Mountianbike-Legende Hans Rey im Portrait

Hans "No Way" Rey bestimmte, was fahrbar war

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 12 Jahren

Von der südbadischen Provinz bis ins Oval Office: Kein anderer hat so viel Mountainbike-Geschichte miterlebt und mitgeschrieben wie Hans „No Way“ Rey.

No Way! Hans Rey kann nicht biken? No Way. Aber Ende Februar hat’s den Trial-Trickser und Ur-Freerider abgelegt, und zwar so schwer wie nie zuvor. Beim Training zum legendären Underground-Downhill-Rennen der RADS. Ein unkonzentrierter Absprung, zu weit geflogen, flach gelandet und aus Reflex das Bein ausgestreckt. Die Folge: sieben Stunden Flickschusterei im OP-Saal, Schrauben und Titanplatten in Schienbein und Knöchel. “Ich wollte innerhalb von zwei Tagen rennbereit sein, hatte eine Erkältung im Kopf, war müde vom Flug und hatte kurz vor dem Training eine Anti-Malaria Pille genommen. Die hat mein Feingefühl nicht gerade verbessert. Ich verlor mein Gefühl für Geschwindigkeit und war etwas schneller als geplant.” Und das passiert ausgerechnet ihm: dem Trial-Weltmeister von 1989 und 1990, dem Ex-Worldcup-Downhiller, einem der ganz Großen. Hans Rey, die Legende des Mountainbikens, liegt im Bett und kann nichts tun!

Der Klassiker aus Hans’ Trial-Repertoire: die Statue of Liberty.

Der 42-jährige Südbadener, der zum Schweizer gemacht wurde, lebt seit 1987 in Laguna Beach in Kalifornien. Er war seit Mitte der Achtziger dabei und hat es immer geschafft, vom Biken gut zu leben. In den Neunzigern bestimmte er, was fahrbar ist und was nicht. Denn “there’s no way, man”, war eine Aussage, die man von Hans Rey nie hörte. Für ihn gab’s immer einen Weg. Das, womit Rey den Zuschauern damals den Atem nahm, gehört heute ins Nähkästchen der Freerider und Dirt-Biker. Doch von Hans’ Popularität können seine Nachfolger bis heute nur träumen.

Denn zu seiner Zeit war er der berühmteste Mountainbiker der Welt und er ist es vermutlich heute noch. Er war überall zu sehen: im Fernsehen, auf Festivals und auf Zeitschriften-Cover. Und er zeigte dabei Gespür für die Selbst-Vermarktung und den richtigen Umgang mit den Medien. Ob der Auftritt bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta, Shake-hands mit Präsident Bush Senior oder einer Gastrolle in einer US-Fernsehserie – die Sponsoren kommen ins Bild und danken es ihm mit langjährigen Verträgen. Heute sucht er das Abenteuer weltweit. Irland oder Kuba, die Philippinen, der Mount Kenia. Rey findet immer ein Reisfeld oder ein Kulturdenkmal, durch das er fototauglich trialen kann. Er bereist die Welt mit seinem GT-Bike und fährt dabei Strecken und Passagen, die nur für wenige fahrbar sind. Selbst die geplante Suche nach der Arche Noah am Berg Ararat in der Türkei kann er mit dem Mountainbiken in Verbindung bringen.

1997 traf Hans Rey den ehemaligen US-Präsidenten George Bush.

Hans Rey im Garten seines Hauses in Laguna Beach.

Rey hat sich der ganzen Welt vorgestellt, sodass es kaum einen Biker gibt, der Hans Rey nicht kennt. “No Way” ist eine weltweit erhältliche Marke geworden. Seit einigen Jahren nutzt er seinen Promi-Status für eine neue Plattform. Mit “Wheels4life” hat er ein spendenfinanziertes Projekt mit freiwilligen Mitarbeitern für die Dritte Welt ins Leben gerufen. Das Ziel ist es, bedürftigen Menschen Fahrräder zu kaufen, damit sie zur Schule oder zum Arbeitsplatz fahren können. Denn auch dort soll nicht das Motto “No Way” gelten. Kann so einer ruhig liegen?

Die erzwungene Bewegungslosigkeit nutzt er, um Pläne zu schmieden. Weil auch ein Bike-Promi über die Zukunft nachdenken muss. Doch Hans sieht überall Türen, die sich öffnen. Consulting- Arbeit, Design, Workshops, Testarbeit und mehr. Denn eines ist sicher: Hans Rey als Ruheständler und Bike- Pensionär im Liegestuhl auf einer Terrasse in Laguna Beach? No Way!

Noch immer reist Hans "No Way" Rey mit seinem Bike um die Welt.

Schlagwörter: 40-Jahre-Mountainbiken Hall of Fame Hans Rey Legende Portrait


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