• Akrobatik im Sattel: Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Jürgen wurde Wolfgang Renner 1964 und 1965 Deutscher Meister im Kunstradfahren. Eine vom Vater vererbte Leidenschaft, mit der Renner im Alter von 18 Jahren schließlich brach. Er stieg auf Querfeldein um. Der Vater zeigte dafür wenig Verständnis. Nach zahlreichen Streiterein zog Wolfgang Renner schließlich aus der elterlichen Wohnung aus, um Querfeldein-Profi zu werden.
  • Vollgas in Schlamm und Staub: Wolfgang Renner schaffte es in die Top-Liga der Radcrosser. Ein Unfall im Porsche beendete jäh die Karriere. Renner versuchte ein Comeback und wurde bei der WM in Prag Dritter. Fast hätte es zum Sieg gereicht, doch zwei Platten warfen ihn zurück. Der Schmerz in der Hüfte, eine Folge des Unfalls, blieb trotz Physiotherapie unerträglich. Entnervt zog Renner schließlich einen Schlussstrich unter seine Radsport-Karriere.
  • Als Wolfgang Renner 1976 über einen Bekannten der Vertrieb von japanischen Komponenten angeboten wurde, griff er zu. Er eröffnete einen deutschen Ableger der Marke Centurion und vertrieb zunächst nur Teile. Ende der Siebziger holte Renner das BMX-Bike nach Deutschland. Er verkaufte nicht nur Material, sondern organisierte und moderierte auch Rennen. Unter dem Pseudonym "Danny Duncan" und vermummt mit Vollvisier-Helm erklärte er im TOUR-Magazin angesagte BMX-Tricks.
  • Auf der damals legendären Bikeshow im kalifornischen Long Beach sah Wolfgang Renner 1980 zum ersten Mal Mountainbikes. Als Freund des Geländeradsports war er völlig fasziniert. Doch die Bikes kamen dem Ex-Rennfahrer viel zu unsportlich vor. Also ließ er bei Centurion einen Rahmen nach eigenen Geometrie-Vorstellungen fertigen. Das 1981 präsentierte "Country" gilt als erstes deutsches Mountainbike. Konifizierter Stahlrahmen, 2 x 6-Schaltung, Cross-Bremsen. Ein Jahr später wurden 300 Stück davon verkauft.
  • Centurion-Chef und nebenbei Reporter beim Rennradmagazin TOUR: Wolfgang Renner gönnte sich in den Achtzigern kaum eine freie Minute. Unter seinem Pseudonym "Dieter Dreizack" erschienen zahlreiche Artikel. Die Bilder schoss er meist selbst. Wolfgang Renner ist bis heute ein passionierter Fotograf. Viele seiner Reisen hat er in 3D fotografiert.
  • Die Mountainbike-Tour von Lhasa nach Kathmandu zählt für Wolfgang Renner auch heute noch zu den Highlights seiner regen Reisetätigkeit. Nach dem Himalaya-Abenteuer wurde 1987 sogar ein Centurion-Sondermodell benannt – "Lhasa-Kathmandu" (Foto).
  • Ein großer Tag für den Centurion-Versand: 1987 unterzeichnen Wolfgang Renner und Eddy Merckx einen Importeursvertrag. Die Räder des fünffachen Tour-de-France-Gewinners sind in der Rennrad-Szene Kult und werden nun von Magstadt aus unters Volk gebracht.
  • Wolfgang Renner hat das erste deutsche MTB entwickelt. Er hat die erste Deutsche Meisterschaft im Mountainbiken organisiert. Er hat zusammen mit Andi Heckmair als erster Biker die Alpen überquert. Und er war neben Andi Heckmair und Hans Berger der erste Deutsche, der am sagenumwobenen Idita-Rennen in Alaska teilnahm. Der knapp 300 Kilometer lange Ausdauer-Irrsinn wurde schließlich vom Veranstalter abgebrochen, nachdem die Temperaturen mit Minus 40 Grad lebensgefährlich geworden waren. "Der Klügere gibt auf", titelte Renner bei seinem TOUR-Artikel, den er nach dem Rennen verfasste.
  • Wann immer es die Zeit zulässt, schwingt sich Wolfgang Renner (li.) zusammen mit Radkumpels in den Sattel. Dieses Bild entstand bei einer Toskana-Tour in den Achtzigern. Mit dabei: Eddy Merckx (2. v. li.) und Rallye-Ass Walter Röhrl (Mitte).
  • Mitte der Neunziger dominierten noch Hardtails den MTB-Markt. Fullys galten bei Tourenfahrern als schwer, defektanfällig und kraftsaugend. Mit dem "No Pogo" präsentierte Centurion ein Bike, dass sensibel Unebenheiten wegpufferte, aber gleichzeitig jede Kurbelbewegung in Vortrieb umsetzte. Der bei Fullys so berüchtigte "Pedalrückschlag" war endlich eliminiert. Ein techischer Meilenstein. Das BIKE-Magazin kürte das No Pogo 1996 zum Bike des Jahres.
  • Die Idee von BIKE-Herausgeber Uli Stanciu klang verrückt: Ein Rennen über die Alpen, acht Etappen, Zweier-Teams. Für Wolfgang Renner eine klare Sache, dass er dabei sein würde. Im Juli 1998 hechelte er bei der ersten BIKE Transalp Challenge zusammen im Team mit Uli Rottler zusammen mit 600 anderen Wahnsinnigen über die Alpen. Am Ende reichte es für Platz zwei in der Masters-Kategorie – hinter Gary Fisher und Jim Gentis. Das Sektfoto vom Ziel in Riva hat Fisher später Renner geschenkt (im Bild rechts) und signiert.
  • Als Chef von Centurion ist Wolfgang Renner 12-Stunden-Arbeitstage gewohnt. Dennoch schwingt er sich so oft es geht in den Sattel, um sich fit zu halten. Bei der Merida Challenge fuhr er 2005 auf Platz drei. Ganz oben auf dem Podest stand damals Cross-Country-Ass José Hermida, der im Jahr zuvor immerhin Olympisches Silber gewonnen hatte. Ganz vorne im Bild: Merida-Inhaber Michael Tseng.
  • Im Frühjahr 2006 feierte Centurion 30. Markenjubiläum. Die Firma war inzwischen auf knapp 100 Mitarbeiter angewachsen. Aus Anlass des Jubiläums wurde ein schneeweißes Sondermodell aufgelegt. Renner selbst gönnte sich in seiner bodenständigen, schwäbischen Art lediglich einen neuen Schreibtisch für sein Büro (siehe Foto).
  • Ein großer Tag! José Hermida wird 2010 in Mont-Sainte-Anne Cross-Country-Weltmeister. Wolfgang Renner freut sich mit ihm. Schließlich ist Renner indirekt auch der Chef des Teams. Seit einem Joint-Venture-Vertrag vertreibt Centurion nicht nur die Bikes von Taiwans Zweiradriesen Merida, sondern entwickelt die Modelle auch. Das Merida-Worldcup-Team mit José Hermida und Gunn-Rita Dahle Flesja wird ebenfalls von Magstadt aus gesteuert.
  • Nach wie vor ein wichtiger Firmen-Eckpfeiler: Der Vertrieb von Zubehörmarken. Zu den großen Namen im Sortiment gehören zum Beispiel Answer, DT Swiss, FSA, Hayes, Sidi und Procraft.
  • Ein kleines Ründchen mit dem Ur-Centurion zum 40. Firmenjubiläum: Wolfgang Renner kurbelt trotz Minusgraden über die Trails. Das "Country" fährt sich aus heutiger Sicht etwas holperig, beeindruckt aber noch immer mit einer quirligen Geometrie. Die Race-Schuhe, die Renner trägt, passen nicht so wirklich zu den Bärentatzen-Pedalen. "Aber ich fahre doch nicht in Turnschuhen", grinst Renner.
  • Leicht, edel, rassig, schnell: Das auf 140 Stück limitierte Sondermodell "Backfire Carbon Edition.40" trägt die typischen Centurion-Gene in sich und giert nach der Rennstrecke. Ausgestattet mit Shimanos XTR Di2 und Rock Shox RS1-Gabel wiegt es 9,3 Kilo. Der Preis: 4999 Euro. www.centurion.de
  • Jubiläum: Wolfgang Renner und 40 Jahre Centurion
  • Im Bann des Schotters: Das erste Centurion konstruierte Wolfgang Renner, weil er endlich mal ohne Platten durch das Karwendel-Gebirge fahren wollte. Seine Abenteuer fotografiert Renner gerne in 3D für Dia-Shows.
  • Auf die harte Tour: Beschwingt von Jubiläumslaune hat sich Wolfgang Renner mal wieder auf das Centurion Nummer eins geschwungen. Als er nach zwei Stunden zurück in die Firma rollt, ist er gut durchgeschüttelt.
  • 1981: Das Ur-Centurion namens "Country" hatte zwölf Gänge und einen Rahmen aus Stahl. 
  • 2016: Das 40-Jahre-Sondermodell besteht fast vollständig aus Carbon. Gewicht: 9,3 Kilo. 
  • Farbmuster der nächsten Centurion-Kollektion.