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Maxxis BIKE Transalp 2019 – Blog Lisa Gäritz #2 Maxxis BIKE Transalp 2019 – Blog Lisa Gäritz #2

Maxxis BIKE Transalp 2019 – Lisas Blog

Teil 2: Malerische Landschaften und mörderische Leiden

Lisa Gärtitz am 29.07.2019

Einmal die legendäre BIKE Transalp fahren – Lisa Gärtitz durfte sich im Zuge unserer Leseraktion "Wünsch’ Dir was" diesen Traum erfüllen. Die Berge waren dabei nicht die einzige Herausforderung.

Einmal die legendäre Maxxis BIKE Transalp fahren – das sei ihr großer Wunsch, bewarb sich Lisa Gärtitz für unsere Leseraktion "Wünsch’ Dir was". Was für eine Woche voller Aufs und Abs! Das Transalp-Rennen 2019 ist zwar bereits Geschichte, gemeinsam mit Lisa erleben wir die sieben Etappen noch einmal mit.

Vorgeschichte: Manchmal werden Wünsche wahr
Teil 1: Etappen 1 und 2 – von Tux nach St. Vigil
Teil 2: Etappen 3, 4 und 5 – von St. Vigil bis Folgaria
Teil 3: Etappen 6 und 7 – von Folgaria nach Molveno

Die Königsetappe – noch schwerer als gedacht

"Das ist wirklich unmenschlich", denke ich, als mich der Wecker um 6 Uhr am dritten Tag aus dem kuschligen Hotelbett zwingt. Die heutige Königsetappe von St. Vigil nach Welschnofen startet eine Stunde früher als gewöhnlich, also bereits um 8 Uhr. Gestern noch euphorisch gestimmt, wird mir jetzt in der müden Früh bewusst: Die Strecke wird es in sich haben. 3400 Höhenmeter auf 92 Kilometer. Das ist schon mit schmalen Reifen auf der Straße eine Hausnummer, doch mit dem Mountainbike über Stock und Stein ist es ein Gewaltakt. Doch schon der Blick aus dem Fenster mildert meine Nervosität. Das Strahlen der Sonne steckt mich an, denn unter dem azurblauen Himmel wird das Panorama der Dolomiten – meiner Lieblingsregion in den Alpen – noch intensiver wirken.

MAxxis BIKE Transalp 2019 - Wünsch Dir was - Lisas Blog

Bereit für das Abenteuer: Der BIKE-Aktion "Wünsch Dir was" sei Dank konnte sich Lisa Gäritz dem legendärsten MTB-Etappenrennen der Welt stellen. Ihr Transalp-Traum wurde endlich wahr!

Beim Frühstück legt sich die Aufregung aber doch ein wenig auf meinen Magen. Ich muss mich zwingen, aus den vielen Köstlichkeiten wenige in mich hineinzuzwängen. Glücklicherweise sitzt mir gegenüber Kirsten, die Pressefrau vom Delius Klasing-Verlag, die mich mit Gesprächen über Themen außerhalb der gleich startenden Tortur ablenkt.
Erst unmittelbar vor Rennbeginn mache ich mich zum Start. Mittlerweile an die Abläufe der BIKE Transalp gewöhnt, gerate ich nicht in Hektik. Kaum in der gewaltigen Meute der Teilnehmer stehend bzw. sitzend – jede Minute muss genutzt werden, um die Beine zu schonen – verfliegen das Grummeln im Bauch und die Angst aus dem Kopf. Stattdessen male ich mir die schönsten Bilder der bevorstehenden Kulisse aus. Ich bin bereits viele Male mit dem Straßenrad in der Gegend gewesen und von ihr fasziniert. Deshalb bin ich sicher, mit dem Mountainbike noch schönere Eindrücke einfangen zu können.

Meine Erwartungen erfüllen sich nicht nur – sie werden übertroffen. Schon auf den ersten Kilometern lasse ich einige Antritte aus, um die beeindruckende Aussicht zu genießen. Wie gigantische Majestäten bäumen sich die steilen, schroffen Felswände aus saftig grünen Wiesen in einen tief blauen Himmel hinauf. Ein unbezahlbarer Augenblick. Trotz der schmerzenden Beine formt sich ein glückliches Grinsen um meine Mundwinkel.

Maxxis BIKE Transalp 2019 – Blog Lisa Gäritz #2

Bei solch einem Panorama vergisst man vor Verzückung fast den Schmerz in den Beinen.

Auch als ich mich die steilen Hänge zum Sellajoch unter quälenden Mühen hinaufschinde, muss ich einfach die Landschaft bewundern. Diese traumhaften Bilder und das Glück, sich solche Momente durch eigene Anstrengungen zu verdienen, animieren mich zum Weitermachen und lassen die Leiden in den Hintergrund treten. Ohne Schweiß eben kein Preis!

Auf der Höhe pochen die abgespulten Höhenmeter nun aber recht stark in den Oberschenkeln. Ich riskiere einen Blick auf den GPS-Computer und vergleiche die Angaben mit dem Streckenprofilsticker auf meinem Oberrohr. Ich rechne kurz nach und erschrecke: Es fehlen noch über 40 Kilometer und mehr als 800 Höhenmeter! Die Rampen, die bald folgen werden, interpretiere ich auch noch fälschlicherweise als gar nicht so steil. Als ich sie originalgetreu unter meinen Reifen spüre, schimpfe ich stumm auf die zuvor heiß gelobten Dolomiten. Die Luft reicht nicht aus für lautes Fluchen.

Bald werde ich vor Erschöpfung aus dem Sattel geworfen. Wer liebt, der schiebt. Heute erlebe ich, was es heißt, das härteste MTB-Rennen Europas zu fahren. Ich leide. Und wie! Ich kann nicht unterscheiden, ob mir Schweiß oder Tränen die Wangen herunterrollen. Gott sei Dank treffe ich auf die beiden Schweizer, mit denen ich seit Tag eins immer wieder kleine Späßchen treibe. Mit aufmunternden und lustigen Sprüchen heitern sie mich auf.

Dennoch scheinen Tage zu vergehen, bis ich die letzte Mauer überwinde und mich in einen Trail der schönsten Sorte stürzen darf. Hier fühle ich mich wohl. Breite, fest ausgefahrene, flowige Kurven, die sich locker fahren lassen und die beiden Schweizer mit kleinen Hilfestellungen hinter mir. Als wäre ich vor wenigen Minuten keinem Zusammenbruch nahe gewesen, muss ich laut lachen, als ich mit kleinen Sprüngen durch den Trail sause. Im Ziel habe ich die fürchterlichen Qualen bereits wieder vergessen und freue mich mit meinen beiden Unterstützern über das Ende der Etappe.

Tücken der Technik und gute Beine

Am nächsten Morgen brennen meine Oberschenkel wie Glühhölzer. Der Gang zum Frühstück wird zur ersten Qual des Tages. Der Appetit aber ist zurück und ich schaufle Brötchen, Müsli und Pancakes in mich hinein, als stünde eine Hungerperiode bevor. Hoffentlich landet das nicht beim ersten Anstieg auf dem Vorderrad.
Trotz meiner müden Beine fühle ich mich körperlich erholt und bin extrem motiviert. Der Startschuss für die 75 Kilometer von Welschnofen nach San Martino di Castrozza fällt. Wie immer geht es sofort in einen Anstieg und ich verfalle wie gewohnt schnell in meinen Bergrhythmus. Am ersten steilen Stück passiert es dann. Kettenklemmer. Die Kette ist über das große Ritzel nach innen gerutscht und hat sich böse verhakt. Ich springe ab und fingere hektisch am Rad herum. Natürlich wird das so nichts.

Da höre ich schon meine Schweizer Freunde. Sie beheben das Malheur fix und wie immer fehlt ein kleiner Scherz nicht. Weiter geht’s. Kurz darauf dasselbe Desaster. Ich werde unruhig. Eine schnelle Einstellung der Schaltung folgt durch meine Schutzengel. Leider funktioniert das Schalten nur unter Entlastung der Kette. In den Steilanstiegen ein schwieriges Unterfangen. Die nächsten Kilometer komme ich ohne Komplikationen zügig voran. So entlasse ich meine Helfer mit einem riesigen Dank.

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Trails, Sonne, Dolomiten-Wände: Schöner kann man sich nicht quälen. 

Nicht immer denke ich daran, beim Gangwechsel keine Last aufzubringen. Und so muss ich besonders gegen Ende noch einige Male anhalten, um die Kette aus dem Laufrad zu fitzen. Es nervt! Zum Glück steht das Kamerateam, welches mich heute für einen kleinen Film begleitet, nicht gerade in den Passagen, in denen ich fluche und schimpfe.
Nach diesen kleinen Pannen heißt es immer wieder Vollgas, denn ich fühle mich gut. Dieses Wechselbad der Gefühle frustriert mich. Aber wieder einmal verschwinden die Wut und der Ärger, als ich zwischen atemberaubender Kulisse die Serpentinen des Passo Rolle hinaufklettere. Ich liebe es, vor dieser atemberaubenden Kulisse den Blick zwischen den aufgereihten Teilnehmern unter mir und der nächsten Kehre als ersichtliches Ziel über mir schwenken zu lassen. Mein Tempo schätze ich bereits jetzt als zügig ein. Als sich jedoch mit einem Schlag schwarze Wolken an den umliegenden Felswänden bilden, treten meine Beine ohne Aufforderung einige Watt mehr – ich habe schreckliche Angst vor Gewittern im Gebirge.

Im Trockenen und mit gemischten Gefühlen treffe ich in San Martino di Castrozza ein. Der obligatorische Blick auf mein Handy lässt mich jubeln. Mein Freund verfolgt stets die Live-Ergebnisse und hat mir immer schon eine liebe Nachricht geschrieben, bevor ich die Hand in der Trikottasche habe. Heute bin ich sogar Fünfte! Ich freue mich riesig und bringe mein Rad zum Bulls-Teammechaniker, der es im Nu repariert. Der Grund für die Probleme war übrigens ein verbogenes Schaltauge. Morgen wird es besser.

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Das Bulls-Duo Urs Huber und Simon Stiebjahn zählt 2019 zu den Top-Favoriten auf den Gesamtsieg. Einzelfahrerin Lisa gehört für die Dauer der BIKE Transalp-Woche zur Bulls-Crew – inklusive Race-Bike, Technik-Support und allem Pipapo. 

Frieren, Fürchten und Verzweifeln

Oder auch nicht. Die 5. Etappe soll nicht nur die längste, sondern auch die quälerischste werden. Bereits zu Beginn der Strecke zieht sich der Himmel zu. Ich bin besorgt. Als im ersten Anstieg die ersten Regentropfen fallen, werde ich nervös. Ich bin bei Kälte und Nässe wirklich sehr wehleidig. Meine Sorge ist nicht unberechtigt, denn wenig später regnet es sich ein. Ich beginne bereits in der Auffahrt zu frieren.

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Beim Start zur 5. Etappe in San Martino sehen sich die Starter herrlichen Dolomiten-Giganten gegenüber – und 112 Tageskilometern inklusive 2988 Höhenmetern. 

Die Passhöhe erreicht, drehe ich schier durch. An der Verpflegungsstation sehe ich das Official Car. Ich denke an Ausstieg. Bestimmt fünfzehn Minuten stehe ich unter dem Verpflegungszelt und kühle richtig schön aus, anstatt umgehend die paar Kilometer ins Tal hinunterzustürzen, wo die Temperaturen wieder angenehm sind. Nein! Ich habe solche Angst vor der Kälte in der Abfahrt, dass ich bereits hier oben erstarre und tatsächlich die Aufgabe erwäge.
Nach und nach stürzen sich die von mir Überholten ins warme Tal. Ich denke: Hier ist allen kalt. Aufgeben ist nicht. Du wolltest das doch so! Also reiße ich mich zusammen und rolle mit laut aufeinanderschlagenden Zähnen im Schritttempo ins Tal, um weniger Fahrtwind abzubekommen.

Völlig unterkühlt erreiche ich den sommerlich aufgeheizten Talgrund des Valsugana. Kurz darauf weicht die Regennässe dem triefenden Schweiß. Über 30 Grad sind es nun. In einer langen flachen Passage kann ich mich im Windschatten einer kleineren Gruppe bei zügigem Tempo gut erholen. Trotzdem habe ich auf den letzten 15 Kilometern das Gefühl zu sterben. Wieder einmal endet die Etappe mit brutal steilen Rampen, die mir heute nach dem nahenden Erfrierungstod wirklich den Zahn ziehen. Völlig am Ende schleppe ich mich nach 110 Kilometern in Folgaria ins Ziel und gebe dankend das Rad in die Hände des Bulls-Mechanikers, der es für mich wäscht, checkt und ölt.

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Die BIKE Transalp ist auch eine Bewährungsprobe für das Material. Von Pannen bleiben auch die Profis nicht verschont.

Nach diesen drei Tagen bekommt das Lied "Highway to Hell", welches bei jedem Etappenstart gespielt wird, eine ganz neue Bedeutung für mich. Aber genau durch diese Höllenqualen bekommen die atemberaubend schönen Momente doch erst so richtig ihren Wert! In diesem Sinne immer entspannt Vollgas. Der dritte und letzte Teil meines Blogs erscheint am Mittwoch, den 31. Juli.

Bis dahin, Eure Lisa


Zahlen, Daten, Fakten zur BIKE Transalp 2019 

Länge: 550 km 
Von den Tuxer Alpen durch die Dolomiten bis zur Brenta – die Transalp-Route 2019 führt wieder durch richtig große Landschaften.

Höhenmeter: 18 500 hm
In nur sieben Tagen – als Rennteilnehmer meldet man sich wegen dieses harten Programms an. Das Original-Transalp-Flair erlebt man natürlich nur mit Startnummer am Lenker. Alle anderen können sich ja Zeit lassen.

Details zum härtesten Rennen Europas finden Sie auf der Webseite bike-transalp.de und den Social-Media-Kanälen:

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Maxxis BIKE Transalp 2019 – Blog Lisa Gäritz #2

Verfahren unmöglich: Die Strecke war perfekt ausgeschildet und abgesichert. 


Die BIKE-Transalp für alle zum Nachfahren

Übrigens: Die Traumroute, die BIKE-Transalp-Streckenchef Marc Schneider für 2019 zusammengestellt hat, haben wir in der Printausgabe der BIKE für alle zum Nachfahren vorgestellt. Seit Jahresbeginn konnten Sie in jedem Heft eine Etappe im Detail kennenlernen. Das letzte Teilstück finden Sie in der aktuellen BIKE-Ausgabe, die noch bis 5. August am Kiosk liegt.

Darin: Die Transalp-Highlights auf und neben der Strecke von Tux nach Molveno inklusive Einkehrempfehlungen auf jedem Teilabschnitt, die Höhenprofile und der komplette Satz GPS-Daten – natürlich kostenlos zum Downloaden. Alle Infos finden Sie im Netz, den Link dazu in der aktuellen BIKE 8/2019 auf Seite 119. 

Strecke BIKE Transalp 2019

Die BIKE Transalp-Strecke für 2019 mit ihren sieben Etappen im Überblick.

Lisa Gärtitz am 29.07.2019

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