Bernd im Glück Bernd im Glück Bernd im Glück

Leseraktion „Wünsch’ Dir was!“: Carbon-Bike selber bauen

Bernd im Glück

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 2 Jahren

Ein leichtes Race-Bike für die Salzkammergut Trophy, das war der Wunsch unseres Lesers Bernd Fischer. Dass er die Geburt seines eigenen Stoll-Bikes erleben würde, hätte er nie zu träumen gewagt...

211 Kilometer und 7119 Höhenmeter: Die Salzkammergut Trophy ist auch ohne Dauerregen ein Monstrum von Marathon. Von 633 Angemeldeten, die die berühmt-berüchtigte A-Distanz in Angriff nehmen wollten, gingen am kaltnassen Samstagmorgen schließlich nur 526 auf die Strecke – darunter Bernd Fischer. Es wurde die höllischste Quälerei, die der Heidelberger je erlebt hatte. Der Regen: Fies. Die Kälte: Kaum auszuhalten. Die Karenzzeiten: Unbarmherzig. Dennoch durchlitt Bernd tapfer einen Kilometer nach dem anderen. Sein altes, viel zu schweres All Mountain-Fully mit 26 Zoll-Laufrädern machte es im nicht gerade leicht. Noch bevor die Hälfte der Strecke geschafft war, waren die Beine mausetot. Bernd gab auf. So wie viele andere. Die Finisher-Quote diesmal: unter 50 Prozent. Von den gestarteten Damen erreichte sogar nur eine das Ziel.

Kaum zu Hause war Bernd bereits wieder im A-Distanz-Fieber. Klar war: er brauchte dringend ein rassiges Marathon-Bike. Klar war aber auch: Für ihn, den zweifachen Vater und beruflichen Krankenpfleger, war so eine Anschaffung finanziell nur schwer zu stemmen. Also bewarb er sich bei unserer Leseraktion "Wünsch’ Dir was!". "Liebes BIKE-Team, bitte unterstützt mich bei der nächsten Salzkammergut Trophy. Hättet ihr vielleicht ein geiles Race-Bike für mich?"

Soll er sich doch seinen Traum-Rahmen backen, dachten wir – und organisierten ein Blind Date bei der Manufaktur Stoll.


Die große Reportage steht in BIKE 10/2019 - Erscheinungstermin 3. September.


Haben Sie auch einen Wunsch, den wir erfüllen können? Dann schreiben Sie uns unter leseraktion@bike-magazin.de


Die Foto-Galerie gibt es hier:

Veranstalter "Einmal Hölle und zurück", laut der Slogan der berüchtigten A-Distanz bei der Salzkammergut Trophy. Leser Bernd Fischer hätte es wissen müssen, wagte sich aber dennoch auf die Strecke. Der höllische Dauerregen und aufgezehrte Kräfte zwangen Bernd schließlich in die Knie. Sein altes, 14 Kilo schweres 150-Millimeter-Fully war aber auch alles andere als optimal. Wenige Tage nach der Aufgabe schrieb er an BIKE, Betreffzeile: "Leseraktion Wünsch’ Dir was!". Sein Wunsch: Ein leichtes Marathon-Bike für den nächsten A-Distanz-Versuch 2020. 

Henri Lesewitz Als Bernd bei Bike Ahead Composits in Würzburg zum Blind Date eintraf, konnte er es nicht glauben, was ihm der BIKE-Reporter seinen "Gewinn" mitteile: Ein Carbon-Rahmen der Schweizer Highend-Firma. Laminiert hier und jetzt, von ihm selber. Natürlich unter professioneller Anleitung. Christian Gemperlein höchstpersönlich, der Chef der Carbon-Manufaktur Bike Ahead Composites, die auch die Stoll-Rahmen fertigt, nahm sich einen Tag lang für Bernd Zeit. Hier zeigt Christian die Kühlkammer mit den Carbon-Matten. Bei Zimmertemperatur würde das Rohmaterial schnell aushärten. 

Henri Lesewitz Der computergesteuerte Cutter schneidet innerhalb von wenigen Minuten die Einzelteile für den Rahmen aus den Carbon-Matten. Der Stoll R1, den Bernd bekommt, besteht aus 80 Carbon-Schnipseln – jeder speziell auf seinen Einsatzzweck und seinen Platz am Rahmen zugeschnitten. "Das sind eher wenige Teile, verglichen mit Rahmen aus Fernost, die teilweise aus wesentlich mehr Einzelteilen bestehen. Die große Kunst beim Carbon-Rahmenbau besteht darin, mit möglichst wenig Teilen zurecht zu kommen", erklärt Christian.  

Henri Lesewitz Kaum vorstellbar: Aus solchen Läppchen wird innerhalb weniger Stunden ein robuster Mountainbike-Rahmen entstehen. 

Henri Lesewitz Der Laminier-Bereich ist ein eigener, abgeschlossener Bereich. Christian zeigt Bernd an einer Fully-Form, die aus zwei Halbschalen besteht, die wichtigsten Handgriffe. Das Laminieren des Hardtails ist geheim und darf nicht im Detail fotografiert werden. Grund: Anders als Carbon-Hardtails aus Fernost, bei denen Hauptrahmen und Hinterbau getrennt laminiert und nach dem Backen zusammen gefügt werden, entsteht das Stoll F1 aus einem Stück. "Wie wir das machen, muss nicht jeder sehen", zwinkert Christian und entschuldigt sich für die Geheimniskrämerei. Aber die Hardtail-Form und die Art des Laminierens sind nun mal Firmengeheimnis. 

Henri Lesewitz Acht bis neun Stunden dauert das Einlegen der Carbon-Matten in die Form, dann wird der Rahmen drei Stunden lang bei 120 Grad im Autoklav gebacken. So sieht er aus, wenn der obere Teil der Backform abgenommen ist. 

Henri Lesewitz Durch das Backen und den Druck der Vakuum-Infusion haben sich Harzkanten gebildet. 

Henri Lesewitz Der "Dreckraum", wie die Finish-Kammer genannt wird, ist hermetisch vom restlichen Teil der Firma abgeschlossen. Wer hier arbeitet, muss Atemschutz tragen. Der feine Carbon-Staub ist gesundheitsschädlich. Oberflächen-Profi Horst (li.) erklärt Bernd die Kniffe der Feinbearbeitung.  

Henri Lesewitz Der Schweizer Thomas Stoll ist das Gesicht hinter der Marke Stoll. Als der ehemalige Marathon-Profi vor drei Jahren beschoss, sich mit einer eigenen MTB-Marke selbstständig zu machen, entschied er sich bewusst gegen eine Fernost-Fertigung. Bike Ahead Composites ist für ihn der perfekte Partner. Die Qualität ist überragend und auch soziale wie ökologische Aspekte spielen bei der Fertigung eine Rolle. Die Rahmen werden unter Berücksichtigung der Kundenwünsche in Würzburg gebaut, das Aufbringen des Dekors sowie die Montage erfolgen normalerweise in der Schweiz. Um mit Bernd dessen Rahmen zu folieren, ist Thomas Stoll diesmal extra aus der Schweiz angereist.  

Henri Lesewitz Jeder Kunde bekommt seinen Namen auf das Sitzrohr seines Rahmens. Bernd hat sich für seinen Spitznamen "Boernet" entschieden. 

Henri Lesewitz Was für ein Moment! Einen Tag, nachdem der erste Carbon-Streifen in die Form gelegt wurde, ist der Rahmen fertig. Bernd posiert mit seinem R1 stolz vor dem Autoklav, in dem das Schmuckstück gebacken wurde.  

Georg Grieshaber Weil man mit einem Rahmen allein nicht die Salzkammergut Trophy fahren kann, legt BIKE noch einen drauf! Damit Bernd sofort lostrainieren kann, haben wir den Rahmen komplettiert. Unterstützt wurden wir von mehreren Teilespendern. Zum Beispiel von Federgabel-Hersteller Rock Shox, die diese schicke SID der "Select"-Serie zur Verfügung stellte. 100 Millimeter Federweg, feines Ansprechverhalten, top Dämpfung, dazu der flinke TwistLoc-Hebel. So fährt Bernd wie Weltmeister Nino Schurter – zumindest was das Thema Federgabel anbelangt. 

Georg Grieshaber Sicher, es gibt leichtere Kurbeln. Aber kaum welche stecken so viel weg wie die Alu-Teile aus Sram’s GX-Serie. 

Georg Grieshaber Wenn in der Hölle von Bad Goisern schon auf die Beine kein Verlass ist, dann sollte man sich zumindest auf die Bremsen verlassen können. Die MT8 von Magura vereint formvollendeten Leichtbau und brachiale Brems-Power. Perfekt für Bernds Stoll! 

Georg Grieshaber Die A-Distanz der Salzkammergut Trophy hat schon viele Hartgesottene in die Knie gezwungen. Einen Chris King-Steuersatz jedoch wird sie nicht mürbe kriegen. Die Steuersätze der US-Manufaktur gelten als unzerstörbar und gehören zur Standard-Ausstattung jedes Stoll-Bikes. Mit auf dem Bild: Eine Zugführung für den Rahmen sowie das Ausfallende. 

Georg Grieshaber Starke und leichte Syncros-Kombi: Der Alu-Lenker FL 1.5 wird vom Carbon-Vorbau XR 1.0 in Position gehalten. 

Georg Grieshaber Die Syncros-Stütze FL 1.0 kommt im dezenten, schwarzen Look und ist dank Carbon auch noch schön leicht. 

Georg Grieshaber Wenn es, wie bei der Salzkamergut Trophy, mal etwas länger dauert, ist ein bequemer Sattel das A und O: Der Syncros Tofino ist ergonomisch optimal und wie gemacht fürs Stoll.   

Henri Lesewitz Breite Felgen aus Carbon gepaart mit robusten Boost-Naben: Mit dem TR249 hat Reynolds den perfekten Laufradsatz für knackige Marathon-Ritte im Sortiment. Die Räder lassen sich prima beschleunigen und stecken auch knüppelharte Trail-Passagen ohne Probleme weg. 

Henri Lesewitz Super: Die Felgen-Dekore in verschieden Farben, mit denen man das Reynolds-Set auf den Rahmen-Look abstimmen kann. 

Henri Lesewitz Fast fertig! BIKE-Mechaniker Hans-Peter Ettenberger, der das Stoll Teil für Teil aufgebaut hat, muss nur noch die Laufräder montieren. Dann kann Bernd über die Trails düsen.  

Henri Lesewitz Selbst Fliegen ist nicht schöner! Bei der Jungfernfahrt auf dem Münchner Isar-Trail kann Bernd nicht fassen, wie irre das Stoll R1 nach vorne geht. "So ein geiles Bike! Ein riesengroßes Dankeschön an alle, die das möglich gemacht haben!", freut er sich. Er kann sein Glück noch immer kaum fassen. Nächstes Jahr will er mit dem Stoll in die Hölle von Bad Goisern fahren. Doch jetzt fühlt er sich erst mal wie im siebten Himmel.

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