Magura HS 33

  • Tomek
 • Publiziert vor 14 Jahren

Sie bremst und bremst und bremst. 1987 stellte Magura das Ur-Modell der „HS 33“ vor. Bis heute ist die hydraulische Felgenbremse ein zuverlässiger Stopper mit vielen Fans.

Er war ein Mann, der nie die Bremse zog. Seine Maxime: „Geschwindigkeit bringt Sicherheit“. Doch Mike Kluge wollte für den Ernstfall gerüstet sein. Dafür wurde er königlich bezahlt. Zwischen seinen bulligen Schultern prangte es Mitte der Neunziger Jahre neongelb. „Mike the Bike“ hatte eine neue Bremse, eine Magura. Die schwäbische Firma hatte das letzte Geld zusammengekratzt, um Kluge die Stopper an den Lenker zu schrauben. Es zahlte sich aus: Mit jedem Zug am Hebel klingelten förmlich die Kassen des Unternehmens. Der Weltruhm der ersten hydraulischen Felgenbremse nahm seinen Lauf.

Die „HS 33“ von heute hat eine lange Geschichte. Wer sie verstehen will, muss 20 Jahre weit zurückblicken. Die Luft wurde damals dünn für das schwäbische Unternehmen Magura. Die großen Zeiten der deutschen Moped-Marken waren vorbei. Kreidler, Hercules und Co. waren out, das Konfirmationsgeld floss nicht mehr in 25 Stundenkilometer schnelle Knatterkisten. Das wurde auch für Magura zum Problem, denn seit 50 Jahren lieferte die Firma Bremsen für diese Auspuffräder. Jetzt war guter Rat teuer. Aus der Not wurde eine Tugend und die Schwaben bewiesen, dass sie „schaffige“ Tüftler sind. Das Motorrad-Knowhow wurde für Fahrräder modifiziert und Ende der Achtziger an Hollandräder geschraubt – damals als sogenannte „ABS-Bremse“. Doch die goldenen Tröge des MTB-Booms gingen an Magura völlig vorbei. Keine der großen Bike-Marken war daran interessiert, eine Hydraulik-Bremse an die Bikes zu schrauben. Hauptsache, es wurden containerweise Bikes verkauft, egal, ob sie was taugten oder nicht.

Doch mit Mike Kluge kam die Wende. Zuerst wurde das Bike-Modell „HS-Mountain“ farblich aufgepeppt. Das schlichte Schwarz wich Neongelb. Dem schlichten Namen „HS Mountain“ wurde noch ein „RACE-LINE“ hinzugefügt. Das klang schnell und Kluge bewies, dass man das damit auch sein konnte. Die Profi-Branche wurde aufmerksam und mit John Tomac kam der Ritterschlag für Magura. Die Bike-Legende fuhr eine „HS“.

Auf die „HS Mountain“ folgte zwei Jahre später die „HS 22“, die noch bissiger und zuverlässiger zupackte. Aber damit war noch nicht Schluss mit der Evolution dieser Bremse. Den Ingenieuren ging es um die Vollendung ihrer Idee. 1995 sah die Bike-Welt auf der Eurobike erstmals die „HS 33“. Ein Dreivierteljahr hatten die Ingenieure getüftelt. Auf den ersten Blick war die neue Bremse nicht mehr als eine natürliche Weiterentwicklung der Ur-Magura aus dem Jahre 1987. Aber ein kleines Stück Metall machte die „HS 33“ zum absoluten Verkaufsschlager: der „Evolution“-Adapter, mit dem man die hydraulische Felgenbremse an den Canti-Sockel schrauben konnte. Damit schien die letzte Kinderkrankheit der Magura-Stopper beseitigt, der nervige An– und Abbau. Nebenbei wurde die Bremse noch auf Diät gesetzt, was sich besonders an den Bremsgriffen bemerkbar machte. Der Nehmerzylinder mit den legendären Bremsbelägen zum Aufklicken ist bis heute aktuell geblieben.

In den vergangenen zehn Jahren entwickelte sich die „HS 33“ gewisser­maßen zur Levi’s „501“ des Bike-Sports. Freerider mögen über die Bremse lächeln – doch die Zahl der Marathon-Fahrer, Globetrotter, Kilometerfresser und Ganzjahres-Biker, die auf den schwäbischen Stopper schwören, steigt. Zeitlos hängt sie an den Rädern dieser Welt und bremst und bremst ... Nur das Entlüften kann eine schmierige Angelegenheit sein –wenn es denn je nötig wird.


(Text: Björn Scheele) 

Für uns gebührt ihm ein Platz in der Hall of Fame.

Themen: BremsenHS 33Magura


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