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Enduro-Blog 2015 von Raphaela Richter #05

Raphaela mag nicht: Langeweile, Hunger, Matsch

  • Raphaela Richter
 • Publiziert vor 6 Jahren

Was machen 17-jährige Mädchen gegen Langeweile? Richtig: Enduro-Rennen fahren und dabei die Jungs ärgern. Der Ärger über Matsch am Reifen beflügelte Raphaela Richter sogar zu wahren Höchstleistungen.


Bereits bei ihrem ersten Enduro-Rennen im Alter von 14 Jahren stand sie ganz oben auf dem Podium. Seither gilt Raphaela Richter als eine der besten Enduro-Bikerinnen Deutschlands. In ihrem Enduro-Blog auf BIKE-Magazin.de berichtet die 17 Jahre junge furchtlose Fränkin exklusiv von ihrer Saison 2015. Diesmal: Enduro One Gastrennen am Ochsenkopf und European Enduro Series, Runde 4, Molveno-Paganella / Italien.

Nach dem vorletzten Lauf der SSES in Schöneck verschlug es mich zwei Wochen später zum Rennen am Ochsenkopf, was Teil der Enduro-Serie "Enduro One" war. Da ich in dieser Saison noch kein Rennen dieser Serie gefahren bin und es eigentlich auch nicht vorhatte, startete ich in der Gastklasse. Dort gibt es keine getrennte Wertung zwischen Männern und Frauen, was mir aber nichts ausgemacht hat, da ich das Rennen mehr oder weniger zum Spaß mitgefahren bin. Zudem konnte ich daraus Motivation schöpfen, so viele Männer wie möglich hinter mir zu lassen.

Der Ochsenkopf liegt im Fichtelgebirge, was für mich quasi um die Ecke ist. Am Samstag durften nur Stage 1 und 5 trainiert werden. Diese waren beide Bikepark-Strecken und eigentlich auch die am technisch anspruchsvollsten mit Stein- und Wurzelfeldern sowie dem einen oder anderen Sprung. Die restlichen drei Stages wurden am Sonntag dann auf Sicht gefahren. Abends stand dann der Prolog an, welcher identisch zu Stage fünf war. Bei bestem Wetter und bester Stimmung brannte ich eine einigermaßen gute Zeit in den Boden und landete auf dem 14. Platz der Gastklasse und war klassenübergreifend schnellste Frau.

Privatfoto Raphaela beim Zielsprung am Ochsenkopf.

Am Renntag war ich in einer der letzten Startgruppen und hatte somit morgens noch etwas Zeit zum Chillen. Die Runde war nur 20 km lang und vom Höhenprofil völlig erträglich, also rechnete ich mit einer sehr kurzen Fahrzeit. Aber kaum aus dem Lift ausgestiegen, warteten wir auf dem Weg zur ersten Stage erst mal eine halbe Stunde. Auch vor der zweiten Wertungsprüfung war aufgrund eines Unfalls die Strecke gesperrt. Danach lief’s dann aber und wir kamen gut um die Runde. Insgesamt kam ich in allen Stages gut zurecht und konnte auch den ein oder anderen vor mir gestarteten Fahrer überholen. Zum Schluss war ich dann immer noch 14. und schnellste Frau am ganzen Wochenende. Es war auf jeden Fall cool, mit so vielen Freunden zu fahren, direkte Konkurrenz zu den Männern zu haben und Teil einer gelungenen Veranstaltung zu sein.

European Enduro Series als Mittel gegen Langeweile

Völlig zwanglos fuhr ich am ersten Septemberwochenende mit meinem Bruder nach Molveno/Paganella zum vierten Lauf der Europäischen Enduro Serie, um meine Langeweile in den Ferien zu bekämpfen. Bereits Donnerstagnacht kamen wir an, gönnten uns zu aller erst eine Pizza und schliefen dann in unserem Bus auf irgendeinem Parkplatz.

Freitagmorgen gab’s für mich nochmal Pizza und genügend Zeit, um sich mit dem Austragungsort des bevorstehenden Rennens vertraut zu machen. Der Terminplan an diesem Tag war so gut wie leer. Racepits mit meinem Teamkollegen James aufstellen, Startnummern holen, Räder nochmal checken und grillen. Und das wichtigste: Pizza essen!

Wie immer stand Samstag wieder Training an. Doch das Wetter wollte nicht so mitspielen, das heißt Regen und Kälte. Getreu dem Motto "Ein Endurofahrer kennt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung", also Regenjacke an und los. Durch den Regen waren die Stages alle recht glatt geworden und man musste aufpassen, nicht auf den Steinen zu bremsen. Aber wenn man sich nach einer Stage dran gewöhnt hatte, war der Rest machbar.

Privatfoto Raphaelas Blick auf ihr Cockpit, hier (noch) mit Hupe, und die Matsch-Rutschen der Paganella beim EES-Rennen.

Am Sonntag war es bei meinem Start um halb neun im Tal noch sehr kalt und während der ersten Stage war es auch noch nicht sehr viel besser. Trotzdem kam ich gut durch. Weil für mich die EES dieses Jahr nicht sehr viel bedeutet, bin ich nicht auf Risiko gefahren, sondern versuchte einfach, Spaß zu haben und flüssig zu fahren. Dies gelang mir meistens recht gut, bis auf den kleinen Sturz in Stage zwei, bei dem ich meine Hupe verloren hatte.
Vor der fünften und letzten Stage war meine Motivation irgendwie etwas im Eimer, denn ich wusste, dass eine echte Rutschpartie auf mich zukommen würde.

Manfred Stromberg Keine Frau war schneller als die 17-jährige Raphalea Richter (GER) vom Radon Factory Enduro Racing Team.

Dies bewahrheitete sich nach der Hälfte, und ich baute einen riesen Steher ein. Als ich weiter fahren wollte, ging dann aber nichts mehr, weil sich der klebrige Dreck zwischen meinen Mantel und mein Schutzblech stopfte und mein Vorderrad sich nicht mehr drehte. Dasselbe Szenario wiederholte sich noch einmal, was mich wirklich zur Weißglut brachte. Fluchend kratzte ich den Dreck weg. Naja, als ich dann wieder ins Rollen kam, war die Stage dann auch schon fast rum. Etwas enttäuscht und sehr hungrig kam ich im Ziel an und erfuhr nach einer warmen Dusche, dass ich das Rennen trotz der miserablen letzten Stage mit zwei Minuten Vorsprung bei einer Fahrzeit von 46 Minuten gewann.

Manfred Stromberg Sektdusche der Schnellsten drei: Raphaela neben Landsfrau Lisa Policzka (links) und der drittplatzierten Monika Büchli aus der Schweiz.

Alles in allem waren es super Tage mit meinem Bruder und James, auch wenn das Wetter nicht immer auf unserer Seite war.

Haut rein,
Eure Rapha

Zur Person: Raphaela Richter (17)


Raphaela Richter ist 17 Jahre jung, Fränkin und – genau wie Downhill-Weltmeisterin Rachel Atherton – mit zwei älteren Biker-Brüdern aufgewachsen. Manche meinen, sie fährt deshalb so furchtlos. Bei ihrem ersten Endurorennen im Alter von 14 Jahren stand sie prompt ganz oben auf dem Podium. Mittlerweile zählt die Radon-Fahrerin zu den besten Enduro-Bikerinnen Deutschlands. Ihre Eindrücke gibt’s nun exklusiv für Euch in ihrem Enduro-Blog auf unserer Website.

Irmo Keizer Jung und furchtlos: Raphaela Richter berichtet exklusiv für Euch in ihrem Enduro-Blog auf BIKE-Magazin.de über ihre Saison 2015.

Gehört zur Artikelstrecke:

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Themen: EnduroEnduro OneEuropean Enduro SeriesRaceRace-BlogRichter


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