Das Geschirrtuch drückt auf der Narbe. Beim Atmen schmerzt die gebrochene Rippe. Der Mann an der Zeitmessung gibt Antje das Startsignal zum Qualifikationslauf. Also rein in die erste Kompression und die schnelle Schotterkurve. Dann weiter ins Waldstück, wo sie beim Training böse im Sprunghügel “eingekratert” ist, wie sie das selbst nennt. Wegen der Narbe wählt sie diesmal den weniger gefährlichen Chickenway. Zuschauer, Absperrbänder und Bäume fliegen als bunter Fetzen an ihr vorbei. Noch ein paar enge Kurven, dann durchschneidet ihr Vorderrad die Lichtschranke unterm Zielbanner. 2:35 Minuten für den 1?450 Meter langen Hindernis-Parcours – ein mörderischer 37er-Schnitt in der Falllinie. Bestzeit. “Ohne diese schrecklichen Chickenways wäre ich noch sechs bis acht Sekunden schneller gewesen”, schnauft Antje, reißt sich den Helm vom Kopf und schlurft zufrieden ins Fahrerlager zu ihrem Ford Transit. Wenn nur diese Schmerzen nicht wären.



Für das Leben am Limit hat Antje einen hohen Preis bezahlt. Fast alles ist in den Schatten gerückt, was nicht mit Downhill zu tun hat. Sie wollte nach ganz oben. Also musste sie sich entscheiden zwischen Normalität und dem Streben nach ständiger Optimierung. Und tat das radikal. Übt lieber Fahrtechnik, als sich mit Freunden zum Kaffee zu treffen. Schwitzt beim Gucken ihrer Lieblingsserie “CSI Miami" auf der Rolle, statt sich auf dem Sofa zu entspannen. Gibt ihr gesamtes Geld für Rennen aus. Opfert jeden Urlaubstag. Alles dreht sich nur noch um Downhill. In ihre Küche hat sie einen Bike-Rahmen gehängt, an den Umkleidespind im Krankenhaus ihr Lebensmotto: “Home is, where your trail is.” Nach zahlreichen Knochen ist inzwischen auch ihre Ehe in die Brüche gegangen. Reisestress und Verletzungen waren zu viel für die Beziehung. “Vieles ist auf der Strecke geblieben”, sagt sie rückblickend. Nur nicht ihre Downhill-Leidenschaft. Als sie nach der Trennung in eine kleinere Wohnung am Bochumer Stadtrand zog, hängte sie sich als erstes ein Poster von Szene-Star Cedric Gracia übers Bett.

Das Geschirrtuch drückt auf der Narbe. Beim Atmen schmerzt die gebrochene Rippe. Der Mann an der Zeitmessung gibt Antje das Startsignal zum Qualifikationslauf. Also rein in die erste Kompression und die schnelle Schotterkurve. Dann weiter ins Waldstück, wo sie beim Training böse im Sprunghügel “eingekratert” ist, wie sie das selbst nennt. Wegen der Narbe wählt sie diesmal den weniger gefährlichen Chickenway. Zuschauer, Absperrbänder und Bäume fliegen als bunter Fetzen an ihr vorbei. Noch ein paar enge Kurven, dann durchschneidet ihr Vorderrad die Lichtschranke unterm Zielbanner. 2:35 Minuten für den 1?450 Meter langen Hindernis-Parcours – ein mörderischer 37er-Schnitt in der Falllinie. Bestzeit. “Ohne diese schrecklichen Chickenways wäre ich noch sechs bis acht Sekunden schneller gewesen”, schnauft Antje, reißt sich den Helm vom Kopf und schlurft zufrieden ins Fahrerlager zu ihrem Ford Transit. Wenn nur diese Schmerzen nicht wären. Für das Leben am Limit hat Antje einen hohen Preis bezahlt. Fast alles ist in den Schatten gerückt, was nicht mit Downhill zu tun hat. Sie wollte nach ganz oben. Also musste sie sich entscheiden zwischen Normalität und dem Streben nach ständiger Optimierung. Und tat das radikal. Übt lieber Fahrtechnik, als sich mit Freunden zum Kaffee zu treffen. Schwitzt beim Gucken ihrer Lieblingsserie “CSI Miami" auf der Rolle, statt sich auf dem Sofa zu entspannen. Gibt ihr gesamtes Geld für Rennen aus. Opfert jeden Urlaubstag. Alles dreht sich nur noch um Downhill. In ihre Küche hat sie einen Bike-Rahmen gehängt, an den Umkleidespind im Krankenhaus ihr Lebensmotto: “Home is, where your trail is.” Nach zahlreichen Knochen ist inzwischen auch ihre Ehe in die Brüche gegangen. Reisestress und Verletzungen waren zu viel für die Beziehung. “Vieles ist auf der Strecke geblieben”, sagt sie rückblickend. Nur nicht ihre Downhill-Leidenschaft. Als sie nach der Trennung in eine kleinere Wohnung am Bochumer Stadtrand zog, hängte sie sich als erstes ein Poster von Szene-Star Cedric Gracia übers Bett.