SKS Rennkompressor

  • Tomek
 • Publiziert vor 13 Jahren

Der SKS „Rennkompressor“ ist ein aufrechter Kämpfer für das Schöne, Wahre, Gute. Seit mehr als vierzig Jahren trotzt die unverwüstliche Standpumpe allen modischen Versuchungen – ein Denkmal auf zwei verchromten Klappbügeln.

In kleinen Dingen ist SKS-Chef Willo Blome großzügig. Neulich erst hatte ein holländisches Magazin seinen „Rennkompressor“ als „die Mutter aller Standpumpen“ bezeichnet. „Natürlich ist das nicht korrekt“ sagt Blome, „denn es heißt ja ,der Rennkompressor‘, mit männlichem Artikel. Es müsste also eher ‚der Vater aller Standpumpen‘ sein. Aber gefreut hat es uns natürlich, dass jemand das so wahrgenommen hat. Da ist das mit der Grammatik halb so schlimm.“

Anfang der Sechziger Jahre, ein genaues Datum kennen die Geschichtsbücher nicht, entwickelte die Firma „Scheffer Klute, Sundern“ auf Anregung ihres Belgien-Vertreters Maurice Slabbynck eine „Hochleistungspumpe für den professionellen Radsport“. Ein Werkzeug sollte sie sein, kein windiger Nothelfer. Druckstark, robust und leicht zu bedienen. Schon seit 1932 presste SKS Metalle zu Fahrradluftpumpen, doch das waren Rahmenpumpen. Schwächliche Gesellen, die eher die Arme als den Reifen prall machten. Im Geiste sieht man körnige Wochenschaufilme, in denen Arbeiter über Kopfsteinpflaster „auf Schicht“ pedalieren, die Pumpe in angelöteten Häkchen am Herrenrad geklemmt. Doch dann kam der „Rennkompressor“. „Seinem Leistungsversprechen nach – das sind 16 bar – ist der ,Rennkompressor‘ ursprünglich eine Rennradpumpe“ sagt Willo Blome. Kein Wunder, schließlich ist die Pumpe 15 Jahre älter als das Mountainbike.

Der erste „Rennkompressor“ hatte noch zwei parallele Kolben, doch schon wenige Evolutionsschritte später hatte die Pumpe ihre endgültige Gestalt gefunden: ein Stahlrohr, 52,5 Zentimeter lang und drei Zentimeter dick, darüber ein lackierter Quergriff aus Buchenholz, ein gusseiserner Fuß mit Druckmessuhr und untendrunter zwei verchromte Klappbügel. Kunststoff? Leichtmetall? Fehlanzeige. Nun ja: fast. Das Manometer hat eine schützende Umhüllung bekommen, in den Klappfüßen klemmen seit ein paar Jahren Gumminoppen – und 1975 musste die rindslederne Abdichtung des Pumpenkolbens einer Gummidichtung weichen. Seit 20 Jahren grübelt man in Sundern gelegentlich, ob es nicht zwei Versionen geben sollte. Eine mit Standbrett, eine mit Klappfüßen. Das Ergebnis lautet immer wieder: nein.

Eine Konstanz, die in anderen Branchen undenkbar wäre. Dass vier Jahrzehnte eine unglaubliche Produktlaufzeit sind, weiß auch SKS-Chef Blome: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass kein anderes Fahrradteil schon so lange gebaut wird. Wir haben natürlich auch andere Standpumpen entwickelt. Aber überall da, wo es hart hergeht, steht nach wie vor der ,Rennkompressor‘.“ Fast vier Millionen Stück haben von Sundern im Sauerland ihre Wege in die Hobbykeller, Vereinsbusse und Bikeshops der Welt gefunden. Ein gehöriger Teil davon dürfte noch immer seinen Überdruck in die Ventile entlassen – praktisch jedes Teil gibt es auch als Ersatzteil.

Ja, die Welt scheint sich immer schneller zu drehen. Weltreiche zerfallen, Reifenprofile werden unmodern, gecastete Superstars verglühen nach 15 ruhmreichen Minuten – nur der „Rennkompressor“ bleibt. Der Vater aller Standpumpen. Schwarz oder silbern, gelb oder rot lackiert, steht er schlank und erhaben im Trubel der Zeitläufe. Nur hin und wieder entfährt ihm ein leises, verächtliches „Pfffffft.“

Für uns gebührt ihm ein Platz in der Hall of Fame.

Schlagwörter: Rennkompressor SKS


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