Geschichte Fat Tire Flyer

Fat Tire Flyer: Mutter aller Bike-Zeitschriften

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 12 Jahren

Die Mutter aller Bike-Zeitschriften flatterte 1980 aus einem Schwarzweiß-Kopierer – der Fat Tire Flyer widmete sich als erster dem neuen Lebensgefühl der Mountainbiker.

Die Ewigkeit endete bei 800. 800 Mal summte der Kopierer vor Charles Kellys Augen hin und her. Immer wieder drücken und warten, bis die Maschine die Seiten ausspuckte. Kelly war auf einer Mission, von der er keine Ahnung hatte. Er sollte das erste Mountainbike-Magazin der Welt erschaffen – den Fat Tire Flyer.

Wenn sich Charles Kelly an die Entstehung des Fat Tire Flyer erinnert, findet er nur ein Wort – Zufall. Eben erst war der Marin County Wilderness Wheelers Club gegründet worden, der sich um die Belange der Biker kümmern wollte. Um den Club und sein Vorhaben publik zu machen, sollte es jetzt einen Newsletter geben. Kelly, der einzige mit etwas journalistischer Erfahrung, wurde als Schreiber auserkoren. Nur bei der Namensfindung des Blattes hakte es noch ein wenig: Marin County Wilderness Wheelers Newsletter – ein Ungetüm. Denise Caramagno, Kellys damalige Freundin, nahm sich der Sache an und entwickelte den Titel – Fat Tire Flyer.

So sah das Cover des ersten Fat Tire Flyer im Jahr 1980 aus.

8 Seiten dünn: der erste Fat Tire Flyer 1980

Charles Kelly, der schon zusammen mit Gary Fisher und Konsorten das Bike erfand, tippte im September 1980 den ersten Flyer – wie damals üblich komplett auf der Schreibmaschine. Das Layout versuchte er mit Handzeichnungen aufzupeppen, den Rest erledigten Schere und Kleber. Beim Druck ging es laienhaft zu: Er beschränkte sich auf einen Schwarzweiß-Kopierer, der 100 Ausgaben aus dem Toner quetschte. Viel stand nicht in dem acht Seiten dünnen Heftchen: Es wurde kurz vorgestellt, die Interessen des Clubs mitgeteilt und berichtet, dass der Repack-Downhill-Kurs in einem schlechten Zustand sei. Zusätzlich wurden freiwillige Helfer für den Flyer gesucht.

Doch aus dem ersten Blättchen sollte mehr werden. Ein Jahr nach der ersten Ausgabe, die Marin County Wilderness Wheelers hatten sich bereits aufgelöst, gingen Kelly und Caramagno professioneller zur Sache. Mit Rechnern und einer Druckerei wuchs der Fat Tire Flyer. Statt der Handzeichnungen platzierten die Blattmacher jetzt Fotos im Magazin. Jahr für Jahr wurde der Flyer dicker. Wirklich reich wurden Kelly und Caramagno aber nie dabei. Im Gegenteil, jede Ausgabe war ein finanzieller Balance-Akt, der die Beziehung von Kelly und Caramagno entzweite. 1985 trennten sich die beiden, sowohl geschäftlich als auch privat. Die kommenden zwei Jahre versuchte Charles Kelly, das Blatt mit einem angestellten Grafiker zu meistern. Doch die beiden lähmten sich in der Produktion, während im Hintergrund die großen Verlage den Braten rochen. 1987 bekam der Flyer von mehreren Bike-Zeitschriften Konkurrenz und konnte diesen professionellen Druck erzeugnissen nicht standhalten. Im gleichen Jahr wurde das Heft eingestampf. Kelly wechselte zu einem der Blätter und arbeitete als Redakteur weiter.

Zwei Seiten aus den ersten beiden Ausgaben des Fat Tire Flyer aus dem Jahr 1980.

Bis heute kann Kelly sein altes Magazin nicht ernst nehmen. Für ihn sah der Flyer nie wie ein seriöses Blatt aus. Wer sich Ausgaben genauer anschaut, merkt, was Kelly damit meint. Immer wieder tauchen Witze über den Bike-Sport an sich auf und die Texte blähte Kelly mit Füllworten auf. “Wir hatte teilweise nichts zu schreiben, da musste ich mit Worten anbauen”, sagt er. Doch auch wenn der Fat Tire Flyer redaktionell kein Sahnestück war, so dokumentiert er die Bike-Anfänge wie kein anderes Bike-Heft. Kelly hat inzwischen die verstaubten Zeitschriften in seinem Keller wiederentdeckt und verschachert den Fat Tire Flyer im Internet.

2014 veröffentlichte Charly Kelly sein Buch "Fat Tire Flyer", in dem ert die Anfänge des Mountainbikens beschreibt. Mit Beschreibungen aus erster Hand, Zeichnungen und Originalfotos erzählt Kelly die Geburtsstunde des Mountainbikens nach. Erschienen ist das Buch im Velopress-Verlag, das Vorwort des 264 Seiten dicken Buchs hat Jeo Breeze geschrieben. ISBN: 978-1937715168. Preis: 25 Euro bei Amazon.

Themen: 40-Jahre-MountainbikenHistoryKalifornienMagazinMountainbike


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