Multitalent Steffi Marth springt Grafton Road Gap Multitalent Steffi Marth springt Grafton Road Gap Multitalent Steffi Marth springt Grafton Road Gap
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Portrait: Profi-Bikerin Steffi Marth

Multitalent Steffi Marth springt Grafton Road Gap

  • Laurin Lehner
 • Publiziert vor 6 Jahren

Steffi Marth gilt als beste deutsche Racerin. Doch das interessiert kaum. Steffi ist hübsch – das zählt! Nun ist Deutschlands Gravity-Queen das legendäre Grafton Road Gap in Utah gesprungen.

FREERIDE Magazin Steffi Marth segelt über das legendäre Road Gap in Utah. Die komplette Geschichte dazu, gibt's in FREERIDE 1/16, die gerade am Kiosk liegt.

Die komplette Story von Steffi Marth, Enduros im Test, Trails, die Du fahren musst und vieles mehr gibt's in der neuen FREERIDE 1/16 – ab 1. März am Kiosk. zur FREERIDE 1/16 Heftvorschau

Der Fotograf hat bereits seine Blitzanlage aufgebaut. Zwei Profi-Bikerinnen warten neben ihm in bunten Bike-Klamotten, denn gleich wird das Mode-Shooting beginnen. Die Frauen sollen fürs Foto an der Bikewash-Station mit dem Dampfstrahler rumspritzen und dabei gut aussehen. Eine Bikerin fehlt noch – auf sie warten alle: Steffi Marth. Und da kommt sie endlich angeradelt. Wacher Blick, blaue Funkelaugen, zierliches Näschen, dunkle, lange Haare, Glitzersteinchen auf der oberen Zahnreihe. Gerade hat sie für ihren Sponsor noch Journalisten über die zornigen Trails am Gardasee geführt. Jetzt ist sie hier.

Steffi betritt das Set wie ein Filmstar. Ihr gehört die Hauptrolle – das ist allen klar. Großes Hallo mit Fotografen und Profi-Kolleginnen. Bussi links, Bussi rechts. Schnell umziehen. Hellblaue Klebestreifen an ihrer Schulter erinnern an den Downhill-Worldcup in Lourdes. Anscheinend sind die Bänder angerissen, doch so genau konnte der Arzt in Frankreich das nicht sagen. Über den Sturz kurz vor dem Finale ärgert sie sich jetzt noch. "Ich hatte nur die zwei großen Sprünge im Kopf – die restliche Strecke habe ich dabei ganz vergessen", sagt Steffi. Sie wählte die falsche Linie, ein Absatz, ein Sacken vorne, ein Hieb von hinten – Steffi landet direkt auf dem ausgestreckten Arm. Rennen vorbei, Notaufnahme. Doch jetzt ist sie hier am Gardasee und muss die Rollen tauschen. Statt Steffi, die Racerin, nun Steffi, die hübsche Markenbotschafterin. Sie schlüpft in ein neues Outfit und schnappt sich den Dampfstrahler. Der Fotograf drückt wie ein Morsefunker auf den Auslöser seiner Kamera. Klick, klick – klick!

Nathan Hughes Steffi Marth beim Fotoshooting für die BIKE-Porträtgeschichte.

Nathan Hughes Schnell und schön: Steffi Marth weiß, wie sie ihr Bike fürs Foto stylisch in den Turn legen muss, ihren Profi-Kolleginnen scheint sie das nicht zu verraten.

Steffi Marth ist Deutschlands schnellste Racerin, im Downhill und beim Fourcross. Doch trotz Medaillienflut und Siegertreppchen scheint in der männerdominierten Mountainbike-Szene nur eines zu zählen: dass Steffi gut aussieht und ein Lebensgefühl ausstrahlt, nach dem sich alle sehnen. Dass sie sich seit Jahren als eine der wenigen Deutschen mit der internationale Race-Elite misst, gerät da oft in Vergessenheit.

Der Drang sich zu messen, erwischte Steffi früh im Leben. Damals traf der Bürgermeister ihres Wohnortes Plessa eine ungewöhnliche Entscheidung, die ihr Leben verändern sollte. Zu dem Zeitpunkt spielte Steffi Handball im Verein, wie die meisten ihrer Freundinnen. Das wäre auch so weitergegangen, hätte sich der Bürgermeister in dem 3000-Seelenort nicht plötzlich für den Bau einer BMX-Strecke entschieden. Eine große Sensation in einem kleinen Dorf. Steffi wollte bald nur noch die Wellen surfen. Sie jagte ihr kleines Rad von morgens bis abends über den Parcours, oft schneller als die Jungs. BMX ist kein Mädchensport, entsprechend irritiert reagierten Steffis Eltern auf die Begeisterung ihrer Tochter. Erst als sie ihr erstes Rennen gewann, nahm Papa Marth das Hobby ernst und reiste von nun an mit zu allen Rennen. Die 12-jährige Steffi stieg fast immer aufs Siegertreppchen – meistens bis ganz nach oben.

Als das Leistungszentrum in Cottbus 2003 mit Blick auf kommende Olympiaden händeringend nach Bahnradsportlerinnen suchte, stießen die Offiziellen beim Durchforsten der Ergebnislisten immer wieder auf einen Namen: Marth, Steffi (Plessa). "Plötzlich galt ich als Olympia-Hoffnung", erinnert sich Steffi. Sie verließ von heute auf morgen die zwölfte Klasse und zog nach Cottbus ins Sportinternat. Steffi trainierte, bis die Oberschenkel nicht mehr in die Jeans passten. Nach Hause fuhr sie nur einmal im Monat.

Nathan Hughes Wer im Downhill-Worldcup bestehen will, muss fit sein und regelmäßig in den Kraftraum.

Es war im Sommer 2006. Fußball-Deutschland träumte gerade ein schwarz, rot, goldenes Sommermärchen. Da stand Steffi in einem miefigen Kraftraum. Sie holte tief Luft, ging in die Knie und wuchtete mit aller Kraft 110 Kilo in die Höhe. Die Adern wölbten sich aus den Schläfen. Es war der Moment, in dem Steffi ahnte, dass es nicht reichen würde. Dass es nichts werden würde mit der Olympiateilnahme in Peking und der großen Radsportkarriere. "Sechs Trainingstage die Woche, drei bis fünf Stunden – alles umsonst", erinnert sich Steffi. Olympia fand ohne sie statt. Aus Frust startete sie mit ihrem 24-Zoll-BMXer samt Starrgabel bei einem Mountainbike-Rennen. Und gewann. Die Disziplin Fourcross lag ihr auf Anhieb, denn sie ähnelt dem BMX-Racing: eine Strecke, mehrere Fahrer, Sprints, Ellenbogeneinsatz. "Es schien so einfach", grinst Steffi.

Trotz massig Rennerfolge verhalf ihr schließlich eine Zufallsbegebenheit zum Profi-Vertrag. Ein Typ namens Daniel Geiger rief bei den Marths an und wollte Steffi sprechen. Geiger, ein Szene-Fotograf, war fasziniert von Steffis natürlicher, fröhlicher Ausstrahlung. "Er wollte mich für den Cyclepassion-Kalender fotografieren. Den Begriff musste ich erst mal googlen", so Steffi. Was sie im Internet herausfand, machte sie erst mal sprachlos. Der Cyclepassion-Kalender war eine Zusammenstellung von softerotischen Sportler-Porträts.

Nach einigem Zögern sagte sie zu. Steffi posierte mit Schmollmund und Schlafzimmerblick vor der Kamera – ihre nackten Brüste bedeckt sie dabei mit zwei Fahrradhelmen. Nach dem Shooting riet ihr der Fotograf, sie solle sich doch mal beim Fahrradhersteller Trek vorstellen. Dort würde nämlich gerade nach hübschen Bikerinnen für ein neues Team gesucht, das den Namen "Gravity Girls" trage.

Nathan Hughes Karrierebeschleuniger: Der Cyclepassion-Kalender hat Steffi Marth bekannt gemacht.

Mit dem Cyclepassion-Kalender unter dem Arm fuhr Steffi zur Eurobike und stellte sich vor. Der PR-Mann war begeistert. Nicht ohne Grund, denn Steffi erobert Herzen auch ohne Bestzeiten. Wo andere argumentieren müssen, reicht Steffi ein Wimpernaufschlag und ein Lächeln, und alle schmelzen dahin.

Ein Kalender-Shooting als Türöffner für eine Karriere als Profi-Bikerin? "Ja, leider", sagt Steffi heute. Viel lieber hätte sie die Mountainbike-Welt als erfolgreiche Racerin erobert. Doch sie wurde das hübsche Gesicht im Bikesport, Miss Gravity, "sexy Steffi". Ihre Leistung als Bikerin schien zweitrangig.

Die Freeride-Szene nahm Steffi dankbar auf. Sex sells. Firmen gieren nach schönen Frauen, die das Lebensgefühl des Freeridens vermitteln können. Ihr Sponsor schickt sie an die schönsten Plätze der Welt. Steffi auf der chinesischen Mauer. Steffi strahlend im Anlieger auf Hawaii. Steffi im schulterfreien Tanktop beim Balanceakt auf Kanadas Northshore-Leitern. Mit Bildern wie diesen landet sie seit Jahren auf Titelseiten und Kalenderbildern. Selbst Fotos werden gedruckt, die Bildredakteure rigoros aussortiert hätten, wäre es ein männlicher Kollege und nicht sie, die da mit einem Lächeln um die Kurve fährt. Auch die Fotografen wissen das. "Auf Bildern von Steffi bleibst du selten sitzen", weiß Fotograf Wolfgang Watzke.

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    Portrait: Profi-Bikerin Steffi Marth
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    Profi-Bikerin Steffi Marth
    Multitalent Steffi Marth: passionierte Profi-Bikerin - Teil 2

Themen: FreeridePortraitProfi-SportSteffi Marth


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