SSES 2015 #1: Richter gewinnt in Treuchtlingen SSES 2015 #1: Richter gewinnt in Treuchtlingen SSES 2015 #1: Richter gewinnt in Treuchtlingen

Enduro-Blog 2015 von Raphaela Richter #02

SSES 2015 #1: Richter gewinnt in Treuchtlingen

  • Raphaela Richter
 • Publiziert vor 6 Jahren

Der Saisonauftakt der Specialized-SRAM Enduro-Series hätte für Raphaela Richter nicht besser ausfallen können. Aber die Strecke war auch einfach nur "geil".


Bereits bei ihrem ersten Enduro-Rennen im Alter von 14 Jahren stand sie ganz oben auf dem Podium. Seither gilt Raphaela Richter als eine der besten Enduro-Bikerinnen Deutschlands. In ihrem Enduro-Blog auf BIKE-Magazin.de berichtet die 17 Jahre junge furchtlose Fränkin exklusiv von ihrer Saison 2015. Diesmal: Specialized -SRAM Enduro-Series, Runde 1, Treuchtlingen / Deutschland.

Als der Start der Saison immer näher rückte, fiel mir schon manchmal das Einschlafen schwerer, da mir so viele Gedanken im Kopf herumschwirrten. Der häufigste war wohl „hoffentlich reicht Talent dieses Jahr aus, denn so fit wie letztes Jahr bin ich nicht“. Zu meiner eigenen Überraschung war ich dann aber am Freitag, dem Tag der Anreise, kein bisschen aufgeregt. Im Gegenteil: Ich freute mich einfach nur riesig darauf, die ganzen bekannten Gesichter wieder zu sehen.

Axel Brunst Das erste Rennen der Specialized-SRAM Enduro-Series fand 2015 in Treuchtlingen statt.

Nach der Schule hieß es dann erst einmal Sachen packen. Bloß nichts vergessen! Aber wie sich dann herausstellte, hatte ich schon wieder viel zu viel unnötiges Zeug (z. B. 3 normale Hosen für 2 Tage) dabei. Anscheinend lerne ich das nie. Am Ende hatte ich nur eine davon gebraucht. Naja, so läuft das eben. Der nächste Fail: auf dem Weg von unserer Haustür zum Bus. Mit dem Navi in der Hand rannte ich mit Blick aufs Ziel gerichtet die Treppen vor der Haustür herunter in den Hof und machte eine grandiose Bodenlandung. Zum Glück hat es niemand gesehen, der mich auslachen konnte.

Die anschließende 1,5-stündige Fahrt mit meinem Bruder, der selbst auch Enduro-Rennen bestreitet, verlief dann aber reibungslos. Irgendwann gegen halb elf nachts erreichten wir endlich das Hotel. Dort wurde ich auch sofort von meinen Teamkollegen Joost (Wichmann, d. Red.) und Petrik (Brückner, d. Red.) freundlich empfangen.
Am Samstagmorgen durften wir nach einem kurzen Blick aus dem Fenster feststellen, dass uns das Wetter mit strahlend blauem Himmel keinen Strich durch die Rechnung machen wollte. Gut gelaunt frühstückten wir und packten im Anschluss unsere Sachen für den Tag, denn es standen Training und Prolog bevor. Und dazwischen: viel Zeit zum Überbrücken, in der man sich ja bei der – trotz Sonne – noch frischen Luft nicht erkälten will.

Axel Brunst Raphaela Richter in Treuchtlingen nicht zu stoppen: Die kurzen Stages mit Tretpassagen kamen ihr entgegen.

Strecke in Treuchtlingen geiler als so manch andere

Am Vormittag begaben wir uns dann auf die Strecke. Dabei stellte ich fest, dass die Stages sehr naturlastig, aber abwechslungsreich waren. Ganz frischer Waldboden, mit Stein und Geröll gespickter Untergrund und kleine Tretpassagen: von allem war etwas dabei. Trotz der wenig alpinen Gegebenheiten in dem mittelfränkischen Örtchen Treuchtlingen waren die Strecken geiler als so manch andere, die ich schon gefahren bin – auch wenn die einzelnen Stage-Zeiten nicht allzu lang waren.

Etwas ausgepowert von der mit sieben Stages gespickten 32-Kilometer-Runde musste ich mich erst mal ausruhen und einen Bissen zu Mittag essen. Abends gegen halb acht musste ich als letzte Frau dann beim Prolog (dieses Jahr wieder ein Wiesenslalom) ran. Am Start stellte ich fest, dass ich immer noch müde war, aber das lag wohl eher daran, dass ich erst kurz zuvor von meinem Mittagsschläfchen aufgestanden war. Unten im Ziel angekommen dröhnte Uwes Stimme durch die Lautsprecher „4. Platz“ und in meinem Kopf ging‘s nur so „Wiesenslalom halt“. Denn irgendwie wird das bei mir nie was richtig Gutes. Nach einem guten Essen mit Petrik, Joost und vielen mehr schlief ich extrem müde im Hotel sofort ein.
Sonntagmorgen war im Prinzip nicht anders als der Samstagmorgen. Aufstehen, Essen, Zähneputzen, Sachen packen und los zum Rennen. Die Startreihenfolge war dieses Mal umgekehrt als die Jahre zuvor. Das heißt, die Pro-Klassen starteten nach den Open-Klassen. Dementsprechend war mein Start erst um halb elf, so dass ich ganz gemütlich dort eintrudeln konnte.

Von der ersten Stage weg im Rennmodus

Auf dem Transfer zu Stage eins holte meine Startgruppe die anderen Mädels bereits relativ früh ein. Die haben im Winter irgendwie auch nicht geschlafen, bei dem Tempo was einige da vorgelegten. Da kam bei mir schon der ein oder andere Zweifel an meiner Form auf. Aber nach dem ersten Anstieg war ich dann warm und danach kam ja auch schon die erste Stage. Da fuhr ich dann relativ flüssig bis auf einen kleinen Fußsetzer durch und holte auf die vor mir gestartete Fahrerin fast die 30 Sekunden Startrückstand auf. Die darauffolgenden Stages kam ich eigentlich genauso flüssig runter. Aber das coolste waren die vielen Zuschauer vor allem beim Steinbruch in Stage vier. Egal, ob sie dich kennen oder nicht, die gehen einfach ab und feiern alle, sobald ein Fahrer kommt. So muss das!

Privatfoto Die Strecke in Treuchlingen lag der 17-jährigen Raphaela besonders. Ergebnis: Platz eins auf allen Teilstücken.

In Stage sechs war ich nach dem Tretstück im oberen Bereich schon etwas geschwächt und fuhr in einer der letzten Kurven zu schnell, sodass ich eine kleine Bodenprobe nehmen musste. Und wer steht genau da? Natürlich mein Papa und mein Bruder mit Kamera in der Hand! Schnell Rad aufgehoben, drauf gesprungen und weiter. Unten wartete ich auf meine Mädels und wir begaben uns ganz gemütlich zur letzten Stage, welche mit ihrem flowigen oberen Teil gut in mein Schema passte. Später mündete diese auf den berüchtigten Wiesenslalom und schlängelte sich die letzten paar Meter ins Ziel. Auch dort waren wieder massenhaft Leute und feuerten fleißig an.
Nachdem alle Frauen im Ziel angekommen waren und ich immer noch in Führung lag, ließ ich mir erst mal ein Paar Bratwürste vom Teamchef Joost ausgeben und freute mich. Während der etwas ausgiebigeren Wartezeit auf die Siegerehrung analysierte ich mit meinem Papa den Sturz und quatschte noch mit diesem und jenem. Ich finde, das war ein gemütlicher Abschluss eines so erfolgreichen Wochenendes. Nur schade, dass so wenige bis zum Schluss geblieben sind. Aber ich kann die Leute verstehen. Nochmal ein dickes Lob an die Veranstalter vom RC Germania Weißenburg und Racement für den gelungenen Saisonauftakt!

Ride on
Rapha

Nachtrag der Redaktion


Raphaela deklassierte die Frauenkonkurrenz in Treuchtlingen regelrecht. Sie war auf jeder Stage die Schnellste und hatte am Ende mit einer Zeit von 14.06,09 Minuten über 55 Sekunden Vorsprung auf die Zweitplazierte Monika Büchi aus der Schweiz. Knapp hinter ihr folgte die 21-jährige Deutsche Kim Schwemmer auf Rang drei – mit einem Rückstand von 57,38 Sekunden auf Raphaela. Man darf gespannt sein auf die nächste Runde der Specialized Sram Enduro Series am 2. und 3. Mai 2015 im Rahmen des BIKE Festivals in Riva am Gardasee – und auf Raphaelas nächsten Enduro-Blog.

Zur Person: Raphaela Richter (17)


Raphaela Richter ist 17 Jahre jung, Fränkin und – genau wie Downhill-Weltmeisterin Rachel Atherton – mit zwei älteren Biker-Brüdern aufgewachsen. Manche meinen, sie fährt deshalb so furchtlos. Bei ihrem ersten Endurorennen im Alter von 14 Jahren stand sie prompt ganz oben auf dem Podium. Mittlerweile zählt die Radon-Fahrerin zu den besten Enduro-Bikerinnen Deutschlands. Ihre Eindrücke gibt’s nun exklusiv für Euch in ihrem Enduro-Blog auf unserer Website.

Irmo Keizer Jung und furchtlos: Raphaela Richter berichtet exklusiv für Euch in ihrem Enduro-Blog auf BIKE-Magazin.de über ihre Saison 2015.

Gehört zur Artikelstrecke:

Enduro-Blog 2015 von Raphaela Richter


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