Shimano Klickpedal

  • Tomek
 • Publiziert vor 15 Jahren

Vor 15 Jahren klickte sich ein neues Pedal in die Herzen der Bike-Welt und band den Mensch noch fester an die Maschine. ...und es hat klick gemacht...

Es war eines Königs unwürdiger Abgang. Wie ein nasser Sack fiel John Tomac am Mount Katuragi das fünfte Mal um. An seinen Füßen gefesselt lag der Bike-Gott am Boden. An seinen Schuhen hafteten die neuen „SPD“-Pedale, besser gesagt: ein Prototyp davon. Aber Tomac ließ sich von den bockigen Pedalen nicht bremsen und testete sie bis zur Serienreife. Und wenn er bis zum Jüngsten Tag in Zeitlupe auf die Seite krachen soll te – Aufgeben kam nicht in Frage. Denn der König wusste: Seine neuen Fußfesseln waren eine mächtige Waffe auf den Schlachtfeldern des Bike-Zirkus'.

Darauf hatte die Bike-Welt gewartet. Im Dezember 1989 veröffentlichte Shimano die erste Zeichnung der „Pedaling Dynamics“-Pedale. Diese Revolution sollte das Ende der Steinzeit-Pedale einläuten. Wer vorher auf seinem Bike unterwegs war, dem boten sich drei Alternativen: Entweder hackten Bärentatzen das Fleisch von Schienbeinen, knirschten Look-Straßenpedale über die Trails oder fesselten Haken und Riemen den Fuß ans Pedal. Allesamt keine wirklichen Optionen für den jungen Sport. Der Mann, der den Stein ins Rollen brachte hieß Kazuki Tanaka. Gemeinsam mit den Kollegen Okajima und Terada entwarf er den ersten Prototyp. Anfang 1988 war für die Japaner eines klar: Mit den alten Pedalen befand sich der Bike-Sport im Neandertal. Es musste ein Pedal her, das schmutzresistent war und die feste Bindung des Rennradpedals hatte. Fortan zeichneten die japanischen Ingenieure ununterbrochen an einer festen Verbindung von Mensch und Maschine. Doch der Weg zu den neuen Pedalen war beschwerlich. Aus den verschiedenen Entwürfen musste das ideale System gefunden werden. Besonders die Frage nach dem Ausstieg ließ die Köpfe der Ingenieure rauchen. Anfangs war ein Multi-Ausstiegssystem geplant; es sollte möglich sein, sich in jeder Fußstellung von den Pedalen zu lösen. Die technische Umsetzung war kläglich. Mit einer Hand voll Profis tüftelte man ein Multi-Single-System aus, das einen vielseitigen Einstieg und nur einen Ausstieg ermöglichte. Damit war die Urform des „SPD“-Pedals geboren. Ab diesem Zeitpunkt wurde das neue Wunderpedal immer wieder getestet und verbessert, auch wenn die klassische Bodenlandung zum Arbeitsalltag gehörte.

Mitte 1990 war es soweit. Das erste Klickpedal war serienreif gefräst und gedreht worden. Zusammen mit den werkseigenen Schuhen sollte es die Bike-Welt erobern. Mit dieser neuen Geheimwaffe wurde Greg Herbold 1990 in Durango Downhill-Weltmeister. Das war der Lohn für die Mühe, denn auch Herbold war maßgeblich an der Entwicklung des Pedals beteiligt.

Das war der Startschuss. Fortan wurde die Bindung immer weiterentwickelt und die letzten Kinderkrankheiten beseitigt. Spontanes Auslösen oder der Griff zu Stöckchen, wenn mal wieder etwas mehr Wald unter dem Schuh klebte, wurde mit den Jahren beseitigt. Heute gehört das Klickpedal wie die Kette ans Bike, zumindest im Cross Country. Doch ein Problem werden die Ingenieure nie in den Griff bekommen: den peinlichen Anfängersturz an der roten Ampel.

Für uns gebührt ihm ein Platz in der Hall of Fame.


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