Alison Sydor: „Radsport schien mein Sport zu sein.“ Alison Sydor: „Radsport schien mein Sport zu sein.“ Alison Sydor: „Radsport schien mein Sport zu sein.“

MTB-Legende Alison Sydor im Portrait

Alison Sydor: „Radsport schien mein Sport zu sein.“

  • Björn Scheele
 • Publiziert vor 13 Jahren

Eine steile Radsport-Karriere in Überlänge: Alison Sydor pflügt seit fast 20 Jahren durch den Mountainbike-Sport.

Die französische Nationalhymne schnarrte aus den Lautsprechern als sie ausklickte. Letzte, Alison Sydor hatte sich mit Mühe ins Ziel geschleppt. Keine hundert Meter von ihr entfernt wurde die Französin Catherine Marsal mit Gold behangen. Sydors Lohn war hingegen nur ihr Name in der untersten Zeile der Ergebnisliste der Radweltmeisterschaften 1990 in Utsunomiya, Japan. Sie entschied sich, dass die Straße ein glückloses Pflaster für sie sei. Es wurde Zeit für Veränderung, Zeit fürs Mountainbiken.

Wer Alison Sydors Karriere verstehen will, muss bis in die Siebziger-Jahre zurückschauen. Denn hier spross der Keim der kanadischen Ausnahme-Bikerin, wie ihr Vater Hank erzählt: „Da war dieses Nachbarskind mit einem neuem Rad, das es nicht fahren konnte. Alison schnappte es sich und fuhr einfach davon. Sie hatte in ihrem Leben nie zuvor auf einem Fahrrad gesessen, nicht einmal auf einem Dreirad.“ Aber so verheißungsvoll ihre vermeintlich junge Radkarriere begann, so schnell war sie wieder vergessen. Die heute 42- Jährige stand lieber auf Ski, spielte Eishockey oder machte Leichtathletik. „Ich hatte jede Sportart auf dieser Erde ausprobiert, nur keinen Radsport. Das begann erst in der Uni“, erinnert sich die Kanadierin. Um sich während ihres Bio-Chemie-Studiums fit zu halten, begann sie mit Triathlon. Doch der Dreifach-Sport kostete zu viel Lernzeit. Sie konzentrierte sich nur noch aufs Radfahren und gewann 1987 bei den West-Kanadischen Meisterschaften alle Radwettbewerbe. „Das war unglaublich. Bei allen anderen Sportarten, die ich vorher betrieb, war ich immer nur Zweite oder Dritte. Radsport schien mein Sport zu sein“, sagt Sydor. Kurz darauf nahm der kanadische Verband die damals 20-Jährige in den Nationalkader auf. Fortan filetierte sie ihren Lebensplan in drei Abschnitte: lernen, trainieren, essen und schlafen.

Norbert Eisele-Hein Die Kanadierin Alison Sydor fuhr lange für das Team Volvo Cannondale.

Auf dem Rennrad sammelte sie Siege und holte Worldcup-Punkte. Erst 1991 nach der verpatzten Straßenweltmeisterschaft in Japan konzentrierte sie sich aufs Biken. Nach wenigen Rennen gewann sie ihren ersten Grundig-Worldcup (Chateau d’Oex, Schweiz), parallel häuften sich die Trophäen im Straßensport an. Aber je kometenhafter Sydor Siege sammelte, desto unentschlossener wurde sie. Die nächsten zwei Jahre sollten die Jahre der Selbstfindung werden – Mountainbike oder Straße. Sie entschied sich für den Geländesport. 1993 heuerte sie bei Volvo Cannondale an und wurde Bike-Profi. Von da an schienen die nächsten zehn Jahre stehen geblieben zu sein – zumindest, wenn man auf die Ergebnislisten der Bike-Rennen schaut. Sydors Name stand entweder ganz oben oder mindestens unter den ersten Fünf der Platzierten. Drei Worldcup- und Weltmeister-Titel, eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen und unzählbare weitere Erfolge stehen in ihrem Palmarès. Wenn Sydor an der Startlinie stand, wurde sie automatisch zur Favoritin, zur Frau, die es zu schlagen galt. Ihre Siege waren kein Zufall: Mit Talent und Trainingsfleiß optimierte sie ihren Körper. Selbst mit angeknackster Schulter spulte sie ihre Kilometer runter. Der Ausspruch „Du pedalierst nicht mit der Schulter“, zeugte von ihrem unbändigen Siegeswillen.

Und der gilt bis heute. Selbst mit 42 Jahren mischt die Kanadierin immer noch vorne mit. Zwar fährt sie weniger Worldcup- und Weltmeisterschafts-Rennen, dafür lässt sie woanders die Sektkorken knallen. Erst dieses Jahr heimste sie sich den ersten Platz beim Cape Epic und der JEANTEX BIKE Transalp ein. Wann diese Karriere mit Überlänge endet, ist noch nicht abzusehen.

Unbekannt,BIKE Magazin

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