Schicksalsschläge durch Biken meistern

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 12 Jahren

Michael Teuber Wirbelsäule war zertrümmert, Heilung ausgeschlossen. Stefan Backer und Heiner Schröder riss die Diagnose Krebs aus dem Leben. Alle drei fanden durch Biken wieder zurück ins Leben und wollen anderen Hoffnung geben durch ihre Geschichte.


Andere würden im Rollstuhl fahren

Die Wirbelsäule war zertrümmert, eine Heilung nach Meinung der Ärzte ausgeschlossen. Als Michael Teuber (39) seine Beine nicht mehr spürte, wurde aus dm Surfer ein Hochleistungssportler. 2008 nahm er an den Paraolympischen Spielen teil.

Mühsam, einen vorsichtigen Trippelschritt nach dem anderen, kämpft sich Michael Teuber (39) durch den Schneeteppich, der zentimeterdick die finalen Meter zum Tremalzo-Pass überdeckt. Sein Körpergewicht stützt Teuber auf dem Bike ab, so gut es der rutschige Untergrund zulässt. Mit der ganzen Kraft seiner Arme drückt er sich gegen die Schwerkraft – die Beine alleine können ihn nicht tragen. Teubers Unterschenkel sind Überbleibsel aus Haut und Knochen. Gliedmaßen ohne Muskulatur und Gefühl. Organische Hüllen, lebloses Gewebe. Zwei schwarze Carbon-Schienen fixieren die Füße rechtwinklig zum Schienbein, so kann er die Unterschenkel wenigstens wie Stelzen benutzen. Teuber flucht, stöhnt, kämpft sich voran. Würde eine Schiene brechen, wäre das hier oben eine Katastrophe. “Einer, der nicht so drauf wäre wie ich, würde im Rollstuhl fahren”, sagt Teuber in den schneidenden Gipfelwind. Stolz, ein kleines bisschen trotzig. Seit dem Horrorunfall vor 21 Jahren akzeptiert er nur noch eine Richtung: vorwärts, und zwar aus eigener Kraft.


"Ich war eine leere Hülle"

Als das Leben nicht mehr schlimmer werden konnte, zog Stefan Backer die Notbremse. Und ging Biken.

Backer will den Leuten Mut machen. Dafür eignet sich nun einmal kaum eine Story besser als seine eigene. Es ist eine unglaubliche Story. Eine, an der Backer fast zerbrochen wäre und die ausgerechnet durchs Biken ein gutes Ende fand. Der Albtraum begann mit der plötzlichen Krebserkrankung seiner Verlobten. Backer baute gerade am Eigenheim, in dem das Paar eine Familie gründen wollte. Backers große Liebe verstarb am Tag der Fertigstellung. Vom Schock traumatisiert verlor Backer erst seine berufliche Existenz, dann das Haus. Wenig später folgte ein Nierentumor auf den seelischen Generalangriff. Mit der letzten noch verbliebenen Kraft besiegte Backer die Krankheit. Doch es folgten weitere Rückschläge, private wie berufliche. Irgendwann stellten die Ärzte bei Backer auch noch eine beidseitige Cox-Arthrose fest. Die tückische Gelenkerkrankung machte jeden Schritt zur Qual, selbst Schmerztabletten schafften kaum Linderung. Backer, inzwischen auf 104 Kilo aufgedunsen, qualmte und trank gegen den Frust an. “Ich spürte: Wenn ich so weitermache, ende ich ganz unten am Boden des Fasses”, blickt Backer zurück.


"Krankheit ist wie ein Wettkampf"

Diagnose Blutkrebs! Doch Heiner Schröder kämpfte – "wie bei einem Radrennen."

Dass Schröder lebt, ist das größte Glück, das ihm je widerfahren ist. Der Tod war nämlich schon da. Dass der damals 15-jährige Schüler gerade noch rechtzeitig davon erfuhr, war ein unglaublicher Zufall. Bei der Schulabschluss-Fahrt auf einem Elbdampfer hatte sich Schröder das Knie angestoßen. Weil die Schwellung beim Radtraining schmerzte, suchte der Hobby-Rennfahrer schließlich einen Arzt auf. Der vermutete eine Schleimbeutel-Entzündung und nahm routinemäßig Blut. “Der Doktor erklärte mir, dass ich auf der falschen Station sei. Ich habe Leukämie und müsste sofort auf die Krebsstation. Meine größte Angst war in diesem Moment, dass ich meine Trainingsform verlieren könnte”, erinnert sich Schröder. Drei Monate sollte die Behandlung dauern. Neun Monate wurden daraus. Die erste Chemo schlug nicht an. Die zweite wirkte schon besser, aber nicht, wie sie sollte. Am Ende musste der geschwächte Körper sieben Chemos aushalten.


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Die leblosen Unterschenkel sind zu Haut und Knochen verkümmert. Carbon-Schienen fixieren den Fuß, so kann Teuber die Kraft aus den Oberschenkeln auf die Pedale bringen.

Vor ein paar Jahren war der Erlangener Backer am Ende. Das Bike half ihm aus der Krise.

Als er die Diagnose hörte, fürchtete Heiner Schröder zunächst um die Trainingsform. Heute genießt der Dresdner jede Minute im Sattel.

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