Camelbak

  • Tomek
 • Publiziert vor 14 Jahren

1989 fiel Michael Edison auf den Kopf. Daraufhin baute er den ersten Camelbak. Heute ist die Trinkblase auf dem Rücken nicht mehr wegzudenken.

Es war der Geruch von Blut auf dem heißen Asphalt, der Michael Edison in die Nase stieg. Der Geruch von abgeriebenem Gummi, der ihm klarmachte, dass er sein Leben ändern musste. Der Rennradfahrer Edison hing an der Flasche. Schon sein halbes Leben griff er sich zwischen die Beine, um an sein Getränk zu kommen. Doch damit sollte jetzt Schluss sein.

Zum zweiten Mal war er nun schon in einen Sturz verwickelt – nur, weil er einhändig fuhr, um nach seiner Trinkflasche zu greifen. Er hatte genug vom harten Teer, er wollte nicht mehr. Michael Edison wollte weg von der Pulle. Michael Edison baute den ersten Camelbak.
Ein heißer Herbsttag 1989 in Wichita Falls in Texas sollte Michaels Leben verändern. Der passionierte Radfahrer nahm an seinem ersten Hotter’n Hell Hundred-Radrennen teil: 100 Meilen in brütender Hitze und nur alle zwei Stunden ein Wasserstopp. Das hieß nichts anderes, als im Delirium eiernde Radfahrer, die lechzend nach ihrem Wasser griffen. Die paar Tropfen in den Flaschen verdampften meist schon auf dem Weg in den Magen.

Nach einem halben Tag in der sengenden Hitze rollte Edison über die
Ziellinie – mit Sonnenbrand im Nacken, Salzkruste auf den Lippen und einer Idee im Kopf. Der gelernte Sanitäter kramte in seinen Utensilien und fand einen alten Infusionsbeutel. Edison steckte einen Schlauch hinein, steckte das Ganze in eine Socke und nähte alles auf die Rückseite seines Trikots. Fertig war der Camelbak-Prototyp.

Die Idee schlug Wellen und nur ein Jahr nach der Entwicklung entstand 1990 die Firma Camelbak. An die Socke, die jetzt aus Neopren war, wurden zwei Riemen genäht, der Plastiksack mit einem Verschluss versehen. Kurz darauf hängte Michael Edison seinen Job an den Nagel, um sich künftig ganz den Flaschenkindern zu widmen.

Von den meisten Rennradfahrern wurde er belächelt. Keiner der feingeistigen Racer wollte als radelnder Quasimodo unterwegs sein, keiner wollte seine heiligen Trinkflaschen gegen einen labbrigen Kunststoffbeutel tauschen. Mehr Glück hatte er bei den Mountainbikern. Der junge Sport gierte nach neuen Erfindungen und nahm die Idee dankbar auf. Endlich war Schluss mit sandigen, verdreckten und aus dem Halter geschüttelten Trinkflaschen. Singletrail- und Downhill-Trinkern konnten ihren Durst stillen, ohne anzuhalten oder den Lenker loszulassen.

Die Entwicklung schritt voran. 1993 wurden die alten tropfenden Mundstücke durch den „Bite Value“ ersetzt, der bis heute im Einsatz ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte auch die Bike-Prominenz begonnen, sich für die Trinkblasen zu begeistern. In Hans Rey und Greg Herbold fand Edison zwei Profis, die als Ratgeber maßgeblich bei der Weiterentwicklung des Camelbaks halfen. Mit den Jahren verschwand auch das Pantoffeltier-Paradies, das sich gerne in Schläuchen und Blasen ausbreitete. Die spontane Bildung von Feuchtbiotopen wurde mit einem ausgeklügelten Reinigungsset und Silberionen im Reservoir beseitigt. Und selbst die Neopren-Socke ist heute ein ausgewachsener Rucksack, der auf fast jeder Alpenüberquerung dabei ist.

Nach 17 Jahren Erfolgsgeschichte wächst der Trinkblasenhersteller aus Petaluma/Kalifornien stetig weiter. Der Camelbak ist heute vom Rücken der Sportlern nicht mehr wegzudenken. Die „Biker-Blase“ hat viele neue Anhänger gefunden. Selbst die US-Army rüstet ihre GIs heute mit einem Modell aus, um im Wüstensturm nicht zu verdursten. Der Erfinder Michael Edison hat im Laufe der Zeit seine Firma verkauft und macht sich, seinen Worten nach, „ein schönes Leben“.


(Text: Björn Scheele) 

Für uns gebührt ihm ein Platz in der Hall of Fame.


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