EWS 2015 #3: EWS-Premiere und Sieg in Schottland EWS 2015 #3: EWS-Premiere und Sieg in Schottland EWS 2015 #3: EWS-Premiere und Sieg in Schottland

Enduro-Blog 2015 von Raphaela Richter #04

EWS 2015 #3: EWS-Premiere und Sieg in Schottland

  • Raphaela Richter
 • Publiziert vor 6 Jahren

Erster Einsatz bei der Enduro World Series, erster Sieg: Raphaela Richter siegte in Schottland in der U21-Kategorie überlegen und wäre bei den Elite-Damen Zehnte geworden.


Bereits bei ihrem ersten Enduro-Rennen im Alter von 14 Jahren stand sie ganz oben auf dem Podium. Seither gilt Raphaela Richter als eine der besten Enduro-Bikerinnen Deutschlands. In ihrem Enduro-Blog auf BIKE-Magazin.de berichtet die 17 Jahre junge furchtlose Fränkin exklusiv von ihrer Saison 2015. Diesmal: Enduro World Series, Runde 3, Tweed Valley / Schottland.

Am Montag reiste ich mich gemeinsam mit meinen Eltern nach Schottland, um dort mein erstes Enduro World Series-Rennen zu bestreiten. Warum ich gerade das Tweedlove-Festival ausgewählt habe – und nicht das Rennen in Irland oder Frankreich – ist schnell erklärt: In den Ferien hat man eben Zeit, mal schnell für eine Woche nach Schottland zu fahren. Die anderen EWS-Läufe sind nämlich entweder zu weit weg oder während der Schulzeit. Wir entschieden uns nicht zu fliegen, sondern mit der Fähre von Amsterdam nach Newcastle zu fahren, um genug Platz für das ganze Gepäck und die Räder zu haben. Der Trip auf der Fähre dauerte etwa 16 Stunden. Für mich sehr langweilige 16 Stunden, die ich mit essen, schlafen, noch mehr essen und etwas lernen verbrachte. Endlich auf der Insel angekommen musste ich meinem Papa mit einer Karte den Weg weisen, da unser Navi leider keine Karten für Großbritannien installiert hatte. Gegen Dienstagmittag checkten wir im Hotel ein und brachen danach sofort nach Peebles auf. Dort angekommen stellten wir fest, dass nur ganz wenige Fahrer bereits vor Ort waren. Trotz alledem schauten wir uns etwas in dem Ort um.

Privatfoto Beim Tweedlove-Festival in Schottland stand Richter erstmals bei einem EWS-Rennen am Start.

Erstes Training auf schottischem Boden

Am Mittwoch war dann auch schon Training für die ersten vier Stages, also für Samstag. Gegen halb 11 machten sich mein Teamkollege James, unser Mechaniker Miles und ich mit dem Bus auf den Weg zu den besagten Stages. Die erste war am Anfang etwas tretlastiger, später kamen dann noch ein paar Steinfelder, welche aber eigentlich kein Problem darstellten. Der letzte Teil dieser Stage schlängelte sich – gespickt mit verstecktem losem Geröll unter dem Waldboden – gen Ziel. Die zweite Stage war großteils auf der klassischen Downhillstrecke vom Bikepark, ohne Treten und relativ flowig gehalten. Also genau mein Ding. Von meiner Verletzung am Fuß, die ich mir in Riva zugezogen hatte, merkte ich zum Glück kaum noch etwas. Nach einer Mittagspause setzte pünktlich, als wir die restlichen Stages trainieren wollten, der Regen ein. Aber weil ja nur die Harten in den Garten kommen, wagten wir uns trotzdem den Anstieg hoch. Trotz des Regens und des Windes stellte ich fest, dass sowohl die dritte als auch die vierte Stage richtig gut waren. Die vierte fühlte sich etwas wie ein Pumptrack zwischen den engen Bäumen im Wald an. Und Treten musste man bei beiden kaum.

Privatfoto Noch ist das Bike sauber: Nach den matschigen Stages am zweiten Tag, war vom Rahmen fast nichts mehr zu sehen.

Donnerstag trainierten wir dann die restlichen vier Stages für den zweiten Renntag am Sonntag. Die fünfte und siebte Stage waren beide ziemlich kurz, aber lustig. Doch die sechste war fast nur mit Treten verbunden und mehr als doppelt so lang. Auch die achte Wertungsprüfung hielt den ein oder anderen Gegenanstieg bereit. Diese zählte die meisten Kilometer und endete am Stadtrand von Peebles. Nach den zwei zuletzt genannten Stages fragten sich einige Fahrer, warum man zwei so lange und tretlastige Stages einbaut, welche dann mehr oder weniger ein Viertel der ganzen Fahrzeit ausmachen und somit wohl über Sieg oder Niederlage entscheiden würden. Obwohl Freitag auch nochmal Training erlaubt war, legte ich einen Ruhetag ein, welchen ich auch dringend nötig hatte.

Privatfoto Großes Kino: Die EWS-Serie ist die wichtigste im Enduro-Rennzirkus.

Sonne und guter Start ins Rennen

Am Samstag war es dann endlich so weit: Der erste Renntag stand bevor und es schien sogar die Sonne! Um 10:27 Uhr wurde ich auf die circa 34 Kilometer lange Runde losgelassen. Bei der ersten Stage baute ich ein paar unnötige Fehler ein. Jedoch schaffte ich es trotzdem zwei meiner Konkurrentinnen zu überholen. Ohne große Fehler bewältigte ich auch die zweite Stage und durfte in der Feedzone zufrieden feststellen, dass ich bereits einen Vorsprung von über einer Minute gegenüber der zweitplatzierten Französin hatte. Dementsprechend zuversichtlich fuhr ich dann in die dritte Stage. Auf diese freute ich mich am meisten, da der untere Teil richtig schnell war. Doch dann versaute mir ein Platten die Freude und zwang mich dazu, den besten Teil des ganzen Rennens nur rollen zu können. That’s racing. Schlauch rein und weiter zur vier. Dort versuchte ich einfach flüssig zu bleiben und keine Fehler mehr einzubauen, was mir dann auch recht gut gelang. Jetzt war nur noch der Transfer von Innerleithen zurück nach Peebles zu bewältigen. Doch der stellte sich als anstrengender als gedacht dar. Wie ich nämlich feststellte, litt ich etwas unter dem Trainingsmangel der letzten Wochen und war dann blau. Noch dazu kam der lästige Gegenwind, welcher mir wirklich viele Nerven kostete. Aber irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, kam ich doch noch im Ziel an. Nach Tag 1 hatte ich mit Bestzeiten in allen vier Stages etwa 2:30 Minuten Vorsprung auf Platz zwei in meiner Altersklasse (U21) und wäre im Elitefeld der Damen als beste Deutsche auf dem sechsten Platz gelegen. Schon ziemlich geil.

Privatfoto Das Rennen lief besser als gedacht. Richter gewann ihre Klasse mit sattem Vorsprung.

Gelernt aus dem Sturz von Riva

Der zweite Renntag wurde wegen einer schlechten Wettervorhersage auf nur noch zwei Stages gekürzt. Einerseits fand ich das zwar schade, aber andererseits waren meine Beine auch nicht mehr so frisch wie am Vortag. Stage 5 war durch den Regen und die Fahrer, die bereits vor mir gestartet waren, kaum noch fahrbar. Der Untergrund war nur noch rutschig und in jeder Kurve waren richtig tiefe Rillen ausgefahren. Wenn man mal ausgeklickt war, war es schwer wieder ins Pedal zu kommen und man versuchte einfach irgendwie auf dem Rad zu bleiben, was mir einmal nicht ganz gelang und mich vom Rad schmiss. Als ich aufstehen wollte und das Rad anschieben wollte, drehten sich meine Räder wegen dem ganzen Dreck nicht mehr. Doch irgendwie hab ich es dann doch noch ins Ziel geschafft. Ich denke in dieser Stage erging es fast keinem Fahrer gut. Die letzte Stage bestand aus dem ersten Viertel der sechsten Stage und der gesamten achten Stage. Dadurch ergab sich eine sehr lange Etappe mit viel Treten. Weil ich wusste, dass ich einen komfortablen Vorsprung hatte, ging ich diese Stage etwas gelassener an, um im allerletzten technischen Stück kurz vor dem Ziel noch 100-prozentig fit zu sein und dort keine Fehler mehr zu machen. Denn ich hatte keine Lust auf eine Wiederholung von Riva. Im Ziel angekommen führte ich meine Klasse immer noch mit ungefähr vier Minuten an und gewann das Rennen somit. Im Vergleich mit dem Damen Elitefeld rutschte ich auf den 10. Platz zurück.

Privatfoto Ganz oben auf dem Podest.

Ich weiß zwar, dass ich im Treten noch einiges aus mir rausholen kann und mir wahrscheinlich die letzte Stage im Vergleich mit den Großen am meisten Zeit gekostet hat, aber solange ich noch in der Schule bin, lege ich mein Hauptaugenmerk auf Fahrtechnik. Sobald ich mit dem Abi fertig bin und wieder etwas mehr Zeit habe, kann ich ja noch genug für die Fitness und fürs Treten tun.

Ride on
Rapha

Zur Person: Raphaela Richter (17)


Raphaela Richter ist 17 Jahre jung, Fränkin und – genau wie Downhill-Weltmeisterin Rachel Atherton – mit zwei älteren Biker-Brüdern aufgewachsen. Manche meinen, sie fährt deshalb so furchtlos. Bei ihrem ersten Endurorennen im Alter von 14 Jahren stand sie prompt ganz oben auf dem Podium. Mittlerweile zählt die Radon-Fahrerin zu den besten Enduro-Bikerinnen Deutschlands. Ihre Eindrücke gibt’s nun exklusiv für Euch in ihrem Enduro-Blog auf unserer Website.

Irmo Keizer Jung und furchtlos: Raphaela Richter berichtet exklusiv für Euch in ihrem Enduro-Blog auf BIKE-Magazin.de über ihre Saison 2015.

Gehört zur Artikelstrecke:

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