George Edwards

  • Tomek
 • Publiziert vor 14 Jahren

Seit über 20 Jahren geht es für ihn nur bergab: Mit seinen Megavalanche-Rennen wurde George Edwards zum Mentor der europäischen Downhill-Szene.

Im Herbst 1997 war von tropischer Idylle auf einmal nichts mehr zu spüren. In der Ferne drohte ein Zyklon und die Nerven von George Edwards (52) lagen blank. Ein Jahr Planung für das Megavalanche-Rennen auf La Réunion drohte, in die Luft gewirbelt zu werden: George hatte die Rechnung ohne die Naturgewalten gemacht. In Edwards’ Kopf spielten sich Horrorszenarien ab; peitschendes Wasser, entwurzelte Palmen und mittendrin hunderte Downhiller. Edwards startete das Rennen trotzdem – drei Stunden vor Ankunft des Sturms. Mit dem Unwetter im Nacken schossen die Fahrer dem Ziel entgegen und schickten ein Stoßgebet nach dem anderen in den Himmel. Sie wurden erhört: Erst, als der letzte Fahrer im Ziel war, brach der Sturm los.

George Edwards gilt als der Urvater des europäischen Downhill-Sports. Der in Cannes geboren Bike-Pionier fuhr jahrelang als Motocross-Profi durch die Welt, dreimal war er französischer Meister. Doch Ende der Siebziger hatte er genug von knatternden Viertaktern, sein Herz schlug nicht mehr im Takt der Motoren. Er hatte etwas Neues entdeckt: das Mountainbike. Anfang der 80er Jahre stieß Edwards auf diesen wunderbaren fahrbaren Untersatz. Erst war es lediglich ein Trainingsgerät, mit dem er Fitness und Technik verbessern wollte. Doch aus der Zweckbeziehung entwickelte sich bald mehr. Auf kleinen Downhill-Passagen erkannte Edwards das Potential der unmotorisierten Bikes. Kurz darauf ging es bergab mit ihm. 1988 veranstaltete er sein erstes Bike-Rennen „Transvesubienne“, parallel zu einer Motocross-Veranstaltung. Das Bike kam an. Ein Jahr später begann der damals 34-Jährige, für die UCI Downhill-Rennen zu managen. Auch der Kurs der WM in Métabief stammte von ihm. George Edwards wurde zum Begründer des europäischen Downhill-Sports.

Doch Edwards ging es nicht nur um den Profi-Sport, um Bestzeiten und Regelbücher – bei seinen Rennen war immer auch der Spaß am Abenteuer wichtig. 1994 hatte der französische Verband genug von Georges abgründigen Veranstaltungen und setzte ihn auf die Straße. Befreit von den Zwängen des Verbandes startete er die Avalanche-Cup-Serie. Bei seinem ersten Downhill-Rennen in Bourboule standen 160 Fahrer am Start. Unter ihnen auch der französische Dauerbrenner Nicolas Vouilloz sowie Jürgen Beneke, Deutschlands Downhiller der ersten Stunde. Das Konzept schlug ein. Die Mixtur aus Abenteuer und Sportveranstaltung fand schnell Anhänger. Nur ein Jahr später ließ Edwards in Alp d’Huez und auf der Trauminsel Réunion starten: Der Megavalanche war geboren.

Die Strecken, der Massenstart und die Mischung aus Profis und Jedermännern machten aus der kleinen Rennserie ein Mega-Event. Zum ersten Mal bekamen die Biker eine Ahnung davon, was später als Freeride ein neuer Trend werden sollte. Bald darauf gab es in Peru ein weiteres Rennen. Edwards’ Ziel: eine weltweite Avalanche-Serie.

Am norditalienischen Lago Maggiore will George Edwards im nächsten Jahr auch den Bikern aus Mittel- und Nord-Europa den Avalanche-Spirit einhauchen. Außerdem gibt es 2007 ein Rennen im japanischen Ozawa, ein Jahr später soll ein weiterer weißer Fleck auf Edwards’ Landkarte gelöscht werden. Dann will er im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sein Glück versuchen. Edwards’ Zukunft sieht wahrlich rosig aus – auch wenn es in seinem Metier nur bergab geht.


(Text: Björn Scheele)

Für uns gebührt ihm ein Platz in der Hall of Fame.


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