Doug Bradbury

  • Tomek
 • Publiziert vor 15 Jahren

Er war der härteste Typ der Bike-Szene; und ein Weichei. 1985 gründete Doug Bradbury (54) den Gabelbauer Manitou und eroberte den Bike-Zirkus im Sturm.

Er war der härteste Typ der Bike-Szene; und ein Weichei. 1985 gründete Doug Bradbury (54, Stand 2006)) den Gabelbauer Manitou und eroberte den Bike-Zirkus im Sturm.

Er hustete und spuckte. Sein Unterkiefer hatte wieder eine extra Portion Dreck in den Rachen geschaufelt und das direkt vor seiner Haustür in Manitou bei Colorado Springs. Konnte er einfach nicht besser biken, war er mit 34 Jahren zu alt oder lag es vielleicht doch an dem bockigen Mountainbike? Douglas Bradbury, der Hippie-Guru des Bikes, hatte für heute zumindest genug vom Stürzen. Sein Körper hielt sich schon jetzt nur mit reichlich Altmetall aufrecht und die Zahnprothesen wackelten verdächtig bei jedem Bissen. Jahrzehntelanger Motocross-Sport hatten ihre ganz eigenen Spuren an Doug hinterlassen. Noch mehr Schrauben und Stahlplatten, die seinen Körper zusammenhielten, wollte er nicht. Er musste sich entscheiden zwischen seinem Leben und dem Bike. Er entschied sich für beides und ging einen Kompromiss ein. Douglas Bradbury wollte Mountainbikes bauen, auf denen jeder sicher den Trail umpflügen könnte – selbst er. 1985 gründete in seinem Heimatort Manitou seine eigene Fahrradschmiede, den späteren Federgabelgiganten Manitou.

Wenn Bradbury auf dem Bike sitzt, wird der Trail zum Kriegsschauplatz. Er ist der härteste unter den Bikern und immer auf dem Feldzug, die Perfektion seiner Räder voranzutreiben. Kein anderer Star der Bike-Szene hat mehr Stürze hingelegt, mehr Stahl im Körper. Vor seiner Bike-Karriere war der Manitou-Gründer passionierter Motocrosser, der seinen Körper bei Rennen peinigte. 1982 kam Bradbury das erste Mal mit dem Mountainbike in Berührung. Auf einer Motorrad-Tour sah er ein paar „Idioten“ auf Fahrrädern, die sich den Berg hochschleppten. Doch kurz darauf packte ihn die Neugier und er tauschte seinen Cross-Hobel gegen einen Bein-Zweitakter. Doug war infiziert und fuhr genauso gnadenlos wie zu Motocross-Zeiten. Doch der schwere Stahlbock, auf dem er sich abquälte, war Bradbury ein Dorn im Auge.

„Das muss doch auch anders gehen!“, dachte er und fing an, selber Rahmen zu bauen. Keine labbrigen Alu-Stäbchen, sondern ofenrohrdicke Leichtmetall-Boliden. Die Räder strotzten nur so vor Ideen. Die Hinterbaubreite (145 Millimeter) und das Einbaumaß an der Gabel (115 Millimeter) tunte er auf crossähnliche Dimensionen. Natürlich gab es dafür keine passenden Naben, also baute Doug diese einfach selbst. Außergewöhnlich war auch der 15 Millimeter nach rechts versetzte Hinterbau – für flacher stehende Speichen auf der Zahnkranzseite – und das 90 Millimeter breite Tretlager. Bradbury hatte sein neues Schlachtfeld gefunden, auch wenn er dafür die ersten Jahre an der Armutsgrenze schrammte.

Das „Big Business“ kam mit der Federgabel nach Manitou. Doug war schon immer klar, dass eine Federgabel ans Bike musste. Für ihn war es eine logische Konsequenz, denn was am Motorrad funktionierte, musste auch ans Bike. Als Rock Shox den Startschuss gab, schloss sich Doug in seiner Garage ein. Er wollte unbedingt auch so ein Ding entwerfen. Nach einer Woche war die Gabel geboren. Nicht mit den Problemen einer ölsiffenden „Rock Shox 1“, sondern mit schmatzenden Gummidämpfern. Die erste Manitou-Federgabel (35 Millimeter Federweg) fand schnell neue Anhänger. John Parker von Yeti bestellte die „dämpfende Revolution“ für seine Fahrer John Tomac und Julie Furtado. Die Weltmeisterschaft 1990 in Durango wurde somit zur Feuerprobe und der bedeutendste und billigste Werbefeldzug von Manitou. Furtado siegte mit der Gummigabel, Tomac wurde nach einem Platten immer noch Sechster. Doug wurde über Nacht zum ungekrönten König der Federgabeln. Plötzlich rannten ihm die Leute die Bude ein. Er verbrachte Monate in seiner Werkstatt und produzierte 1400 Gabeln, die er auf einen Schlag verkaufte. Nach dieser Mammutarbeit konnte er „die Dinger“ nicht mehr sehen und verkaufte die Patente an die Firma Answer.

Aus dem Bike-Geschäft hat sich Bradbury trotzdem nicht verabschiedet. Heute entwirft er Rahmen für Tomacs Mountainbike-Firma. Ruhig ist der alte Krieger aber noch immer nicht geworden und ein paar Knochen mussten auch schon wieder dran glauben, denn nach wie vor lebt er nach dem Motto: „Die besten Fahrten sind die, bei denen du mehr abbeißt als du kauen kannst – und es überlebst.“


(Text: Björn Scheele)

Für uns gebührt ihm ein Platz in der Hall of Fame.


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