Ralph Hermann

  • Georg Grieshaber
 • Publiziert vor 13 Jahren

Vor zehn Jahren formte Ralph Hermann aus einem Todtnauer Hirtenpfad den ersten deutschen Bikepark. Und brachte eine Welle ins Rollen, die immer noch größer wird.

Minigolf, Gartenschach, Hallenbad, Kneipp-Anlage. Diese Art touristischer Infrastruktur war den Gemeinderäten von Todtnau im Schwarzwald vertraut. Nun aber stand Ralph Hermann, ein junger Feinmechaniker aus Freiburg, mit einem lustigen Styropor-Klotz vor ihnen. Beklebt mit Tannen im H-0-Format, bunt bemalt, ein Modell des Hasenhorns. Der von Ralph mit Feile und Messer geschnitzte Business-Plan. Eine rote Linie zog sich über den Styropor- Klotz, den die Gemeinderäte als den zugewachsenen Hirtenpfad erkannten, den er zu einer Downhill-Strecke frisieren wollte. Auf den Gipfel des Styropor-Berges sollten die Biker mit dem Sessellift befördert werden. Die Zukunft des Mountainbikens, das Modell einer völlig neuen Disziplin: Freeriden im Bikepark. Es wäre die erste Anlage dieser Art in Deutschland.

Ralph Hermann kannte solche Strecken aus dem Ausland, von seinen Renneinsätzen als Semi-Profi. Die schweren Bikes wurden einfach mit an den Sessellift gehängt. So konnte die Abfahrt, ohne das kraftraubende Bergaufächzen zuvor, genossen werden. Etwas Vergleichbares müsste es im Schwarzwald geben. Denn das Training von Ralph und seinen Kumpels am Schauinsland war mehr Bergauf- als Bergabfahren.

Das Konzept begeisterte den Bürgermeister, und ließ die Skeptiker aufhorchen. Sie sahen Horden von bierrülpsenden Bikern die Wandergäste erschrecken und den Wald zumüllen. Also musste das Styropor-Hasenhorn noch mal raus und der Gang durch die Instanzen vom Landratsamt bis zum Forstamt durchlaufen werden. Schließlich kam das OK. Nicht zuletzt deshalb, weil sich Ralph bei der WM in Kirchzarten einen Namen gemacht hatte. Er organisierte den Dual-Slalom und steckte den Kurs aus. 7000 Zuschauer brüllten Mike King zum WM-Titel.

Ralph Hermann schnappte sich die Kettensäge und Grabwerkzeug und fing an, die Downhill-Strecke für den “MTB Fun-Park Todtnau” zu bauen. Den Materialschuppen des Skilifts baute er mit Leih-Bikes und Leihausrüstung, Kaffeemaschine und Musikanlage zur Schaltzentrale aus. Er war Chef, Verleiher, Eventmanager, Shop-Betreiber, Kioskverkäufer und Fahrtechniklehrer in einer Person. Die Szene bekam bald Wind von Ralphs Park und der Südschwarzwald entwickelte sich zum Wochenendziel für die Downhill-Fraktion. Übernachtungen inklusive. Endlich gab es ein permanentes Trainingsgelände für den Hobbybiker und die Profis. Fahrer wie Jürgen Beneke und Britta Kobes waren Stammgäste. Claudio Caluori verbrachte mehr Zeit am Hasenhorn als zu Hause, Profi-Teams wie BeOne mit Bas de Bever hielten ihre Trainingslager ab. Und schließlich wurde die Strecke auch für Rennen interessant. Bürgermeister Edmund Keller durfte die Deutschen Meister ehren, die Fahrer des Maxxis Cup und des Swiss Cup beherbergen. Selbst der französische Avalanche Cup machte Station in der Kurstadt. Als sich Fernseh-Teams anmeldeten und der “stern” eine Reportage über den Bikepark veröffentlichte, waren Ralph alle Türen geöffnet.

1999, zwei Jahre nach der Eröffnung, wurden auf den Styropor-Klotz noch zwei weitere Strecken aufgemalt. Die Freeride- Strecke “Funride”, und der “Wildride”, im Winter eine Rodelstrecke. Jetzt konnte sich jeder beim Bergabfahren austoben und an seiner Fahrtechnik feilen. Was Ralph in den Gemeinderatssitzungen noch mit Overhead-Folien zu erklären versucht hatte, wurde nun im Schwarzwald Wirklichkeit: Die Disziplin “Bikepark-Freeriden” war geboren.

Ralph wurde von den Todtnauer Bikern zu “King Ralph” geadelt und beschloß nach sechs Jahren Regentschaft trotzdem seinen Rückzug. Die Zeit für was Neues war gekommen. Das Königreich hatte mit Felix Wesendahl den ersten Prinzen, an den “King Ralph” mit gutem Gefühl den Königsmantel übergeben konnte. Die Styropor-Version allerdings hat der König höchstpersönlich beim letzten Wohnungsumzug auf dem Sperrmüll entsorgt.




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