Kappel, sechs Kilometer östlich von Freiburg. Rasenkanten, Deko-Wahnsinn und auf Strom-, Brief- und Zeitungskästen: Reklame verboten! Eine Familiengegend abseits der großen Straßen und Gewerbegebiete, in der Unkraut keine Chance hat. Hier bewohnt Milatz seit zwei Jahren ein winziges Zimmer in einer Wohngemeinschaft, die er zusammen mit Rennfahrerkumpel Tim Böhme und einer Fußballerin vom FC Freiburg teilt. Die Einrichtung im Wohnbereich ist zweckmäßig: ein Esstisch mit gelber Wachstischdecke, ein blaues und ein rotes Sofa, ein Beistelltisch, auf dem sich eselsohrenfreie Focus-Magazine stapeln, davor kleiner Steinzeitfernseher. Die CD-Sammlung ist übersichtlich und besteht zur Hälfte aus gebrannten, den Massengeschmack bedienenden Tonträgern. Best of Bruce Springsteen, 70er-Hitmix, R’n’B-Sampler. An den Wänden Gemütlichkeitsverstärker: ein Bild mit Weintraube, eins mit einem Segelboot, über den Fernseher genagelt ein ungerahmter Monet-Kunstdruck, daneben ein so genannter Jungs- Kalender, auf dem die Miss Januar die entscheidenden Stellen mit Fahrradreifen verdeckt. Links am roten Sofa vorbei geht es ins Zimmer von Milatz, in dem sich im Wesentlichen ein Bett, ein Ikea-Regal und ein Schreibtisch befinden, mehr hingestellt, als eingerichtet. Das Meister-Trikot baumelt neben zahlreichen Autogrammkarten von Sportkollegen an der Wand. Darunter eine Widmung von Manuel Fumic, dem ehemaligen U23-Weltmeister. Ein laminiertes, von einem Bekannten am Computer gestaltetes Collage-Poster zeigt die wichtigsten Stationen der bisherigen Radkarriere.



Die Erste: kaum vier Jahre her. Auf dem Foto von 2003 hetzt Milatz bei seinem ersten Lizenzrennen mit halbnacktem Rücken den Profis hinterher – in einer Hose mit Gummibund statt Trägern. Brutal nervös sei er gewesen und hinterher überglücklich über den einen Worldcup-Punkt, den er für Platz 36 bekam. “Das war die Zeit, als ich mir das erste Mal die Beine glattrasierte. Ich finde das heute noch abartig, dass sich Radfahrer die Beine rasieren”, sagt Milatz. Vor allem aber war es die Zeit, in der das international erfolgreiche “Multivan Merida"-Team auf ihn aufmerksam wurde. Auf den ehemaligen deutschen Vize-Meister im Cross-Lauf, dessen Beine im Frühjahr 2002 plötzlich den Dienst verweigerten und der nun überraschend gut mithalten konnte im Feld der besten Profi-Biker. Seit seinem achten Lebensjahr hatte Milatz Leichtathletik trainiert und es bis in die nationale Spitze geschafft. Bei einem Trainings-Lager im Frühjahr 2002 dann der Schock: Ein höllischer Muskelscherz machte das Laufen von einem Tag auf den anderen unmöglich. Die Ursachensuche der Ärzte blieb ergebnislos. Superschwierig sei es gewesen, das geliebte Laufen aufzugeben. Loszulassen. Sich dem Nichts zu stellen. “Aus Wut fuhr ich dann ein Hobby-Mountainbike-Rennen. Die Jungs sind losgefahren wie die Bekloppten und am ersten Berg eingegangen.” Milatz gewann mit sechs Minuten Vorsprung. 2004 durfte er bereits als Gastfahrer für das Merida-Team starten.

Kappel, sechs Kilometer östlich von Freiburg. Rasenkanten, Deko-Wahnsinn und auf Strom-, Brief- und Zeitungskästen: Reklame verboten! Eine Familiengegend abseits der großen Straßen und Gewerbegebiete, in der Unkraut keine Chance hat. Hier bewohnt Milatz seit zwei Jahren ein winziges Zimmer in einer Wohngemeinschaft, die er zusammen mit Rennfahrerkumpel Tim Böhme und einer Fußballerin vom FC Freiburg teilt. Die Einrichtung im Wohnbereich ist zweckmäßig: ein Esstisch mit gelber Wachstischdecke, ein blaues und ein rotes Sofa, ein Beistelltisch, auf dem sich eselsohrenfreie Focus-Magazine stapeln, davor kleiner Steinzeitfernseher. Die CD-Sammlung ist übersichtlich und besteht zur Hälfte aus gebrannten, den Massengeschmack bedienenden Tonträgern. Best of Bruce Springsteen, 70er-Hitmix, R’n’B-Sampler. An den Wänden Gemütlichkeitsverstärker: ein Bild mit Weintraube, eins mit einem Segelboot, über den Fernseher genagelt ein ungerahmter Monet-Kunstdruck, daneben ein so genannter Jungs- Kalender, auf dem die Miss Januar die entscheidenden Stellen mit Fahrradreifen verdeckt. Links am roten Sofa vorbei geht es ins Zimmer von Milatz, in dem sich im Wesentlichen ein Bett, ein Ikea-Regal und ein Schreibtisch befinden, mehr hingestellt, als eingerichtet. Das Meister-Trikot baumelt neben zahlreichen Autogrammkarten von Sportkollegen an der Wand. Darunter eine Widmung von Manuel Fumic, dem ehemaligen U23-Weltmeister. Ein laminiertes, von einem Bekannten am Computer gestaltetes Collage-Poster zeigt die wichtigsten Stationen der bisherigen Radkarriere. Die Erste: kaum vier Jahre her. Auf dem Foto von 2003 hetzt Milatz bei seinem ersten Lizenzrennen mit halbnacktem Rücken den Profis hinterher – in einer Hose mit Gummibund statt Trägern. Brutal nervös sei er gewesen und hinterher überglücklich über den einen Worldcup-Punkt, den er für Platz 36 bekam. “Das war die Zeit, als ich mir das erste Mal die Beine glattrasierte. Ich finde das heute noch abartig, dass sich Radfahrer die Beine rasieren”, sagt Milatz. Vor allem aber war es die Zeit, in der das international erfolgreiche “Multivan Merida"-Team auf ihn aufmerksam wurde. Auf den ehemaligen deutschen Vize-Meister im Cross-Lauf, dessen Beine im Frühjahr 2002 plötzlich den Dienst verweigerten und der nun überraschend gut mithalten konnte im Feld der besten Profi-Biker. Seit seinem achten Lebensjahr hatte Milatz Leichtathletik trainiert und es bis in die nationale Spitze geschafft. Bei einem Trainings-Lager im Frühjahr 2002 dann der Schock: Ein höllischer Muskelscherz machte das Laufen von einem Tag auf den anderen unmöglich. Die Ursachensuche der Ärzte blieb ergebnislos. Superschwierig sei es gewesen, das geliebte Laufen aufzugeben. Loszulassen. Sich dem Nichts zu stellen. “Aus Wut fuhr ich dann ein Hobby-Mountainbike-Rennen. Die Jungs sind losgefahren wie die Bekloppten und am ersten Berg eingegangen.” Milatz gewann mit sechs Minuten Vorsprung. 2004 durfte er bereits als Gastfahrer für das Merida-Team starten.