Das Training ist erledigt, Edeka auch. Für das Abendessen hat Tim eine Flasche Rotwein gekauft, ”Oberbergener Bassgeige”, schließ lich hat die Rennsaison noch nicht begonnen. Doch der edle Tropfen darf erst mal in Ruhe im Dekantierer nach Luft schnappen. Gleich ist es 17:55 Uhr, Zeit für ”Verbotene Liebe”. Seit einem Trainings-Lager mit der Nationalmannschaft auf Zypern gehört die ARD-Endlos-Schnulze zum festen Tagesprogramm in der WG. Milatz hat sich auf das rote Sofa gelegt, den Kopf auf der Lehne, im Arm ein Kuschelkissen. So schaut er gebannt in die Flimmerkiste, in der ein Gregor eine Sara mit einer Vivaldi-CD zu becircen versucht, worüber sich diese beschwert, weil das ja wohl das absolute ”Vorzeige-Standard-Programm” sei. Dann Schnitt zu einem Paul, der zu seiner Französischlehrerin sagt, dass er sie gerne mal mit ins Schlafzimmer nehmen will. Gute Idee, findet die Lehrerin und macht sich an ihrem Oberteil zu schaffen. Schnitt. Woraufhin Tim ”manno” ruft und mit dem Fuß aufstampft: ”Immer schalten sie weg, wenn es spannend wird." Milatz bestätigt mit einem dreckigen Lacher: ”Genau!” Er selbst ist seit fast einem Jahr solo. ”Es gibt nicht viele Frauen, die diesen Stress mitmachen”, bedauert er. Profi-Sport lasse kaum Raum für andere Dinge. Doch genau deshalb hat er jetzt nebenher ein Elektrotechnik-Studium angefangen. Mathematik in getrockneter Form. Metrische Größen, Flächenmomente. Geistiger Ausgleich, nennt das Milatz. Und damit er nicht ohne etwas dasteht, wenn es mit dem Sport mal nicht mehr läuft. Wie schnell das gehen kann, hat er ja schon mal erlebt. ”Ich grüble zu viel. Wenn ich Gleichungen löse, kann ich abschalten und besser schlafen.” Es ist kurz vor 21 Uhr. Die Bassgeige brummt und im Radio erzählen sie schon zum hundertsten Mal, dass die Bayern Magath rausgeschmissen haben. Da bricht sie doch noch aus Milatz heraus, die Emotion, die er vor fremden Menschen so eisern verbirgt: ”Weißt Du, als Rennfahrer steht man ständig unter Druck. Aber ich genieße das, jeden Tag. So eine geile Zeit werde ich später nie wieder haben. Ob mit Meistertrikot, oder ohne.”







<bold>STECKBRIEF</bold>
<bold>Team:</bold> Multivan Merida

<bold>Alter/Größe/Gewicht:</bold> 24 (Stand 2007)/173 cm/65 kg

<bold>Wohnort:</bold> Freiburg (Kappel)

<bold>Beruf:</bold> Cross-Country-Profi (nebenbei Studium Elektrotechnik)

<bold>Erfolge:</bold> Deutscher Meister 2006, 6. Platz Worldcup Fort William, Sieg Albstadt Marathon, Sieg Black Forest Ultra-Marathon (alles 2006)

<bold>Hobby:</bold> Modelbau, Rechnen

<bold>Traum:</bold> Olympia-Teilnahme 2008 in Peking

<bold>Homepage:</bold> <link follow="no-follow" target="new-window" url="http://www.moritz-milatz.de">www.moritz-milatz.de





(Text: Henri Lesewitz, Fotos: Oliver Soulas)

Das Training ist erledigt, Edeka auch. Für das Abendessen hat Tim eine Flasche Rotwein gekauft, ”Oberbergener Bassgeige”, schließ lich hat die Rennsaison noch nicht begonnen. Doch der edle Tropfen darf erst mal in Ruhe im Dekantierer nach Luft schnappen. Gleich ist es 17:55 Uhr, Zeit für ”Verbotene Liebe”. Seit einem Trainings-Lager mit der Nationalmannschaft auf Zypern gehört die ARD-Endlos-Schnulze zum festen Tagesprogramm in der WG. Milatz hat sich auf das rote Sofa gelegt, den Kopf auf der Lehne, im Arm ein Kuschelkissen. So schaut er gebannt in die Flimmerkiste, in der ein Gregor eine Sara mit einer Vivaldi-CD zu becircen versucht, worüber sich diese beschwert, weil das ja wohl das absolute ”Vorzeige-Standard-Programm” sei. Dann Schnitt zu einem Paul, der zu seiner Französischlehrerin sagt, dass er sie gerne mal mit ins Schlafzimmer nehmen will. Gute Idee, findet die Lehrerin und macht sich an ihrem Oberteil zu schaffen. Schnitt. Woraufhin Tim ”manno” ruft und mit dem Fuß aufstampft: ”Immer schalten sie weg, wenn es spannend wird." Milatz bestätigt mit einem dreckigen Lacher: ”Genau!” Er selbst ist seit fast einem Jahr solo. ”Es gibt nicht viele Frauen, die diesen Stress mitmachen”, bedauert er. Profi-Sport lasse kaum Raum für andere Dinge. Doch genau deshalb hat er jetzt nebenher ein Elektrotechnik-Studium angefangen. Mathematik in getrockneter Form. Metrische Größen, Flächenmomente. Geistiger Ausgleich, nennt das Milatz. Und damit er nicht ohne etwas dasteht, wenn es mit dem Sport mal nicht mehr läuft. Wie schnell das gehen kann, hat er ja schon mal erlebt. ”Ich grüble zu viel. Wenn ich Gleichungen löse, kann ich abschalten und besser schlafen.” Es ist kurz vor 21 Uhr. Die Bassgeige brummt und im Radio erzählen sie schon zum hundertsten Mal, dass die Bayern Magath rausgeschmissen haben. Da bricht sie doch noch aus Milatz heraus, die Emotion, die er vor fremden Menschen so eisern verbirgt: ”Weißt Du, als Rennfahrer steht man ständig unter Druck. Aber ich genieße das, jeden Tag. So eine geile Zeit werde ich später nie wieder haben. Ob mit Meistertrikot, oder ohne.” STECKBRIEF Team: Multivan Merida Alter/Größe/Gewicht: 24 (Stand 2007)/173 cm/65 kg Wohnort: Freiburg (Kappel) Beruf: Cross-Country-Profi (nebenbei Studium Elektrotechnik) Erfolge: Deutscher Meister 2006, 6. Platz Worldcup Fort William, Sieg Albstadt Marathon, Sieg Black Forest Ultra-Marathon (alles 2006) Hobby: Modelbau, Rechnen Traum: Olympia-Teilnahme 2008 in Peking Homepage: www.moritz-milatz.de (Text: Henri Lesewitz, Fotos: Oliver Soulas)