Shaun Palmer im Portrait

Shaun Palmer – Extremsport-Rockstar im Downhill

  • Markus Greber
 • Publiziert vor 15 Jahren

Er kam aus dem Nichts, deklassierte die Konkurrenz und verschwand wieder. Shaun Palmers Gastspiel in der MTB-Welt dauerte nur drei Jahre. Doch in dieser Zeit prägte er den Sport wie kaum ein anderer.

„Es ist etwa so, als würde Golfstar Tiger Woods vier US-Runden gewinnen, danach Tennis anfangen, im ersten Jahr Wimbledon gewinnen, um sich anschließend in den Top 20 der NASCAR-Autorennserie zu platzieren“ – diesen Vergleich stellte 1996 USA Today, die größte amerikanische Tageszeitung, an. Besser kann man das Phänomen Shaun Palmer nicht auf den Punkt bringen. Palmers Traumkarriere startete 1985 auf dem Snowboard, da wurde er Junioren-Weltmeister in Slalom, Abfahrt und in der Halfpipe. 1986 wurde er Viezeweltmeister – und 1990 sogar Weltmeister in der Halfpipe. Nebenbei fuhr der junge Mann aus Lake Tahoe Motocross auf hohem Level, war Lead-Sänger in der Punkband „Fungus“ und gründete seine eigene Snowboard-Marke.

Irgendwann fing Palmer an, sich für das Thema Downhill zu interessieren. „Die Schwerkraft als Motor, einfach geil“, schwärmte er in einem Interview. Und so kaufte er 1995 sein erstes Mountainbike von Intense. Dass dies der Startschuss für den größten Coup seines Lebens war, ahnte er damals nicht. „Ich hatte mir die Kiste nur gekauft, um mit ein paar Freunden Spaß zu haben.“

Worldcup-Saison 1996: Nach Rang sieben in Nevegal stand Palmer in Les Gets das erste Mal auf dem Siegertreppchen – neun Monate nach seinen ersten Fahrversuchen auf dem Mountainbike. Als Privatfahrer ohne Sponsor, mit durchlöchertem Trikot und ausgelatschten Vans. In dieser Rennsaison startete Palmer von null auf den fünften Platz in der Gesamtwertung.

Genauso hart wie an seiner Karriere arbeitete Palmer an seinem Bad-Boy-Image. Mit seinen Downhill-Freunden Steve Peat, Rob Warner und Kirt Voreis feierte er nach den Rennen wilde Partys, gab sich hemmungslos dem Alkohol hin und ließ keine Gelegenheit aus, Schlägereien anzuzetteln und Kneipen zu verwüsten. Dazu passte sein Äußeres wie die Faust aufs Auge: Tattoos mit amerikanischen Statussymbolen wie dem Cadillac-Schriftzug am linken Unterarm. Sein Nachname prangt in großen Lettern auf dem Bauch. Palmers Markenzeichen war der wallende „Stars and Stripes“-Anzug aus Ballonseide. „Den trage ich immer in Europa. Da wissen die Leute gleich, wen sie vor sich haben.“ Und bei Interviews zog er, wenn er sie überhaupt gab, fiese Fratzen mit hochgezogener Oberlippe und typischem Schlafzimmerblick.

1997 tauchte Palmer auf den Rennen mit einem Truck auf, der größer war als der Teamtruck seines Sponsors Specialized. Nicht ganz so groß waren seine Downhill- und Dual-Slalom-Erfolge in diesem Jahr: Ein vierter Platz beim World Cup in Südafrika, beim Dual-Worldcup in Les Gets wurde er Dritter.

Nie machte Palmer einen Hehl draus, dass das Mountainbiken nur eine Zwischenstation sein sollte. Mit einem Auge schielte der Showman stets auf seine großen Vorbilder aus der Motocross-Fraktion. „Motocross ist der beste Sport der Welt.“ Der Übergang war dann fließend. Während Palmer seine Mountainbike-Karriere 1998 langsam ausklingen ließ (Achter im Dual-Worldcup 1998), qualifizierte er sich bereits im Januar für das Supercross-Finale in Los Angeles. „Das war die beste Nacht in meinem Leben.“

Den Sprung in die Weltelite schaffte Palmer dort jedoch nie und langsam wurde es ruhig um ihn. Nur hin und wieder taucht Palmer wieder auf – mit immer neuen Sportarten wie zum Beispiel Skicross.

Man kann sich darüber streiten, ob Bad-Boy Palmer unserem Sport gut getan hat. Fest steht jedoch: Rockstars wie er sorgen für Medieninteresse und Popularität. Einen Logenplatz in der „Hall of Fame“ hat er sich jedenfalls mehr als verdient.

Themen: DownhillLegendePortraitShaun PalmerUSA


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