Wie schlägt sich das Rex Bergsteiger im Renneinsatz? Wie schlägt sich das Rex Bergsteiger im Renneinsatz? Wie schlägt sich das Rex Bergsteiger im Renneinsatz?
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Selbstversuch: Mit einem Baumarkt-Bike beim Marathon

Wie schlägt sich das Rex Bergsteiger im Renneinsatz?

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 4 Jahren

436 Euro kostet das Rex Bergsteiger im Baumarkt. Hält das Billig-Bike dem sportlichen Anspruch stand? Tester Ludwig Döhl klärte die Frage beim Ischgl-Ironbike-Marathon. Härtetest auf 3820 Höhenmetern.


Der Verkäufer preist die 24 Gänge der Billig-Schaltung an, dass ich einen Moment lang selbst glaube, es handle sich um eine Weltsensation.

Ein wahres Multi-Talent hier im Baumarkt. Gerade noch hat er einem hilflosen Heimwerker das Mischungsverhältnis von Zement und Wasser erklärt, jetzt rattert er die technischen Daten für das Mountainbike runter. Ich lasse das Verkaufsgespräch aus Höflichkeit über mich ergehen. Letztendlich will ich das Rad ja sowieso kaufen. "Sie haben Glück, beim Ausstellungsmodell ist sogar schon der Lenker montiert", höre ich es noch durch den Gang schallen, als ich das Rex Bergsteiger 6.01 schließlich in Richtung Kasse schiebe. Meine 436,48 Euro verschwinden in der Baumarktkasse – und ich stehe vor der größten Herausforderung, die mir mein Job als Bike-Tester je beschert hat.

Wolfgang Watzke Das Rex Bergsteiger verlässt mit Tester Ludwig Döhl den Baumarkt.

Rex ist das lateinische Wort für König. Zusammen mit dem Modellnamen "Bergsteiger" ergibt das einen selbstbewussten Auftritt. "Wir gehen steil", prangt auf dem Oberrohr. Wobei nicht ganz klar ist, ob es sich dabei um einen Hauch von Ironie, oder ein ernst gemeintes Leistungsversprechen handelt. Wie viel Mountainbike steckt in einem Baumarkt-Hardtail für 436,48 Euro? Der Ruf dieser Räder ist dermaßen schlecht, dass ich Gänsehaut bekomme, wenn ich an morgen denke. Der Ischgl-Ironbike-Marathon, die Institution für sadistisch veranlagte Marathon-Racer, soll drüber richten, ob sich das Baumarktgefährt zu Recht "König der Bergsteiger" nennen darf. Die auf gerade mal 79 Kilometer geballten 3820 Höhenmeter sowie eine stattliche Singletrail-Abfahrt haben schon so manches Bike, oder den dazugehörigen Fahrer, in die Knie gezwungen.

Selbstversuch: Mit einem Baumarkt-Bike beim Marathon

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436 Euro bezahlt man für das Rex Bergsteiger an der Baumarktkasse. Doch hält das Billig-Bike auch dem sportlichen Anspruch stand Redakteur Ludwig Döhl wollte die Frage beim Ischgl-Ironbike-Marathon klären. Die 3820 Höhenmeter gerieten nicht nur für das Baumarktrad zur Härteprüfung.


Der ultimative Härtetest!

Kurz vor 8 Uhr am nächsten Morgen: Der Startbereich hat bereits die Grenze seines Fassungsvermögens erreicht. 645 Marathonisti tummeln sich um den Aufblasbogen. Die Nervösen begeben sich noch einmal in Richtung der grünen Wiese, um die Blase zu entleeren, während die Profis ihre Reifen lautstark auf der Rolle singen lassen. Es riecht nach Muskelöl.

Mit einer Mischung aus Vorfreude und Unbehagen bahne ich mir den Weg in Richtung meines Startblocks. Der "König der Bergsteiger" fällt im Trubel kaum auf. Farblich perfekt abgestimmte Anbauteile und Trend-gerechte 29er-Laufräder sind die perfekte Tarnung zwischen all den sündteuren Carbon-Bikes. Seitenständer, mechanische Scheibenbremse und die etwas klobig wirkende 3x8-Schaltung provozieren dennoch den ein oder anderen verwunderten Blick. Als ich das enttarnte Billiggefährt schließlich in den Lizenzblock schiebe, beginnt das Getuschel. Doch da hallt schon der Startschuss.

Hektisch trete ich in die Pedale. Doch hoppla! Was war das? Ein lautes Knacken, gefolgt von einem Tritt ins Leere. Hoffentlich ist die Kette nicht gerissen, zuckt es mir panisch durch den Kopf. Ein kurzer Blick nach unten bringt Entwarnung. Die Kette ist noch da. Scheint, als wollte mir die Schaltung nur einen Denkzettel verpassen. Schalten unter Last fällt aus! Da ist Shimanos Altus-Schaltung wohl etwas zickiger als aktuelle Gruppen oberhalb des SLX-Levels. Egal, weiter! Im Lizenzblock wird mit harten Bandagen gekämpft. Jede Position zählt, zumindest für die anderen. Mit jedem Kilometer werde ich mehr nach hinten durchgereicht. Zum Glück habe ich eine gute Ausrede parat. Dabei schlägt sich der Testkandidat auf den ersten Metern gar nicht schlecht. Aber es sind ja auch nicht die flachen Schotterwege am Anfang der Strecke, die den knallharten Ruf des Ironbikes begründen.

Wolfgang Watzke Das größte Ritzel der Kassette zählt nur 28 Zähne.

Bei den Rampen hoch zum Idjoch sieht das schon ganz anders aus. Der legendäre Anstieg hat schon so manchen Alpenüberquerer den Weg in die Schweiz verwehrt. 1500 Höhenmeter, 13 Kilometer, abschnittweise 20 Prozent Steigung. Ein Biest von einem Berg! Der Anstieg hat noch nicht mal richtig angefangen, da geht dem Bergsteiger bereits die Puste aus. Und mir gleich mit. Man kennt die You­Tube-Videos, in denen Muskelprotze einen Traktorreifen an Eisenketten hinter sich herziehen. Genau so fühle ich mich beim Versuch, das fast 16 Kilo schwere Baumarkt-Bike über das Idjoch zu buchsieren. Um mich herum surren elektronische Di2-Schaltungen. Ich bin schon längst im kleinsten Gang. Das größte Ritzel meiner Kassette hat gerade mal 28 Zähne. Das war Anfang der Neunziger angesagt.

Die letzten Meter zur Bergstation, dem höchsten Punkt des Marathons, sind so steil, dass kaum noch jemand im Sattel sitzen bleibt. Fast alle schieben, ich inklusive. Der Spruch auf dem Oberrohr ist tatsächlich 100 Prozent wahr: "Wir gehen steil". Endlich, der Kulminationspunkt! Das Schlimmste liegt hinter mir, denke ich. Doch das unwillige Ruckeln der Federgabel entfacht in mir die düstere Ahnung, dass das womöglich gar nicht stimmt. Die Standrohre zittern bereits auf der anfänglichen Schotterabfahrt störrisch in die Tauchrohre, um sich nach kurzem Verharren auf halbem Federweg wieder zäh in die Ausgangsposition zu quälen – völlig unbeeindruckt von den Stoßsalven, die nahezu ungefiltert zum Fahrer vordringen.

Als mich das Flatterband auf einen knackigen Singletrail, der eine blühende Almwiese kreuzt, führt, habe ich definitiv keine Zeit mehr, die Landschaft zu genießen. Denn der erste harte Richtungswechsel fordert meine volle Konzentration. Ich zerre mit aller Kraft an den Bremshebeln, doch die Scheibe rutscht durch die Beläge wie ein glitschiger Aal. Die mit Steinen übersäte Kurve kommt immer näher. Ich fühle mich in die Zeit von V-Brakes zurückversetzt. Obwohl die wahrscheinlich bissiger waren. Irgendwie kriege ich die Kurve. Der Schreckmoment sitzt mir aber tief in den Knochen. Mein Lebenserhaltungstrieb sagt mir: langsam, schön langsam! Trotz Rentnertempo schlägt mir jede kleine Unebenheit fast den Lenker aus den Händen. Macht die Federgabel überhaupt irgendwas? Ich holpere mehr zu Tal, als dass ich fahre. Panikgedanken: Was passiert eigentlich, wenn die Bremsen plötzlich komplett abrauchen? Oder was, wenn diese dubiose Gabel zusammensackt? Lieber nicht dran denken. Die flache Asphaltpassage nach der Abfahrt wirkt auf mich wie eine Wellness-Kur.

Wolfgang Watzke Schwerstarbeit – egal, ob im Wiegetritt, im Sattel sitzend oder zu Fuß, zum Idjoch hoch spürt man jedes Kilo Gewicht am Bike. 

Höhen und Tiefen liegen beim Marathon eng zusammen, auch topografisch. Die Verpflegungsstation in Samnaun markiert den vorläufig tiefsten Punkt des Rennens, also den Beginn des nächsten Anstiegs. Ich stecke mir lieber mal einen Riegel mehr in die Trikottasche. Ich weiß ja mittlerweile, wie sich das Baumarkt-Bike bergauf schlägt. Die 1000 Höhenmeter zum Palinkopf werden für mich zum Drama in drei Akten. Erst krampfen die Waden. Dann macht die Rückenmuskulatur dicht. Und zu allem Übel holt mich auch noch der Hungerast ein. Während mich das Rennen immer mehr zeichnet, zeigt sich mein Testrad weiter unbeeindruckt. Es funktioniert zwar nicht gut, aber es hält durch. Zittrig erreiche ich die Verpflegungsstation an der Passhöhe. "So eine Schnapsidee mit dem Marathon!", fluche ich.

Nach 5 Stunden und 13 Minuten passiere ich schließlich das Ortsschild von Ischgl. Von den Menschenmassen, die beim Start noch den Platz gefüllt haben, ist nichts mehr zu sehen. Während die meisten Teilnehmer schon längst im Wellness-Bereich eines Hotels liegen, rolle ich einsam unter dem Zielbogen hindurch. Hinter mir ist kaum noch einer.
Während ich gierig die weichgekochten "Finisher-Nudeln" in mich reinspachtle, hadere ich noch mit meinem Fazit. Ist das Rex ein echtes Mountainbike, oder nicht? Kein Kettenriss. Kein Defekt. Nicht mal ein platter Reifen. Das 400-Euro-Bike hat durchgehalten. Fahrspaß ist jedoch was anderes. Bergauf quält das Rad jede Muskelfaser. In der Abfahrt haute es mir die Plomben aus den Zähen. Mal ehrlich: Wohl niemand hat erwartet, dass ein Rad für unter 500 Euro dem Anspruch dieses Hardcore-Marathons gerecht wird. Der Modellname "Bergsteiger" ist ganz sicher etwas zu ambitioniert gewählt.

Den Titel "Mountainbike" hat sich das Rex aber verdient. Später am Abend, als ich wieder daheim bin, lese ich die Bedienungsanleitung, die mir der Verkäufer im Baumarkt noch in die Hand gedrückt hat. Die Benutzung dieses Fahrrads bei Sportwettkämpfen sei verboten, steht da. Ups! Dann werde ich wohl meine nächste Startnummer wieder an ein Carbon-Bike zippen. Soll mir ganz recht sein, grinse ich.


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