Der grüne Riese: Trek will umdenken Der grüne Riese: Trek will umdenken Der grüne Riese: Trek will umdenken

Öko-Konzepte #4: Trek

Der grüne Riese: Trek will umdenken

  • Jörg Spaniol
 • Publiziert vor 4 Monaten

Vom Klimawandel alarmiert, ließ Trek-Boss John Burke von einem neutralen Institut einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. Dabei reiften konkrete Klimaziele.

Trek Bicycle Corporation

  • Gründungsjahr: 1975
  • Firmensitz: Waterloo, Wisconsin, USA
  • Mitarbeiter weltweit: ca. 4500
  • Umsatz jährlich: ca. 1 Mrd. US-Dollar (BIKE-Recherche)

Trek ist wohl die absolute Überraschung in dieser Runde. Der Hersteller ist einer der größten Player weltweit, wenn es um sportliche Fahrräder geht. Für hochentwickelte und innovative Bikes sind die Amis seit Jahrzehnten bekannt. Aber für Nachhaltigkeit? Dass Trek – anders als in der Sportwelt üblich – im Jahr 2017 seinen weiblichen Cyclocrossern dieselben Siegprämien zahlte wie den Männern, war bereits ein Hinweis auf modernes Denken auch jenseits der innovativen Hardware. Der erste umfassende Nachhaltigkeitsbericht des Familienunternehmens lässt also Aufhorchen. Dabei ist es weniger die Tatsache eines solchen Berichts an sich, als vielmehr die Ernsthaftigkeit und Transparenz, die aus seinen Seiten leuchten. Von Ansichten, wie sie beispielsweise auch Ex-Präsident Donald Trump immer wieder äußert, ist schon das Vorwort von Firmenchef John Burke weit entfernt. Burke referiert dort über die zahlenmäßige Steigerung des Kohlendioxidgehalts in der Erdatmosphäre, erwähnt verheerende Brände und Flutkatastrophen in den USA und zitiert einen Klimaaktivisten mit der Aussage: "Die größte Bedrohung unseres Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird."

John Burke: "Der Klimawandel passiert jetzt. Wir bei Trek stehen erst am Anfang, aber wir versprechen, uns schnell anzupassen und wirksame Maßnahmen zur Reduzierung unserer Umweltauswirkungen zu ergreifen."

Die bei einem neutralen Institut in Auftrag gegebene Untersuchung konzentriert sich auf die CO²-Emissionen – und sie tut das in aller Tiefe und Gründlichkeit. Die Emissionen durch Arbeitswege der Mitarbeiter und die Klimaanlagen sind genauso aufgeführt wie die der Rahmenaufkleber oder der Speichen. Es geht Trek darum, sich zunächst einmal Klarheit zu verschaffen, an welchen Stellschrauben der größte Effekt mit dem geringsten Aufwand erzielt werden kann. Ein Ergebnis: das durchschnittliche Trek-Bike trägt einen CO²-Rucksack mit 174 Kilo Klimagas.

So bemerkenswert wie die transparente Bestandsaufnahme, ist die Festlegung auf erste konkrete Maßnahmen und Ziele. Die Halbierung der Geschäftsreisen im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau gehört dazu, ebenso die drastische Verringerung der Luftfracht und eine verbesserte Mülltrennung sowie neue Transportverpackungen mit weniger Plastikmüll. Bei der Rohstoffwahl oder der Fairness in der Lieferkette bleiben die Ansagen aber diffus.

Ist der Bericht ein Aufbruchsignal? Ist Trek gar ein Vorreiter unter den Großen der Branche? Die Zukunft wird es zeigen. Mit einem neuen Bericht oder mit grüneren Produkten.

Hersteller Trek ließ sämtliche Bestseller-Modelle analysieren, um den jeweiligen Anteil an CO²-Emissionen der einzelnen Bauteile herauszufiltern. Die Daten liefern den Entwicklern wichtige Anhaltspunkte, an welchen Stellschrauben sich der ökologische Fußabdruck des Endprodukts am effektivsten reduzieren lässt.

Erste, aber überprüfbare Schritte: Nach der ersten Klimabilanz setzt Trek sich Ziele und ändert Details in der Produktion.

  • Ziel für 2024: Senkung des Luftfrachtanteils um 75 % gegenüber dem Aufkommen vor 2020.
  • In allen eigenen Betriebsstätten soll bis 2023 100 % erneuerbare Energie genutzt werden.
  • 88 % Reduktion des Deponieabfalls aus Mountainbike-Transportverpackungen durch geändertes Packungs-Design.
  • 2020 Einführung verbesserter Mülltrennung in Produktion und Verwaltung am Firmensitz: Recycling-Quote von 50 % erreicht.

Interview mit Eric Bjorling

Trek Eric Bjorling, Director of Brand and PR, Trek Bikes

BIKE: Als Trek den Bericht in Auftrag gab, war Donald Trump noch Präsident. Öko-Themen waren zumindest unpopulär. Gab es unfreundliche Kommentare?

Eric jorling: Wir haben zwar vor der Präsidentenwahl 2020 damit begonnen, doch wer gerade Präsident ist oder war, hätte für uns nichts geändert. Der Klimawandel ist real, und wir haben eine Verantwortung, unseren Carbon-Footprint drastisch zu reduzieren.

Der Bericht konzentriert sich weitgehend auf Klima und Abfall. Andere betonen stärker auch soziale Aspekte der Lieferkette. Ist die Umweltthematik wichtiger?

Wir haben mit dem Bereich angefangen, auf den wir den direktesten Zugriff haben. Unsere Arbeitskräfte und Zulieferer verteilen sich auf der ganzen Welt, und wir achten auch auf die Bedingungen dort. Aber für diesen ersten Report haben wir uns tatsächlich vor allem auf die Umwelt konzentriert.

Trek ist eine große und einflussreiche Marke, die auch viele Carbon-Bikes anbietet. Das Material gilt nicht als be­son­ders nachhaltig. Setzt Trek sein Potenzial ein, um Alternativen zu entwickeln oder den Impact zu verringern?

Wenn man den Impact eines Produkts beurteilt, muss man den ganzen Lebenszyklus einbeziehen – was natürlich auch für Aluminium, Stahl oder Titan gilt. Es ist sicher so, dass sich die Carbon-Produktion und der Umgang mit Abfällen verbessern lässt. Aber es hat sich auch gezeigt, dass Carbon-Räder bei entsprechendem Umgang sehr, sehr lange halten. Und wenn ein Carbon-Bike im Transport benutzt wird und dadurch CO² vermeidet, hat es sicher mehr Nutzen als Schaden. Davon abgesehen, suchen wir durchaus nach einer Lösung mit geschlossenem Materialkreislauf und sind für alle Vorschläge und Ideen in dieser Hinsicht offen.

Es ist der erste Nachhaltigkeitsbericht für Trek. Werden weitere folgen?

Ja, das ist unsere Absicht. Wir haben mit dem ersten Bericht eine Plattform geschaffen, von der aus wir weitermachen können. Wir hoffen aber auch, andere zu eigenen Maßnahmen zu inspirieren oder sich uns anzuschließen, wenn es ihr ernsthaftes Interesse ist.

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