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Enduro-Blog 2015 von Raphaela Richter #03

SSES 2015 #2: Mit angerissenen Außenbändern auf Platz 3

  • Raphaela Richter
 • Publiziert vor 6 Jahren

Bei der Specialized SRAM Enduro Series in Riva legte Raphaela Richter drei Bestzeiten hin. Erst zwei Stürze auf der letzten Stage und angerissene Außenbänder stoppten die Radon-Pilotin.


Bereits bei ihrem ersten Enduro-Rennen im Alter von 14 Jahren stand sie ganz oben auf dem Podium. Seither gilt Raphaela Richter als eine der besten Enduro-Bikerinnen Deutschlands. In ihrem Enduro-Blog auf BIKE-Magazin.de berichtet die 17 Jahre junge furchtlose Fränkin exklusiv von ihrer Saison 2015. Diesmal: Specialized SRAM Enduro Series, Runde 2, Riva del Garda / Italien.

Zum zweiten Lauf der Specialized SRAM Enduro Series im Rahmen des BIKE Festivals in Riva reiste ich bereits am Donnerstag direkt nach der Schule mit meinem Team-Kollegen Petrik Brückner an, der mich freundlicherweise auf dem Weg aufgabelte. Nach einer siebenstündigen Fahrt, in der gesungen, „gerappt“ wurde und Insider entstanden sind, kamen wir dann so gegen halb zehn Uhr am Abend in Riva an. Am nächsten Morgen fing der Tag um 8:00 Uhr mit Frühstück an. Anschließend gingen wir dann auf das Expo-Gelände und statteten verschiedenen Sponsoren einen kleinen Besuch ab. Joost, Petrik, James und ich wurden von unserem Hauptsponsor Radon interviewt. Das war zwar schon eine coole Sache, aber das Beste am ganzen Wochenende war das Treffen mit Danny MacAskill. Auf dem Weg in Richtung See kamen wir an ihm vorbei, woraufhin James sofort anfing sich mit Danny zu unterhalten, da die beiden sich ja kennen. Irgendwann wurde ich der Trial-Legende vorgestellt und es wurde ein Bild von uns beiden gemacht. Auch wenn ich schon „fast“ 18 bin, kam ich mir vor wie ein 7-jähriges Fan-Girl (und verhielt mich wahrscheinlich auch so).

Privatfoto Das Beste vom kompletten Wochenende: ein Foto mit Trial-Legende Danny MacAskill.

Kein Prolog und trotzdem müde

Samstagmittag begaben sich James und ich bei gefühlten 30 Grad und Sonnenschein auf die ca. 35 Kilometer lange Runde, gespickt mit etwa 1500 Höhenmeter auf vier Stages. Schon nach den ersten zwei Stages wurde klar, dass das Rennen am nächsten Tag durch den langen Anstieg anstrengend und die Stages durch die vielen glatten Steine technisch extrem anspruchsvoll werden. Denn bereits am Trainingstag waren die Abschnitte vom Regen extrem glatt. Ich für meinen Teil war nach dem Training richtig fertig. Zu meiner Müdigkeit trug das „Herumgerenne“ auf dem Festival-Gelände sowie die ständige Lärmkulisse ihr Übriges bei. Nicht gerade die besten Bedingungen, um sich für den Wettbewerb auszuruhen.

Privatfoto Auch abseits des Enduro-Rennens war in Riva beim BIKE-Festival jede Menge geboten. Hier beim Foto-Shooting mit Markus Greber für die BIKE.

Aber wenigstens fiel der Prolog, der normalerweise am Samstagabend stattfindet, aus. Ich finde die Idee mit Prolog als Zuschauer-attraktives Format zwar grundsätzlich gut, für die Fahrer ist ein solcher Prolog aber nervig: Man muss sich mit dem Training beeilen bzw. schon ganz früh losfahren, um sich vor dem Prolog noch auszuruhen und etwas essen zu können. Hat man sich aber mal zum Chillen hingesetzt, kommt man eben kaum noch hoch und fährt sich auch nicht richtig warm. Also steht man kalt am Start und quält sich um den Kurs, an dem sowieso meistens nur wenige bis keine Zuschauer stehen, die nicht selbst in ein paar Minuten beim Prolog starten. Und entscheidend für das Rennergebnis ist er sowieso nicht wirklich. Dementsprechend glücklich war ich also über die Botschaft, dass es in Riva keinen Prolog gibt.

Axel Brunst Vor dem Start wusste keiner so recht, wie nass und rutschig die Strecken nach dem Regen sein würden.

Erst übel, dann nass und kalt

Der Rennsonntag  fing für mich um 7:15 Uhr an. Als ich fertig umgezogen war, checkten Joost und James nochmal alles am Bike. Außerdem bekam ich für den Transfer ein kleineres Kettenblatt montiert. Um 9:30 Uhr ging es dann für mich los. Doch bereits nach einer halben Stunde musste ich wegen Übelkeit eine Pause einlegen. Nach kurzer Zeit fuhr ich weiter, musste aber noch ein paar Mal stehenbleiben. Zum Glück holte mein Vereinskollege Thomas auf mich auf und baute mich etwas auf. Gemeinsam mit ihm fuhr ich dann zur ersten Stage. Diese bekam ich dann relativ flüssig hin. Durch den Regen in der Nacht und den Nebel, der sich den ganzen Tag hielt, wurde die Strecke noch etwas rutschiger. Die zweite und dritte Stage liefen für mich fehlerfrei. Trotzdem wusste ich nicht, ob es für Bestzeiten gereicht hatte, denn das Starterfeld war gut besetzt und die Mädels waren im Winter nicht faul und sind dementsprechend fitter geworden. Aber ob Fitness bei den ersten drei Stages geholfen hat, bezweifle ich, denn lang waren sie nicht und treten musste man auch fast überhaupt nicht. Eigentlich gut für die SSES.

Axel Brunst Auf den ersten drei Stages in Riva legte Richter die Bestzeiten vor.

Sturz – Außenbänder angerissen – nochmal gestürzt

Vom Ziel der dritten Stage bis zum Start der vierten waren es nur 50 Meter, in welchen sich irgendwann das halbe Fahrerfeld versammelte. Die Klamotten nass und alles kalt stand man also da und wartete, endlich die letzte Stage fahren zu können. Bei der ganzen Warterei bekam ich von anderen Fahrern mit, die gerade die dritte Stage gefahren waren, wie glatt die Stage war und wie oft sie stürzten. In der vierten Stage waren noch mehr Steinfelder als in allen vorherigen und ein paar Tretpassagen waren auch dabei. Ich wusste, dass ich ins vordere Feld fahren kann, wenn ich die letzte Stage sturzfrei runterkomme. Das erste Viertel der längsten Stage des Tages verlief ganz gut, aber ich merkte, dass ich schon müde war und meine Konzentration nachließ. Und dann passierte das, was ich eigentlich nicht geplant hatte: Ich stürzte in einem Steinfeld und wollte meinen Fuß setzen, wobei ich mir den Knöchel verstaucht und die Außenbänder angerissen habe. Als ich aufstehen wollte, tat der Fuß richtig weh und ich schaffte es nicht auf Anhieb mich hinzustellen. Nach ein paar Sekunden quälte ich mich wieder aufs Rad und rollte weiter. Bis ich 500 Meter weiter nochmal stürzte. Wegen des Adrenalins tat mein Fuß aber nicht weh, doch so schnell zu fahren wie vor den Stürzen traute ich mich nicht mehr. Im Ziel stellte sich heraus, dass ich mit Bestzeiten auf den ersten drei Stages am Ende noch Dritte hinter Anneke Beerten und Anita Gehrig wurde. Als ich irgendwann mal vom Bike stieg, schmerzte der Fuß wieder. Bei der Siegerehrung waren die Schmerzen noch auszuhalten, doch bei der Heimfahrt wurde es langsam immer schlimmer. Als ich daheim aus dem Bus stieg, konnte ich nicht einmal mehr stehen, geschweige denn laufen.

Privatfoto Am Ende reichte es trotz angerissener Außenbänder noch für Platz 3 für Raphaela Richter.

Vier Wochen Sport-Pause

Zwar bin ich etwas geknickt, dass ich jetzt laut Arzt vier Wochen keinen Sport machen darf. Auch mein Start in Schottland bei der Enduro World Series ist unsicher. Aber die Bestzeiten auf den ersten drei Stages in Riva machen einiges wieder wett. Denn technisch habe ich seit letztem Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht und hoffe, dass das so weitergeht. Meine Fitness kann ich auch nach der Schule noch steigern ;). Zu den ganzen Diskussionen über die Strecken in Riva möchte ich auch meinen Senf dazu geben: Meiner Meinung nach ist Riva einfach kein guter Austragungsort für ein Enduro-Rennen der Specialized SRAM Enduro Series. Denn für die Amateur-Klassen wird fast jede Strecke in Riva zur extremen Rutschpartie, wenn es regnet.

Ride on
Rapha

Zur Person: Raphaela Richter (17)


Raphaela Richter ist 17 Jahre jung, Fränkin und – genau wie Downhill-Weltmeisterin Rachel Atherton – mit zwei älteren Biker-Brüdern aufgewachsen. Manche meinen, sie fährt deshalb so furchtlos. Bei ihrem ersten Endurorennen im Alter von 14 Jahren stand sie prompt ganz oben auf dem Podium. Mittlerweile zählt die Radon-Fahrerin zu den besten Enduro-Bikerinnen Deutschlands. Ihre Eindrücke gibt’s nun exklusiv für Euch in ihrem Enduro-Blog auf unserer Website.

Irmo Keizer Jung und furchtlos: Raphaela Richter berichtet exklusiv für Euch in ihrem Enduro-Blog auf BIKE-Magazin.de über ihre Saison 2015.

Gehört zur Artikelstrecke:

Enduro-Blog 2015 von Raphaela Richter


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