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Rennreportage: Sky is the Limit in Ladakh 2015

Sky is the Limit: Rennreport, Infos und Tipps

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 6 Jahren

BIKE war bei der Premiere des Sky is the Limit – dem höchsten Mountainbike-Rennen der Welt – hautnah dabei. Die wichtigsten Infos und Tipps – und das Leidens-Tagebuch von Henri Lesewitz gibt's hier.

Ladakh

Ladakh ist eine Hochgebirgs-Region im Himalaya. Das dünn besiedelte Gebiet wird wegen seiner buddhistischen Prägung auch "Little Tibet" genannt und gehört zu Indien. Ladakh ist ein beliebtes Ziel für Trekking-Touristen. Die Bergwelt ist spektakulär. Einige 5000er-Pässe sind mit geländegängigen Motorrädern und Autos befahrbar. Schon die Hauptstadt Leh liegt auf 3500 Metern Höhe. Das Klima ist extrem trocken, weshalb selbst in den Wintermonaten kaum Schnee fällt. Im Sommer kann es heiß werden, bis zu 35 Grad. Mit plötzlichen Wetterumschwüngen und Kälteeinbrüchen muss aber immer gerechnet werden.

Das Rennen

Reportage:

13 Bilder

Henri Lesewitz beim höchsten Mountainbike-Rennen der Welt.

Das Sky is the Limit führt in sechs Etappen (550 Kilometer und 9000 Höhenemeter) über drei 5000er sowie einen 4950 Meter hohen Pass. Der Titel "höchstes Mountainbike-Rennen der Welt" basiert dabei auf der Überquerung des Khardung-La-Passes, der mit offiziell 5602 Metern Höhe als höchster befahrbarer Pass der Welt gilt. Die genaue Höhe ist aber umstritten. Bisher galt das Yak Attack in Nepal, das über den 5416 Meter hohen Thorong-La-Pass im berühmten Annapurna-Gebiet führt, als Rekordinhaber. Ob das Sky is the Limit nun tatsächlich den Superlativ für sich beanspruchen kann, lässt sich nicht mit hundertprozentiger Gewissheit sagen. Bei der Premiere gingen 15 Fahrer aus drei Ländern an den Start. Die angekündigten Fahrer aus Nepal waren wegen der verheerenden Erdbeben im Frühjahr daheim geblieben. Rennchef Gianni Tomè will das Rennen in jedem Fall auch in den nächsten Jahren ausrichten. Sein Plan ist es, in zwei Jahren 100 bis 150 Fahrer am Start zu haben.

Die Rahmenbedingungen

Das Sky is the Limit ist ein klassisches Abenteuer-Rennen. Der Verzicht auf Komfort gehört zum Konzept. Mit Vollverhätschelungs-Rennen wie dem Cape Epic oder der BIKE Transalp haben Rennen wie die Mongolia Bike Challenge, die Crocodile Trophy in Australien, oder das Sky is the Limit nichts zu tun. Im Fall Ladakh hieß das: schlafen im Doppelzelt, waschen im Fluss, kacken in Erdlöcher. Wobei die Logistik absolut top war, verglichen mit anderen Veranstaltungen dieser Kategorie. Alles lief reibungslos. Die Strecke war bestens ausgeschildert. Das Essen war reichhaltig und lecker. Keiner der Fahrer hatte mit Magenproblemen aufgrund mieser Hygiene zu kämpfen. Saueres Wasser aus Flaschen stand immer und reichlich zur Verfügung. Auch ein Arzt war permanent vor Ort. Notfall-Situationen allerdings sind in Ladakh immer heikel. Handys funktionieren nicht und es gibt keine privaten Helikopter-Firmen. Im Ernstfall muss man sich an das Militär wenden. Kasernen gibt es überall. Wegen der Nähe zu China und Pakistan wird die Region streng überwacht. In jedem größeren Ort und an jeder Pass-Straße gibt es Militär-Kontrollen. Was auch der Grund dafür war, dass auf den Lenkerschildern der Fahrer keine Nummern standen, sondern die Namen. So konnten die Kontrollpunkte die Namen auf den Listen abhaken, nachdem am Morgen jeder Etappe ein Mitglied des Orga-Teams den Posten die Genehmigungen vorgelegt hatte.

Die Höhe

Wer schon einmal in den Alpen war, kennt das Problem: Ab einer Höhe von etwa 2000 Metern ist der Sauerstoffgehalt in der Luft so gering, dass der Sauerstoff-Bedarf des Körpers nicht mehr gedeckt werden kann. Das Herz fängt an zu rasen, man japst nach Luft, die Leistung des Körpers lässt spürbar nach. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn man in Ladakh aus dem Flugzeug steigt. Schon der Ankunftsort Leh liegt auf 3500 Metern Höhe – der tiefste Punkt der ganzen Veranstaltung. Fast alle Teilnehmer hatten bereits hier mit Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Atemnot zu kämpfen. Sportliche Belastung empfielt sich in dieser Höhe überhaupt nicht, aber genau das macht ja den Reiz des Rennens aus. Um Thrombose, Lungenödem und Höhenkrankheit vorzubeugen, sollte man dennoch mit Bedacht fahren und viel trinken. Der Körper passt sich mit der Zeit etwas an. Doch an hemmungsloses Rumrasen, wie man es bei einem normalen Rennen tun würde, ist dennoch nicht zu denken. Wer vor hat, ein Rennen wie das Sky is the Limit zu fahren, sollte sich vorher von einem Höhenspezialisten beraten lassen und in jedem Fall auch gründlich medizinisch untersuchen lassen.

Die perfekte Ausrüstung

Wegen des boomenden Tourismus und der strategisch-militärischen Bedeutung der Region, werden viele Bergstraßen seit Jahren fleißig ausgebaut. Manchmal wird nur die Schotterfläche begradigt, oft werden aber auch ganze Serpentinen-Pisten mit Asphalt überkippt. Der Teer-Anteil beim Rennen ist vergleichsweise hoch, wobei auch bei der BIKE Transalp viel auf Asphalt gefahren wird. Der größte Teil der Strecke verläuft auf Schotter. Große Teile der Asphalt-Straßen sind so kaputt, dass man sie eigentlich auch als Offroad-Pisten bezeichen kann. Ein Hardtail oder ein Race-Fully mit maximal 100 Millimetern Federweg sind die perfekten Bikes für das Rennen. Die Reifen sollten einen guten Durchschlagschutz haben. Zwei Flaschenhalter sind absolut zu empfehlen. Eine Trinkblase im Rucksack geht natürlich auch, sorgt aber möglicherweise nur unnötig für Muskelverspannungen. Das Risiko von Kopfschmerz ist auch so schon groß. Wichtig in der Höhe: Sonnenblocker mit Faktor 50, sowie eine Brille mit maximalem UV-Schutz.

Verpflegungsstellen

An den Verpflegungsstellen, die immer zirka 35 Kilometer weit auseinander liegen, gibt es ausreichend Wasser, Gels und Riegel. Das Angebot ist fast besser als bei einem durchschnittlichen Marathon-Rennen.

Kosten

Der Frühbucher-Preis für einen Startplatz beträgt faire 1390 Euro, denn die Logistik des Rennens ist äußerst aufwändig. Zudem bekam jeder Teilnehmer ein exklusives Geschenkpaket mit Reisetasche, Helm, Trikot, Rucksack und diversen Packungen Energie-Nahrung. Während des Rennens braucht man kein Geld, die Versorgung ist perfekt. Extrem hochwertig waren die Preise der einzelnen Kategorien. Henri Lesewitz durfte sich als Gesamtzweiter in der Altersklasse über einen Gutschein für einen Custom-Rahmen der italienischen Manufaktur Bressan Bike freuen, woraufhin Lesewitz direkt einen 650B-Singlespeed-Stahlrahmen für Riemenantrieb in Wunschmaßen und Wunschfarbe orderte. Die Sieger bekamen Gutscheine für Carbon-Rahmen. Absolut top. Für den Flug nach Ladakh muss man zwischen 1000 und 1400 Euro einplanen. Dazu kommen eventuell Kosten für Übergepäck.

Für wen ist das was?

Wer ein klassisches Rennen mit Sprintattacken, Abfahrts-Duellen und gnadenlosen Endspurts erwartet, wird beim Sky is the Limit enttäuscht. Der menschliche Körper  ist nicht dafür gemacht, ein Mountainbike-Rennen in 5000 Metern Höhe zu fahren. Man fährt nicht wirklich gegen andere Fahrer, sondern mehr gegen sich selbst. Dazu kommt, dass die raue Landschaft die Logistik zur Herausforderung macht. Jedes Gepäckstück muss gut überlegt sein. Weshalb das Camp auch nur minimalen Komfort bietet. Für rein ergebnislistenorientierte Rennfahrer, die täglich ihre Recovery Shakes und Massage-Einheiten brauchen, ist das Rennen nichts. Ihre Psyche würde an den Rahmenbedingungen ruckzuck zerbrechen. Für aufgeschlossene Kilometerjunkies, die gierig sind nach brachialen Panoramen, fauchendem Gipfelwind und aufregenden Abenteuern, ist das Rennen wie gemacht. Eine Brise Kultur gibt es zudem noch gratis obendrauf. Mehr Infos auf der Homepage des italienischen Veranstalters Wheels Without Borders, www.mountainbike-wwb.com

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    Sky is the Limit Ladakh: Infos und Tipps - Teil 2: Reportage von Henri Lesewitz

Themen: BIKE 10/2015Henri LesewitzHimalajaIndienNepalRace


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