Hans Rey Garage Laguna Beach Hans Rey Garage Laguna Beach

Hans Rey über Beginn der Bike-Stunts

Hans Rey: „Hysterie wie bei den Beatles.“

Hans Rey am 27.06.2007

Vom Trialer aus Emmendingen zum Bikestar in Amerika: Hans Rey erlebte den ganz großen Aufstieg des Bike-Sports und gilt als Freeride-Pionier.

Obwohl ich schon seit 1978 Fahrrad-Trialer bin, habe ich mit dem Mountainbiken erst neun Jahre später angefangen, 1987. Damals flog ich in die USA. Ich landete im Herzen von Süd Kalifornien, einer der drei Hauptregionen, neben Nord Kalifornien und Colorado, in denen der Bike- Boom ge rade an -fing, sich so richtig zu entfalten. Und der von dort aus in Kürze die ganze Welt erobern würde. Mein Schicksal brachte mich direkt zu den legendären „Laguna Rads“, einem Underground-Mountainbike-Club im Örtchen Laguna Beach. Die Jungs galten damals als die Haudegen der Szene und treffen sich heute immer noch jeden Mittwoch zur Ausfahrt. Mittlerweile wurden sie sogar als die Original-Freerider gekürt. Die Rads lebten Freeride, lange bevor der Begriff überhaupt erfunden wurde. Sie fuhren aus Leidenschaft, liebten extreme Downhills und saßen nach der Tour am Lagerfeuer zusammen. Der Funke sprang sofort auf mich über.

Durch die Rads wurde ich zum Biker. Obwohl ich bis dahin lediglich mit einem 20-Zöller getrialt bin, stieg ich aufs Mountainbike um. Der Erfolg kam blitzartig. Ich profitierte enorm von der Fahrtechnik, die ich mir beim Trialen angeeignet hatte. Zu dieser Zeit entstand auch mein Spitzname „No Way“. Anders als die Zuschauer beim Trial hatten die Leute beim Mountainbiken einen ganz persönlichen Bezug zum Sportgerät. Sie wussten, wie schwer es war, nur einen Randstein hochzuspringen. Als sie mich sahen, wie ich meterhohe Hindernisse bewältigte, wurde ich sofort akzeptiert. So etwas war völlig neu für sie. Damals gab es nämlich noch die sogenannten „Stage Races“, wo jeder Fahrer die Disziplinen Cross Country, Downhill und Trial auf dem gleichen Bike bewältigen musste. Bald darauf fingen allerdings zahlreiche Fahrer an, sich auf die eine oder andere Disziplin zu konzentrieren. Es entstanden auch die ersten Bikes, die nur für Downhill, Trial oder Cross Country geeignet waren. Plötzlich brauchte man mehrere Räder, statt eins für alles.

Hall of Fame Hans No Way Rey

Der Klassiker aus Hans’ Trial-Repertoire: die Statue of Liberty.

In Amerika machte ich mir schnell einen Namen. Ich fand Sponsoren und lebte gut vom Sport. Als der Boom dann Anfang der Neunziger über den Atlantik schwappte, kannten mich in Europa noch nicht sehr viele Leute. Einer der ersten Europäer, die auf mich aufmerksam wurden, war Uli Stanciu, damals der Chefredakteur der BIKE. Er hatte die Idee, eine große Fahrtechnik- Serie mit mir für das Heft zu produzieren, die anschließend auch in Buchform veröffentlicht werden sollte. Es gab offenbar einen großen Bedarf an Fahrtechnik-Tipps bei den Lesern. Das musste ich mir nicht zweimal über legen. Zusammen mit Redakteur Thomas Rögner stellte ich dann aber ziemlich bald fest, dass es wesentlich einfacher war einen Bunnyhop zu springen, als ihn zu erklären. Nach intensiver Analyse und einigen spektakulären Photoshoots mit dem damaligen Starfotografen Heinz Endler, entstand das „No Way – Bike Trial & Tricks“-Buch – mit Basics für jedermann und mit klassischen Tricks der frühen Neunziger wie die Statue of Liberty oder Nosewheelie. Das Buch wird heute noch verkauft und war für viele Bibel und Tor zum Mountainbike-Sport.

Gleichzeitig produzierte mein Sponsor GT mit dem Action-Video „Hans No Way Rey“ den ersten Film seiner Art. Bis dahin gab es nur langweilige Race-Videos, in denen die Fahrer von links nach rechts und von rechts nach links keuchten. In diesen Jahren wurde ich für etliche Trial-Shows zu allen möglichen Anlässen gebucht – Weltmeisterschaften, Messen und alle großen Bike-Events. Die Szene in Deutschland wuchs gewaltig. Es war das Zeitalter der farbig eloxierten Teile. Die Leute waren im wahrsten Sinne des Wortes fanatisch nach allem, was mit Mountainbiken zu tun hatte. Bei Autogrammstunden ging es zum Teil hysterisch zu wie auf einem Beatles-Konzert. In dieser Zeit entstanden dann auch die großen „Factory Teams“, deren Größe und Status bis zum heutigen Tag nicht mehr erreicht wurde.

Hans Rey am 27.06.2007
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