Profi-Mountainbiker in der Corona-Krise

So trainieren Profi-Biker in Corona-Zeiten

  • Max Fuchs
 • Publiziert vor 7 Monaten

Während viele im Homeoffice oder Büro einfach weiterarbeiten, müssen Bike-Profis angesichts der Einschränkungen durch das Coronavirus kreativ werden. Wir haben uns in der MTB-Szene umgehört.

Nadine Rieder (Rotwild)

Nadine Rieder befindet sich momentan in Südafrika. Sie reiste wie viele andere für das Cape Epic an.

Momentan bin ich in Südafrika. Eigentlich stand diese Woche das Cape Epic auf dem Plan. Glücklicherweise war das für mich aber kein Saisonhöhepunkt, sondern ein Teil meiner Vorbereitungen für die Cross-Country-Saison. Somit ist die Absage nicht so tragisch für mich. Mit der Absage von allen anderen Rennen ist es natürlich nun alles andere als leicht, eine Struktur im Training zu haben. Die Aufgabe übernimmt zum Glück mein Trainer. Ich weiß, dass ich mich hier voll und ganz auf ihn verlassen kann und er mich rechtzeitig wieder in Topform bringt. Ich denke, das Allerwichtigste ist nun gesund zu bleiben und dazu beizutragen, die Situation zu verbessern!

Georg Egger (Lexware Mountainbike Team)

Als Bike-Profi und Veranstalter des Bundesliga-Rennens in Obergessertshausen ist Georg Egger von zwei Seiten von der Absagenwelle durch den Coronavirus konfrontiert.

Klar ist es doof, dass keine Wettkämpfe stattfinden. Zudem hat mich der Gedanke, dass die nächsten Monate langweilig werden, anfangs echt genervt. Als Mitveranstalter des ersten MTB-Budesligarennens in Obergessertshausen war ich als Sportler und Veranstalter zugleich mit der Corona-Problematik und den Rennabsagen konfrontiert. Jedoch ist die Absage der Rennen der einzig vernünftige Weg, die Corona-Krise in den Griff zu bekommen. Auch mein Training hat sich verändert. Es wird einsamer und das Wintertraining geht quasi in die Verlängerung. Grundlageneinheiten mit Kumpels sind dabei nicht mehr drin. Statt intensiver Rennen wird, ähnlich wie im Winter, wieder tendenziell länger und weniger intensiv trainiert. Sobald ein Ende der Quarantäne in Sicht ist, werde ich jedoch auch wieder die Intensität im Training hochfahren.

Nina Hoffmann (Nina Hoffmann Racing - Stif)

Nina Hoffmann passt sich der Situation an und schafft in ihrer Wohnung Platz für ein Mini-Gym.

Letztes Wochenende hätte eigentlich der erste Weltcup in Lousa stattgefunden. Jetzt sitze ich in meiner Wohnung und muss mir mit anderen Dingen die Zeit vertreiben. Ehrlich gesagt, habe ich das kommen sehen, schon vor 4-5 Wochen. Deswegen konnte ich mich mental ganz gut darauf einstellen. Trotzdem ist es natürlich schade. Ich wäre gern in Lousa geheizt! Seit Mittwoch bin ich wieder in Jena, meide soziale Kontakte, gehe Radfahren und habe mein Zimmer umgeräumt, um mehr Platz fürs Training zu Hause zu haben. Ich werde die kommenden Wochen erstmal etwas ruhig machen und mich nicht zu viel stressen. Optimal trainieren geht momentan eh nicht und es ist nicht absehbar, wann die Saison wirklich losgeht. Allerdings heißt das nicht, dass ich nicht trainiere. Rennradfahren, Mountainbiken, Krafttraining mit Körpergewicht und leichten Zusatzgewichten ist möglich. Also die Form halten, so gut es eben geht und dann Attacke, wenn der Saisonstart feststeht! Ich bin da zuversichtlich.

Alban Lakata (Team Bulls)

Um nicht die Motivation zu verlieren, versucht der Österreicher sein Training zuhause so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. 

Die Situation hat sich dramatisch geändert. Es sind nicht wirklich Rennen in Aussicht. Wir wissen nicht, ob das nur noch ein paar Wochen, Monate oder das ganze Jahr über so geht. Man weiß nicht, wofür man trainiert, was ein absoluter Killer für die Trainingsmoral und die Motivation ist. Dazu darf ich hier in Osttirol nicht mal raus, um mein Training zu absolvieren. Das ist gerade jetzt ein Problem, da ich mich in einer Phase befinde, in der die Trainingsumfänge größer werden. Die Umfänge sind so groß, dass sie kaum auf der Rolle umsetzbar sind. Deswegen habe ich mich jetzt auch endlich bei Zwift angemeldet und Suche so einen Weg, die Zeit gut zu überbrücken. Was mich aber ärgert, ist, dass andere Leute ihre Arbeit im Büro erledigen können. Wir als Profis müssen trainieren gehen, um unsere Arbeit zu erledigen. Unser Arbeitsplatz ist nun mal in der Natur. Hier müsste eine Ausnahmeregelung her.

Ines Thoma (Canyon Factory Enduro Team)

An den Möglichkeiten wird es bei Ines Thoma nicht scheitern. In ihrem eigenen Home-Gym hat die Enduro-Pilotin alles, um sich auch während einer Ausgangssperre fit zu halten.

In Zeiten der Ausgangssperre habe ich mega Glück. Wir wohnen auf dem Land und haben viel Platz auf dem Grundstück. Platz für Trial-Hindernisse, Slackline und Co. Mein Gym mache ich sowieso immer von Zuhause aus, da habe ich alles, was ich brauche. Was natürlich fehlt, ist richtiges Enduro-Training, aber die Rennsaison startet nicht vor Juni und geht bis Ende November. Also noch eine lange Saison und genug Zeit, um wieder auf Rennspeed zu kommen.

Ronja Eibl (Alpecin Fenix)

Die U23-Fahrerin aus Albstadt erlebt die Folgen des Coronavirus hautnah. Stichwort: Trainingslager vor der eigenen Haustüre. 

Die Beeinträchtigungen durch das Coronavirus sind spürbar. Zuerst musste ich etwas früher aus dem Trainingslager zurückkommen. Daraufhin hab ich jetzt die letzte Woche das Trainingslager zuhause fortgesetzt. Dank dem tollen Wetter war das auch gut möglich. Auf Gruppentraining muss ich auch verzichten, denn obwohl jetzt eigentlich jeder Zeit hat, darf ich ztrotzdem nur mit meinem Vater und meinem Bruder trainieren. Aber jetzt steht sowieso erst mal eine Ruhewoche auf dem Plan. Dannach muss ich sehen, wie es weitergeht. Ich habe noch keinen Alternativ-Plan ausgeheckt.

Elisabeth Brandau (Radon-EBE-Racing Team)

Mit ihren Kindern ist Elisabeth Brandau ohnehin schon an Zuhause gebunden. Bei ihr halten sich die Einschränkungen beim Training in Grenzen.

Bis jetzt hat sich für mich noch wenig geändert. Klar, letztes Wochenende wäre das erste Bundesligarennen in Obergessertshausen gewesen. Die fällt jetzt leider weg. Ich habe ein Trainingsrennen vorgeschlagen, was aber abgelehnt wurde. Durch die Sonderregelung, dass die Athleten aus dem Olympia-Kader trotz gesetzlicher Anordnungen uneingeschränkt weiter trainieren dürfen, kann ich eigentlich weitermachen wie bisher. Ansonsten habe ich auch meinen eigenen Trainingsraum zuhause, wo ich Einheiten auf der Rolle oder mein Krafttraining absolvieren kann. Das kommt mir entgegen, jetzt wo ich öfter Zuhause sein muss, weil meine Kider nicht mehr in den Kidergarten dürfen.

Maximilian Brandl (Lexware Mountainbike Team)


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Schlagwörter: Coronavirus Deutschland Fitness Interview Krafttraining Rollentraining Training


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