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Eurobike 2018: Henri Lesewitz' Blog

Lesewitz-Blog I: Henri im Eurobike-Getümmel

Henri Lesewitz am 09.07.2018

Ob bärtige Typen, MTB-Teile mit Bling-Bling-Faktor oder Mountainbikes mit dem gewissen Etwas: Henri Lesewitz streift über die Eurobike 2018 und berichtet aus dem Messe-Getümmel.

Hallo Freunde, der Strudel der Besucher-Massen hat mich noch gar nicht richtig in die heiligen Eurobike-Hallen hineingesaugt. Doch ein erstes Fazit lässt sich bereits jetzt verkünden. Es ist die heißeste Eurobike-Messe ever. 22 Grad zeigt das Thermometer, dabei ist es nicht mal 9:00 Uhr. Ein historischer Spitzenwert. Für treue Stammbesucher wie mich fühlt es sich an, als hätte es eine Erdkrustenverschiebung gegeben, in deren Folge sich Friedrichshafen nun da befindet, wo bis vor kurzem noch Bogotá war. Doch keine Panik. Friedrichshafen befindet sich immer noch am liebreizenden Bodensee. Es gab natürlich keine Erdkrusten-, sondern eine Termin-Verschiebung. Die größte Neuheiten-Show der Fahrradwelt wird dieses Jahr zwei Monate früher als sonst zelebriert. Über die genauen Gründe wird innerhalb der Branche viel gerätselt und auch die Entscheidung, den Publikumstag zu streichen, wirft einige Fragen auf. Es ist wie ein zu früh gefeierter Geburtstag, bei dem zu allem Überfluss auch noch die Gäste ausgeladen worden. Das haben nun offenbar auch die Entscheidungsträger erkannt. 2019 soll es – neuesten Informationen zufolge jedenfalls – wieder einen Publikumstag geben. Eine sehr gute Nachricht, wie ich finde. So, dann werfe mich jetzt mal ins Getümmel, um in feinster Reportermanier Neuem und Interessantem hinterherzujagen.

Henri Lesewitz BIKE Reporter Eurobike

BIKE-Reporter Henri Lesewitz berichtet in seinem Online-Blog von der Eurobike 2018.

Ach Du Schreck, habe ich mich doch im Termin geirrt? Bin ich hier etwa auf einer Messe für Motorsport-Freunde ohne Führerschein gelandet, statt auf der Fahrrad-Messe Eurobike? Überall Mopeds! Überall surren und sausen sie rum mit ihren elektroforcierten "Feuerstühlen". Das Teil hier auf dem Foto sei ein "Urban City-Cruiser", werde ich von einem freundlichen Messebesucher aufgeklärt, der meinen irritierten Blick bemerkt hat. Minuten später werde ich einer noch viel krasseren Ausstülpung des "E-Bike-Trends" ansichtig, deren Foto ich meiner sensiblen Leserschaft jedoch ersparen will. Zu groß wäre der Schock. "Düsenspeed – Bike in a new Dimension!", lässt der Werbeslogan das Ausmaß des Irrsinns erahnen. 100 Km/h Top-Speed! 200 Kilometer Reichweite! Einfach so, durch locker-fluffiges Kurbelantippen. Meine Top-Drei der besten E-Bike-Namen, die ich allein in den ersten Minuten meines Messerundgangs erspäht habe:
Platz 1: Düsenspeed
Platz 2: Wisper
Platz 3: Overfly
 

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Habe mich der Einfachheit halber entschlossen, ins durchnummerierte Ensemble der Ausstellungshallen in Halle A1 einzusteigen. Bin mir allerdings nicht sicher, ob die Halle auch zur Eurobike gehört, oder ob es sich um die möglicherweise parallel stattfindende Internationale Funkausstellung, kurz IFA, handelt. Nahezu alle Stände preisen Kabelbäume, Akku-Packs, Ladegeräte, Leiterplatten, Elektrospulen, Motoren und "Software-Lösungen" an. Will gerade gähnend in Halle B1 wechseln, als eine Vitrine mit Lampen meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Kleine, quietschbunte Funzeln in Form von frivol geschürzten, bitchigen Lippen. Der Stand-Betreiber bietet mir in lustigem China-Englisch an, den Europa-Vertrieb zu übernehmen. Habe ich zumindest so verstanden. Ich teile ihm mit, dass ich mir das überlegen werde. Okay, schon klar: Die Meldung hat wenig Potenzial, um verfilmt zu werden. Aber wenn man bei der Feierabend-Runde mal ins Schummerlicht kommt, ist man froh um solch eine Luder-Lampe. Und ich bin froh, endlich ein erstes echtes Fahrradteil ohne irgendeine Konnektivität zu Motoren gefunden zu haben. Puh. Ab in Halle B1.

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Stehe seit Minuten am Stand von "Recon" und grüble, was zum Teufel das für ein Teil sein soll, das da auf der Glastheke liegt. Der ausstellende Chinese will mich aufklären doch ich winke energisch ab. Nein, nein, nein, ich will da selber drauf kommen! Eine Drohne? Eine Ellenbogenstütze? Irgendein Zubehör für Sportschützen? Ach Gott, nee, ich komme nicht drauf. Ich atme resigniert aus, das ist das Zeichen für den Chinesen. Hoch motiviert schnellt er auf mich zu, hält mir sein Smartphone vor die Nase und startet den PR-Film. Herrlich! Da wäre ich nie drauf gekommen. Das Teil, das aussieht wie die Seemöven-Skulptur eines zu Abstraktheit neigenden Künstlers, ist ein Sattel. Die "Balls" würden damit geschont, weil sie frei hingen, informiert der Chinese. Zudem sei die Kraftentfaltung in den Beinen besser. Das Teil soll um die 150 Euro kosten. 

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Es ist nun wirklich nicht so, dass Cube, Giant, Canyon, Specialized und Co. nicht interessantes Neues zu bieten hätten. Doch alle Genannten plus diverse Weitere sind leider nicht auf der Eurobike-Messe vertreten. Immer mehr Firmen setzen auf Hausmessen, was die Dichte der Hochkaräter in Friedrichshafen sichtlich dezimiert hat. Die relevanten Modelle für 2019 sind eh längst bekannt. Seit Frühjahr berichten meine Technik-Kollegen bereits von Präsentationen und Neuheiten-Vorstellungen. Deshalb werde ich mein Augenmerk eher auf die spezielleren Exponate richten. Der Stand von Trickstuff ist bekanntermaßen ein zuverlässiger Quell innovativer, praktischer Teile. Und tatsächlich gibt es da so einiges. Eine Hardcore-Version der legendären Power-Bremse Direttissima für ungetrübten Downhill-Renneinsatz beispielsweise, oder einen Carbon-Hebel für den Leichtbau-Cousin Piccola. Mein Fotoverlangen aber weckt das Showbike am Stand. Das heißt Grave Digger (wie die 80er-Jahre Heavy-Metal-Haudegen) und ist eine Leistungsschau der Tuning-Kunst. Erschaffen hat es Tony Keller, dessen Firma Keller Customs darauf spezialisiert ist, die Wünsche von besonders anspruchsvollen Kunden umzusetzen.

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Grave Digger heißt Totengräber, doch das muss man bei dieser Grafik eigentlich nicht erwähnen. Das ganze Bike ist mit Totenköpfen verziert. Alles per Transferdruck aufgebracht. Auf die Kurbeln, die Felgen, die Stütze, den Lenker, die Fox und natürlich auch auf den Rahmen.

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Spricht man Tony Keller auf das Projekt an, wischt er sich dramatisierend den virtuellen Schweiß von der Stirn. "Ein Mammut-Projekt", stöhnt er, um sogleich so stolz zu lächeln, wie es sonst nur Väter tun, wenn sie ihrem Stammhalter durch die Haare wuscheln. 

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Damit beim Grave Digger auch das kleinste Detail passt, hat Tony sogar das Sram-Schaltwerk umeloxieren lassen. Irre!

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Auch das Cockpit fügt sich symbiotisch ins Bild. Ach ja, Basis des Projekts war übrigens ein Xiamen Xmiplay-Rahmen, so ein Preis/Leistungs-günstiges Teil "Made in China", wie man es – mit anderem Logo versehen – im Sortiment zahlreicher Günstig-Marken findet.

Wenn ich gefragt werden würde, wie viele Bikes ich mir bisher so aufgebaut habe, dann müsste ich nicht lange überlegen. So ziemlich alle, lautet die Antwort. Es soll ja Leute geben, für die Bikes Gebrauchsgegenstände sind, so wie Turnschuhe oder Kühlschränke. Für mich sind sie mehr. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass mein Bike gar kein Bike ist, sondern ein Körperteil. Okay, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen reißerisch. Aber ein Stück weit ist es so. Da bin ich nicht allein, wie Alex Clauss von der Stahl-Manufaktur Portus bestätigt. Der Pforzheimer schneidert seiner anspruchsvollen Kundschaft mit fetischistischer Hingabe Rahmen auf den Leib. Nun hat er sich selbst ein Bike gegönnt. Und was für eins! Weil die Region Pforzheim zu den besonders sturmgepeitschten Gegenden Deutschlands zählt, hat er sich ein Trailbau-Bike mit umfangreicher Sonderausstattung gebaut. Kettensäge und Axt sind natürlich an Board. Und natürlich noch einiges mehr.

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Für den kleinen Koffeinkick zwischendurch hat Alex eine Café-Bar aus einem alten DDR-Benzinkanister gebastelt. Die Werkzeug-Kiste auf dem Heck ist ein getarnter Grill. Und wenn es mal ein Würstchen zu viel ist, hält der Rahmen eine Flasche Kräuterschnaps zur Magenberuhigung bereit.

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Schönes Symbol: Das aufgelötete Doppelherz stellt laut Alex die herzliche Beziehung zwischen Rahmenbauer und Kunden dar. 

War ja klar: Jetzt spüre ich doch gleich wieder die Flammen der Tuning-Lust in mir lodern. Aus diesem aktuellen Anlass möchte ich auf ein Produkt hinweisen, dass ich bei einer "Innovation of the Year"-Wahl ohne Zögern in die Top Five wählen würde: "Spray.Bike", eine Art aussprühbare Pulverbeschichtung, mit der man sich so richtig kreativ austoben kann. Tropft nicht, trocknet schnell und kriecht in kleinste Ecken wie beispielsweise in die von Scheibenbremsen-Aufnahmen. Vor ein paar Monaten bin ich beim Surfen im Internet drauf gekommen. Ich konnte den Anblick meines zu Marathon-Zwecken aufgebauten Großserien-Rahmens nicht mehr ertragen. "Halt, stopp!", höre ich es aus den Reihen der aufmerksamen Leser rufen: "Eben hieß es doch, der Autor würde ausschließlich Custom-Bikes sein eigen nennen!" Stimmt, entgegne ich. Doch diesen einen Rahmen, diesen aus Carbon, hatte ich im Zuge einer finanziellen Gelegenheit ausnahmsweise einfach mal so gekauft. Jedenfalls: Mir war nach Umgestaltung.

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An einem sonnigen Samstag legte ich los. Ich sprühte den Rahmen mit den vier bestellten Neonfarben an. Kosten Pro Flasche: 14,90 Euro. Es war wirklich erstaunlich, wie gut die Farben deckten. Am Rahmen selbst war – bis auf eine akribische Reinigung – keinerlei Vorbehandlung nötig. Kein Strahlen, kein Abschleifen, nichts. Mit Cutter und Klebeband bastelte ich gleich noch einen neuen Schriftzug: Yeah! Sollte ich irgendwann einmal von der Journalisten-Riege in die Zunft der Rahmenbauer wechseln, dann wäre das mein Markenname – Yeah Cycles.

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Flutwellen von Glück und Stolz durchwallten mich, als das Werk vollbracht war. Man kann sich den Schrecken vorstellen, den ich bekam, als mir mein Sechsjähriger das Auto zeigte, das er in meiner Abwesenheit mit einem herumliegenden Lackstift auf den Rahmen gekrakelt hatte.
"Das kann in den Weltraum fliegen, weil es Lava getankt hat", erklärte er stolz, während der kurze Schock auch schon knisternder Euphorie wich. Das sah ja noch cooler aus, als die Designs von Dario Pegoretti! Wer dessen "The Ciavete Paint" bestellt, bekommt einen Überraschungs-Look auf den Rahmen gepinselt. Das kann man auch selber. Vor allem, wenn einem der Sohn tatkräftig unter die Arme greift. 

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Jetzt muss ich nur noch warten, bis das "Museum of Modern Art" in New York anruft. Dann kann sich Dario Pegoretti warm anziehen.

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Weiter geht es durch die durchwuselten Rümpfe der Austellerhallen. Jens Jankowski von White Stone aus Zittau zeigt, wie die Custom-Fertigung der Zukunft aussehen könnte. Kunststoff-Rahmen aus dem 3D-Drucker. Zusammen mit dem Frauenhofer-Institut tüftelt er derzeit fieberhaft an dem Herstellungsverfahren. Ein erster Triathlon-Prototyp soll demnächst fahrfertig sein. Bis auch Mountainbike-Rahmen aus dem Drucker fallen, werden aber wohl noch einige Jahre ins Land gehen.

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Es gibt nichts Strapaziöseres für ein Nervenkostüm, als im Anschluss an einen Marathon am Bikewash anzustehen. Das macht mich richtig porös. Ungeduldig stehen sie an, um dann – sobald sie am Drücker der Spritzpistole sind – plötzlich den Putzfimmel zu bekommen. Die Lösung ist einfach, zumindest theoretisch. Man muss nur vor allen anderen ins Ziel kommen. Tja, mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als mir für 49 Euro die "Velo Sock" zu kaufen. Damit kann man mit dem versifften Bike direkt zur Eisdiele fahren – und das Auto bleibt trotzdem sauber.

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Überall E-Bikes, überall Motorkram: Schön zu sehen, das dennoch kaum ein Bike die Besucher so andächtig verharren lässt, wie das durchgestylte Moots "X RSL" am Stand von Tune. Schimmerndes Titan, umflirtet von keckem Blau. Da passt wirklich alles. Heiß finde ich ja die farbigen, anodisierten Dekore, die Moots neuerdings anbietet. Vor ein paar Jahren gab es das nur bei Firefly. Die Farbe entsteht durch einen elektro-chemischen Prozess, bei dem je nach Größe und Dauer der Stromstöße verschiedene Töne und Verläufe kreiert werden können. Der Aufpreis beträgt leider viele, viele hundert Euro.

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Die Holländer von Pilot Cycles anodisieren inzwischen ebenfalls ihre Titan-Rahmen – jedoch zu einem verhältnismäßig günstigen Preis ab etwa 150 Euro.

Als Custom-Begeisterter den Stand von Tune zu betreten, ist von ähnlich feierlicher Art, wie als Vinyl-Sammler durch die Ladentür des Berliner Plattenladens Core Tex zu schreiten. Teile an der Grenze zur Schwerelosigkeit setzen innerhalb von Sekunden das rationale Denken außer Kraft. Es ist bei mir schon vorgekommen, dass ein funkelndes, neues Nabenpärchen ein ausschweifendes Custom-Projekt einläutete. Also kurz die Hand des Stand-Rundführers geschüttelt und mit dem gierigen Blick eines Junkies die Neuheiten begutachtet. Huch, was ist das denn? Zeltschnüre statt Speichen? "Nein, nein", lächelt der Tune-Mann gütig, das seien die neuen Laufräder mit Faserspeichen. 990 Gramm pro Satz bei vorne wie hinten 32 Speichen. Das dürfte, wenn das Gewicht tatsächlich stimmt, Weltrekord sein. Die Faserspeichen-Laufräder der sächsischen Newcomers Pi-Rope, ebenfalls brandneu, wiegen etwa 1060 Gramm.

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Den meisten Bikern wird bei dem Gedanken, sich auf diesem Carbon-Eckchen niederzulassen, wohl der Angstschweiß auf der Stirn stehen. Ich glaube, meine vielen Jahre als Marathonfahrer haben aus mir eine Art Fakir gemacht. Mir machen brettharte Sättel nichts. Meine Schmerzrezeptoren am Hintern haben es aufgegeben zu jammern. Bringt nichts. Ich fahre eh nur schnittige Sättel, schon allein der Optik wegen. So gesehen könnte ich mir durchaus vorstellen, den neuen Leichtbau-Sattel von Tune zu fahren. Das Defekt-Risiko ist bei dem Teil angeblich minimal, da der Sattel als ganzes Stück in einer Art Hochdruckverfahren hergestellt wird. Bei 300 Bar und 400 Grad. Lufteinschlüsse werden damit vermieden, was den 69 Gramm leichten Sattel (eigentlich für Rennräder konzipiert) maximal stabil machen soll. Was das kleine Polster an der Spitze bringen soll, weiß ich allerdings nicht. Schützt die "Balls", würde der Chinese mit dem seltsamen Schwingen-Sattel wahrscheinlich sagen.

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Eine Lupine Betty in jede Ecke eines Fußball-Stadions gehangen – fertig ist die Flutlichtanlage. Mit bis zu 5000 Lumen brennt die Lampe die Dunkelheit weg, dass es sich gewaschen hat. Was bei 24-Stunden-Rennen den Biorhythmus herrlich verwirrt, weil man selbst in der Nacht das Gefühl eines Sommernachmittags hat. Keine Ahnung, welchen Anlass die Lupine-Leute für eine weitere Steigerung der Lichtleistung sahen. Vielleicht ist es als Gruß an die Astronauten der Raumstation ISS gedacht, die den Lichtkegel vom Weltall aus sehen sollen. Wie auch immer. Der neueste Scheinwerfer bietet unfassbare 7000 Lumen auf. Das Modell heißt folgerichtig "Alpha". Doch weil ein solch gleißendes Licht auf andere Verkehrsteilnehmer die Wirkung eines Laserstrahls hat, ist der Verkauf in Deutschland verboten. Interessenten müssen also beispielsweise zum Einkauf nach Österreich fahren, wo die Gesetzeslage wohl einen Tick softer ist. Dass man mit 7000 Lumen auf einer 24-Stunden-Rennstrecke bleibt, sollte sich eh von selbst verstehen. Voll aufgeblendet brennt die Lampe in Kombination mit dem größten Lupine-Akku eineinhalb Stunden. 

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Gefunkel, Geglitzer: Der Stand von Andreas M. Dammann sieht aus wie ein Juwelierladen. Klar, mit seiner Marke Leichtkraft stillt er nicht nur die Teile-Gier von Gewichts-Fetischisten, sondern auch die der Style-Bewussten. Um die Produktionsabläufe zu optimieren und die Preisstruktur so niedrig wie möglich zu halten, hat er eine eigene Fertigung in Taiwan aufgebaut. Dort werden auch die neuen Naben gefertigt: Boost-Achsen, Straightpull-Flansche, Alu-Freiläufe, top gedichtete Lager, alles vom Feinsten. Die Beschichtung der Lager sei die gleiche, die auch bei Waffen verwendet wird, informiert Andreas. So sollen die Lager besonders rost-resistent sein. Die Pistole eines Bankräubers roste ja auch nicht, selbst bei Angstschweiß, grinst Andreas. Meine Güte, was es alles gibt. Ach ja, das Gewicht der Naben: 214 Gramm (hinten), bzw. 104 Gramm (vorne). Tune-Niveau.

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Kleiner Gruß ans analoge Zeitalter: Der GPS-Tacho von Omata zeigt Geschwindigkeit, Distanz, Steigung und Zeit auf klassische Weise an. Laut Hersteller soll das analoge Display die "kognitive Belastung" reduzieren. Einfacher ausgedrückt: Die Zeiger nerven nicht so, wie das digitale Zahlen-Geflimmere. Dennoch sollen die Daten easy zu Strava gefunkt werden können. Open Cycles zeigt auf der Messe ein Gravelbike-Sondermodell samt Omata-Armatur. Hätte ich auch gerne am Bike so ein Teil. Sieht irgendwie cool U-Boot-mäßig aus.

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Ich hatte ja vorhin das Thema "Rahmen aus dem 3D-Drucker". Soeben erreichte mich die freudige Nachricht, dass in Kürze die Geburt eines ganz besonders rassigen Bikes bevorsteht. Der Österreicher Roland Froschauer verleiht seiner Bike-Leidenschaft seit einiger Zeit mit formvollendeten Titan-Bikes Ausdruck. Rocket Titanium Bikes heißt seine Marke. Das schärfste Bike seiner Flotte ist allerdings aus Carbon. Noch! Denn der Prototyp seines rattenscharfen Modells "Marcus Maximus" soll demnächst in Titan das Licht der Welt erblicken. Und zwar mit Hilfe von Titan-Teilen aus dem 3D-Drucker, denn anders ließe sich die fließende Optik nicht realisieren. Einen Stand hat Roland nicht auf der Eurobike-Messe. Diese Top-Nachricht hier ist das Ergebnis unermüdlicher, investigativer Reporter-Tätigkeit am Puls des internationalen Mountainbike-Geschehens.

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Schöner geht es nicht. Mondraker und Look lassen Vorbau und Oberrohr bei ihren Carbon-Bikes schon länger ineinanderfließen. Mit Titan hat es noch keiner versucht. Der Prototyp von Roland ist allerdings noch aus Carbon.

Als Biker ist man ja inzwischen einiges gewohnt. Ich erwähnte ja eingangs bereits das Raketen-Fahrrad namens Düsenspeed. Hundert km/h – Ihr erinnert Euch. Um sich frühzeitig an das Leben im Randbereich der Physik zu gewöhnen, hält die unermüdliche E-Bike-Industrie nun endlich auch das passende Produkt für den Nachwuchs bereit. Ein Turbo-Laufrad für Action-geile Dreikäsehochs. Mit diesem Foto verabschiede ich mich fürs Erste. Teil 2 folgt schon bald. Bis dahin. Entspannt Vollgas!

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Henri Lesewitz am 09.07.2018