Mountainbike-Rennen in Südafrika

MTB Marathon-Wunderland Südafrika

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 5 Jahren

Das Cape Epic in Südafrika gilt als größtes Mountainbike-Rennen der Welt. Doch es gibt noch knapp 30 weitere Etappenrennen. Warum hat sich ausgerechnet Südafrika zu einem solchen MTB-Mekka entwickelt?

Man mag es kaum glauben: Ausgerechnet das ferne, heiße Südafrika hat sich innerhalb von nur wenigen Jahren zum Hotspot des Marathon-Sports entwickelt. Eine unglaubliche Geschichte: Sechs Jahre nachdem die BIKE Transalp Challenge einen wahren Etappenmarathon-Boom ausgelöst hatte, war Kevin Vermaak 2002 während eines Bike-Abenteuers die Idee gekommen, ein ähnliches Rennen auch in Südafrika zu organisieren. Der Modus der berühmten Transalp wurde 1:1 übernommen. Zwei Fahrer = ein Team. Renndauer: eine Woche. Größter Unterschied zum Original: Die Fahrer schliefen nicht in Hotels oder Turnhallen, sondern in Zeltstädten. Glücklicher Zufall: Der Termin Mitte März war auch für Profis aus Europa interessant, die sich zu dieser Zeit inmitten der finalen Vorbereitung auf die Worldcup-Saison befanden und gierig nach Wettkampfhärte waren. So fanden sich dann auch einige glanzvolle Namen der Cross Country-Szene auf der Startliste, die man bis dahin noch nie bei einem Etappenrennen gesehen hatte.

Kevin Vermaak, der Gründer des Cape Epic in Südafrika.

Und so war es kein Wunder, dass schon die Erstaustragung 2004 zu einem riesigen Medienspektakel wurde. Die Sieger Karl Platt (Deutschland) und Mannie Heymans (Namibia) wurden gefeiert wie Superstars und hatten eine größere Medienpräsenz, als ihnen ein Worldcup-Sieg je hätte bescheren können. Der Grund dafür war ein gewiefter PR-Schachzug von Organisator Kevin Vermaak. Um die Sponsoren wohlig zu stimmen, wurde auf eigene Kosten erstklassiges Film- und Fotomaterial produziert – unter anderem hochdramatisch aus Helikoptern aufgenommen – welches großzügig an sämtliche Medien der Welt verschenkt wurde.

Perfekte Infrastruktur und Zeltstädte im Nirgendwo: Das ist in Südafrika möglich, in Europa nicht so einfach.

Durch das Cape Epic berühmt

"Nach meinem Sieg riefen mich plötzlich Bekannte aus Nowosibirsk an, die einen Bericht vom Cape Epic auf irgend einem russischen Fernsehsender gesehen hatten", staunte damals sogar Karl Platt, der russische Wurzeln hat. Das Cape Epic wurde berühmt. Südafrikanische Konzerne stritten sich beinahe darum, wer Sponsor des Rennens sein dürfe. Banken, Versicherungen, Telekommunikations-Unternehmen. Die Organisatoren investierten die stolzen Budgets in eine sagenhafte, noch nie dagewesene Logistik und Infrastruktur. In Zeltstädte samt Chill Out-Bars, Restaurant-Hallen, Presse-Center, Dusch-Trucks und, und, und. Schließlich mussten sogar zwei Zeltstädte betrieben werden, die versetzt zueinander aufgebaut wurden, weil ein Auf- und Abbau der komplexen Camps innerhalb weniger Stunden nicht machbar war. Sogar Straßen wurden teilweise gebaut, um den riesigen Trucks den Zugang zum Camp-Gelände zu ermöglichen. So nahm die Erfolgsgeschichte ihren Lauf. Wesentlich schwerer als das Cape Epic-Ziel zu erreichen ist es, einen der zirka 1200 Startplätze zu ergattern. Ein Teil der Plätze wird per Lotterie-Verfahren vergeben. Das Fernsehen berichtet live! Zum großen Finale fliegt die Prominenz aus Kultur und Wirtschaft per Helikopter ein. Eine Megashow!

Der Helikopter zählt auf Cape Epic-Fotos fast schon zum Stammrepertoire.

Im Windschatten des Cape Epic hat sich inzwischen eine florierende Rennszene entwickelt. Die Unterstützung der Gemeinden ist groß, denn fast immer sind die Rennen mit sozialen Projekten verknüpft, denen ein Teil der Erlöse zugute kommt. Kult-Moderator Paul Valstar, der neben dem Cape Epic auch bei zahlreichen anderen MTB-Events für Stimmung sorgt, schätzt die Zahl jährlichen Etappenrennen in Südafrika auf zirka dreißig. Ein beeindruckender Wert. Wenn man bedenkt, dass der komplette deutschsprachige Raum noch nicht mal mit der Hälfte aufwarten kann.

Fußball, Cricket und Radsport

"Die Leute lieben Biken. Und sie lieben Etappenrennen", weiß Paul Valstar, dessen normales Berufsleben sich in der Finanzwelt abspielt:  "Zum einen ist das Land so groß, dass es sich kaum lohnt, wegen eines Eintages-Rennens anzureisen. Zum anderen gibt es unzählige tolle Singletrails, die sich auf Privatland befinden. Und die kann man eben nur im Rahmen eines organisierten Rennens fahren." Die große Medienpräsenz, so fügt er an, liege auch an der überschaubaren Anzahl TV-tauglicher Sportarten im Land. In Europa gebe es die Formel 1, Boxen, Skispringen und vieles andere, so Valstar. In Südafrika im Grunde nur Fußball und Cricket.

Auffällig ist: Die Mehrzahl der Etappenrennen haben eine Dauer von drei Tagen. Zwar gibt es mit dem Bridge Cape Pioneer Trek (16. bis 22. Oktober 2016) noch ein weiteres Rennen vom Kaliber des Cape Epic, was Härte, Länge und Organisations-Qualität betrifft. Doch die Dreitages-Rennen erfreuen sich gerade bei ambitionierten Hobby-Fahrern der größten Beliebtheit. Was auch mit dem Berufsleben in Südafrika zusammenhängt. Wer sich Biken leisten kann, hat meist eine eigene, erfolgreiche Firma – und kann nicht so einfach wochenlang fernbleiben. Ein verlängertes Wochenende dagegen ist immer drin.

Das Cape Pioneer Trek ist genauso groß wie das Cape Epic, aber nicht so bekannt.

Fragt man Locals nach den besten Kompakt-Etappenrennen, dann ist fast immer auch vom Garden Route 300 die Rede. Das Rennen, das jedes Jahr zwei Wochen vor dem Cape Epic ausgefahren wird, gilt als beliebter Formtest. Und es ist berühmt für seine hohe Singletrail-Dichte. Ausgangsort jeder Etappe ist der Touristen-Ort Knysna, direkt an der berühmten Garden Route gelegen. Nachdem wir uns in den vergangenen Jahren bereits unter die Starter des Cape Epic sowie des Bridge Cape Pioneer Trek gemischt hatten, zippte sich unser Reporter diesmal die Startnummer des Garden Route 300 an den Lenker. Während er drei Tage lang durch das wohl temperierte Trail-Geflecht heizte, hatte er die Kamera im Rucksack mit dabei. Die Foto-Galerie sehen Sie hier.

Mitgefahren: Garden Route 300

23 Bilder

BIKE-Reporter Henri Lesewitz war dabei beim dreitägigen Etappenrennen Garden Route 300 in Südafrika.

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