"Ich dachte an nichts anderes mehr." "Ich dachte an nichts anderes mehr." "Ich dachte an nichts anderes mehr."

Ulrich Stanciu – über das erste Magazin für Mountainbiker

"Ich dachte an nichts anderes mehr."

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 14 Jahren

Der Surfer Stanciu saß 1985 erstmals auf einem Mountainbike. Auf Sylt! Und obwohl es dort gar keine Berge gibt, war er so begeistert, dass er daraufhin das erste Mountainbike-Magazin Europas gründete.

Im Sommer 1985 reiste ich als Chefredakteur des SURF-Magazins zum Surf-Worldcup nach Sylt. Dort sah ich einen Schweizer Profi, der mit einer Art Jeepfahrrad durch die Dünen fuhr. So ein Ding hatte ich vorher noch nie gesehen. Meine Kollegen und ich waren damals sehr wachsam, was neue Trends und Sportarten anbelangte. Wir sahen förmlich das Gras wachsen. Also ging ich zu dem Schweizer und fragte ihn, ob ich mal eine Runde mit dem Rad drehen dürfte. Ich eierte ein wenig den Deich rauf und runter und war dermaßen begeistert, dass wir für die nächste SURF-Testgeschichte bei Hercules ein Rad bestellten. Es war so ein Ur-Mountainbike mit Trommelbremsen. Beim Aufmacherfoto drapierten wir es im Hintergrund. Sozusagen als Beiwerk. Nach dem Motto: Was tun, wenn Flaute ist?

Zwei Jahre später lieh ich mir bei Klaus Stanner, einem der ersten Bike-Händler in Garmisch, ein Mountainbike. Klaus war ein alter Ski-Kumpel von mir und beschwor mich, unbedingt ein Magazin für Biker auf den Markt zu bringen. Er sagte immer wieder, vielleicht zwanzig Mal hintereinander: "Uli, MTB kommt! Das kommt!" Doch davon war auch ich längst überzeugt. Ich schrieb Konzepte, telefonierte mit unseren Verlegern. Immer wieder. Bis im Juni 1988 grünes Licht für vier Testausgaben kam. Dann begann eine unglaublich stressige Zeti. Ich war ja weiterhin Chefredakteur bei SURF und hatte für das BIKE-Projekt nur Karin Stanner, die Tochter von Klaus, an meiner Seite. Es gab noch keine Struktur für das neue Magazin, noch nicht mal ein eigenes Büro. Aber mir war von Anfang an klar, dass der Testbereich die tragende Säule sein müsste. Wer sich für ein Mountainbike interessierte, hatte schließlich tausende Fragen. Dazu brauchte ich aber fähige Mitarbeiter. Karin und ich reisten zu allen möglichen Worldcups, wo wir die Top-Fahrer Jürgen Sprich und Jürgen Eckmann schnell für einen Nebenjob als Tester begeistern konnten.

Ende des Jahres waren wir bereit für den ersten großen Test, bei dem 35 Räder gefahren, beurteilt und fotografiert werden sollten. Nur wo? Es war Winter und den Radtransport per Flugzeug auf die Kanaren oder sonst wohin hätten wir uns niemals leisten können. Durch Zufall bekam ich einen Tipp. Die Berge rund um den Gardasee sollten sich super zum Biken eignen. Ich kannte den Gardasee ja bestens vom Surfen her. Aber dass es da auch Schotterwege geben sollte, war mir nicht bekannt. An einem milden Tag im Januar rollten wir mit einem LKW voller Bikes über den Brenner. Mit dabei war auch ein Zahntechniker namens Heinz Endler, der sich spontan als Fotograf angeboten hatte und wenig später die gesamte Mountainbike-Fotografie neu prägen, ja sogar ästhetisieren sollte. Aber das ist wieder eine ganz eigene Geschichte. Als wir am Gardasee ankamen, war es 16 Grad warm. Wir studierten erst einmal die Karte in einem Motorradführer, um einen geeigneten Platz für die Tests und Fotos zu finden. Ich weiß nicht mehr wer, aber jemand zeigte auf den Tremalzo-Pass. Das Panorama, dass wir dort oben erlebten, werde ich nie vergessen.

Wieder zurück in München arbeiteten wir wie besessen am Heft. Teilweise schlief ich nachts nur drei Stunden. Ich dachte an nichts anderes mehr. Ich war besessen. Ich wollte das ultimative Heft für Mountainbiker produzieren. Um eine Reportage über die Geschichte des Bike-Sports in der ersten Ausgabe zu haben, rief ich meinen SURF-Kollegen Uwe Geißler an, der gerade ein Jahr Auszeit hatte und durch Amerika reiste. Er sollte vor Ort recherchieren und auf dem Heimweg über Japan fliegen, um noch die Teilefirma Shimano zu besuchen.

Am 4. Mai 1989 schließlich erschien das erste BIKE-Heft. Jürgen Sprich fuhr auf dem Titel von links unten nach rechts oben. Das haben wir bewusst so ausgewählt, denn das Bergauffahren symbolisiert ideal den Sport. Die Verkaufszahlen waren so gut, dass wir schon im Jahr darauf monatlich erscheinen konnten.

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Themen: Bike MagazinMagazinMountainbikeUlrich Stanciu


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