie als das defektanfälligste Bauteil am Mountainbike. Die Eightpins will das Dilemma ein für alle Mal lösen.

Eine Kurve reicht, oder eine Bergkuppe. Und schon verwandelt sich der eben noch bequeme Sattel in ein teufelswildes Biest. Mit hundert Schlägen pro Minute versohlt er einem auf Wurzelteppichen den Hintern, oder stupst einen in Steilstücken hinterrücks über den Lenker. Ganze Generationen von Tüftlern und Ingenieuren haben sich abgemüht, das Problem in den Griff zu bekommen. In der Theorie war die Lösung klar. Der Sattel musste in heiklen Offroad-Passagen weg vom Fahrer. Die Hite Rite von Breeze and Angell markierte in den Achtzigern die Geburt der Tele-Stütze. Die simple Stahlfeder, verbunden mit Sitzrohr und Stütze, schneppste den abgesenkten Sattel nach Öffnen des Schnellspanners in die exakte Ausgangsposition zurück. Die hydraulischen Telestützen der nachfolgenden Dekaden ließen den Sattel zwar eleganter auf- und abtauchen, entpuppten sich aber als störanfällig. Schlackernde Führungen, sabbernde Öldichtungen. Tele-Stützen gelten als Sorgenteil Nummer eins. Doch das soll nun Geschichte sein.

"Das geht besser", sagte sich der junge Ingenieur Lukas Eberlberger und machte sich vor fünf Jahren an die Entwicklung einer Sorglos-Tele-Stütze. Nach zwei Jahren kam ihm die zündende Idee: eine im Rahmen integrierte, mechanische Stütze. Mit dem Patent in der Tasche sprach Eberlberger schließlich bei Jo Klieber vor, dessen Firma Syntace/Liteville über beste Voraussetzungen verfügte, um die Stütze zur Marktreife zu entwickeln. Jetzt ist sie erhältlich. Allerdings nur in Kombination mit einem passenden Liteville-Rahmen. Denn die Eightpins, wie sie heißt, ist nicht einfach eine versenkbare Sattelstütze. Sie ist ein ausgeklügeltes Gesamtsystem. Anders als bei üblichen Stützen, wird sie nicht von außen geklemmt, sondern durch eine Schraubachse im Inneren des Rahmens verankert. Eine clevere Lösung. Denn so kann auf ein eigenes Außenrohr verzichtet werden, während die Gleitbuchsen in einer dünnwandigen Hülse direkt im Rahmen sitzen. Das spart Gewicht – je nach Version zwischen 100 und 250 Gramm gegenüber klassischen Stützen.

Von außen fast nicht als solche erkennbar: Die innovative Eightpins-Dropper-Stütze ist direkt ins Sitzrohr integriert. Doch das ist noch lange nicht alles, was sie zu bieten hat.

Zudem bietet die Eightpins aufgrund ihrer Bauart mehr Hub. Flutsch und weg, quasi. Außer der Gasdruckfeder, deren einzige Aufgabe es ist, den Sattel nach oben zu liften, ist die Stütze komplett mechanisch. Weswegen das Bike selbst mit abgesenkter Stütze am Sattel hochgehoben werden kann, was bei hydraulischen Tele-Stützen oft zum Kollaps der Dichtungen und Luft im System führt. Bei der Eightpins sorgen acht (namensgebende) Rasten ("Pins") für sichere Fixierung. Die Herstellung der Innenverzahnung ist hochkomplex. "Wir mussten eigene Fertigungstechniken und Werkzeuge entwickeln", so Andreas Haimberger, Marketing-Mann bei Eightpins.

Das Konzept klingt rundum überzeugend. Doch im Moment ist es nur Liteville-Fahrern vorbehalten. Ab 2018, so die Ankündigung, soll Eightpins aber auch von anderen Herstellern verbaut werden dürfen. Es sieht ganz danach aus, dass die Zeiten teufelswilder Sättel vorbei sind. Und die der schlackernden, sabbernden Telestützen auch.

Innovations-Check: Teleskopsattelstütze Eightpins

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