Missy Giove: cool, direkt, gnadenlos Missy Giove: cool, direkt, gnadenlos Missy Giove: cool, direkt, gnadenlos

Mountainbike-Legende Missy Giove

Missy Giove: cool, direkt, gnadenlos

  • Björn Scheele
 • Publiziert vor 15 Jahren

Coolste Frau im Worldcup, Star in der Männerwelt Downhill – und für eine ganze Generation von Bikern der Teenie-Schwarm schlechthin: Missy Giove.

Ihre eigenwillige Startvorbereitung, ihre direkte Art und der gnadenlose Fahrstil machten Missy Giove (* 20. Januar 1972 in New York) zum Star in der Männerwelt Downhill. Von einem Kuss von ihr träumte eine ganze Generation von Bike-Fans. Doch Missy küsste nur ihren Talisman, den sie um den Hals trug – ihren vertrockneten Piranha Gonzo. Das war Teil von Missys Ritual vor dem Rennen: Sie leckte den sandigen Boden ab und stopfte sich ein wenig Asche ihres toten Hundes Ruffin in den BH, bevor sie sich in die Tiefe stürzte.

Missy Giove, das Chamäleon der Downhill-Szene. Nichts an ihr hatte Bestand. Ihre Haare, die Anzahl ihrer Tattoos oder Piercings. Sie wollte nie diese biedere Leistungssportlerin à la Chausson sein, die selten mehr als „Ja“ und „Nein“ zu den Reportern sagte. Missy dagegen redete wie ein Wasserfall und schmiss mit „Fucks“, „Shits“ und „Damns“ nur so um sich. Sie wurde mit Werbeverträgen überschüttet, von Autogrammjägern verfolgt und überall wo sie auftaucht, ist sie noch heute der Mittelpunkt. Missy war ein Star in einem Sport, der bis heute von harten Männern dominiert wird.

Die Geschichte von „the Missile“ begann anders als die vieler ihrer Kollegen. Sie fuhr kein BMX, und Rennradfahren kannte sie, weil Greg Lemond die Tour de France gewann. Ihre Radkarriere fing mit Glückskeksen und Pekingente an – als Fahrradbotin eines China-Restaurants. Tag ein, Tag aus kämpfte sie sich durch den New Yorker Verkehr. Das war ihr erstes Training für einen Sport, von dem sie noch nichts wusste.

Stürze gehören zu Gioves Karriere

Als eine College-Freundin mit ihr wettete, dass sie sich nicht traue, eine Ski-Piste mit dem Bike herunter zu fahren, war das der Startschuss zu einer besonderen Karriere. Missy lieh sich ein Rad und raste bergab. Sie stürzte unzählige Male – und doch hatte sie Feuer gefangen. Nach diesem eisigen Downhill-Erlebnis fuhr sie 1989 ihren ersten Sieg in der Beginnerklasse in Mt. Vermont ein. Missy Giove wusste jetzt, was sie wollte: eine der besten Downhill-Fahrerinnen der Welt werden. Ihr Aufstieg war steil und schnell: Kurz nach ihren ersten Siegen kam der Ritterschlag, als Yeti-Gründer John Parker sie in das Dreamteam aufnahm. Mit nicht mal 20 Jahren konnte sie John Tomac, Miles Rockwell, Jimmy Deaton und Julie Furtado ihre Teamkollegen nennen.

Fünf Jahre nach ihrem ersten Sieg krönte sie ihre Karriere mit lauwarmem Sekt bei den Weltmeisterschaften in Vail/USA. Missys Siegeslauf konnten Zartbesaitete nur mit einem Auge betrachten. Für sie gab es nur ganz oder gar nicht. Stürze gehörten zu Missy wie ihre unzähligen Siege. Fast 40 Knochenbrüche und drei Monate im Rollstuhl sind die ganz eigenen Andenken aus dieser Zeit. Doch ihre Siegesserie fand ein abruptes Ende, als Anne Caroline Chausson den Downhill-Zirkus betrat. In Anne fand Missy ihr Gegenstück – ihren Mr. Hyde. Die beiden wurden zu Konkurrentinnen auch außerhalb der Rennen. Der Höhepunkt der Auseinandersetzung war 1998 das Schlammrennen in Les Gets. Keiner schaffte es, sturzfrei den Kurs zu bewältigen, nicht mal die Maschine Chausson. Im steilsten Stück war Anne dem Schlamm ausgeliefert und rutschte 20 Meter auf der Protektorenhose bergab. Sie stand auf und wollte wieder auf die Strecke, doch der seifenglatte Hügel machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Die Sekunden tickten, aber das Nationalbewusstsein der französischen Fans kochte über. Sie zogen sie hoch, beäugt von unzähligen Fotografen und Fernsehkameras. Im Ziel war Chausson wieder die Siegerin. Die Veranstalter drückten beide Augen zu und disqualifizierten sie nicht. Missy rastete aus und war kurz davor, sich mit ihr zu schlagen, aber es blieb nur bei den üblichen Giove-Beschimpfungen.

Unbekannt,BIKE Magazin Für uns gebührt Missy Giove ein Platz in der MTB Hall of Fame.

2003 beendete Missy Giove ihre glorreiche Karriere. Zwei Weltcup-Gesamtsiege, ein Weltmeistertitel und unzählige Rennsiege krönen ihre Profijahre. Heute arbeitet sie als Vertreterin von X-Biking, einer Art Spinningbike – alles nicht mehr ganz so wild. Aber eines ist sicher: Missy Giove bleibt die schärfste Downhillerin aller Zeiten, auch wenn sie vielen von uns das Herz gebrochen hat.

Themen: DownhillHall of FameMissy Giove


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